Vor 30 000 Fans gibt das Berliner Duo SDP in Stuttgart sein bisher größtes Konzert. Bilder und Kritik vom Auftritt auf dem Cannstatter Wasen, der auch Überraschungsgäste zu bieten hatte.
Mit einem Knall eröffnen SDP ihr Jubiläumskonzert auf dem Wasen, und ebenso beenden sie es auch. Der Auftritt in Stuttgart ist der größte ihrer aktuellen Tour und damit das bestbesuchte Konzert, das die Musiker aus Berlin-Spandau nach 25 Jahren Bandgeschichte je hatten. Trommelwirbel und vibrierende Bässe am Anfang, Flammenkegel und Feuerwerk am Ende. Blaue Nebelschwaden ziehen über den Platz. Später werden sie dann bunt.
SD-Wer? Vielleicht fragt sich jemand, wer die beiden Musiker sind, die am Samstagabend 30 000 Fans zum ausverkauften Konzert auf den Cannstatter Festplatz locken, doch das ist mehr ein charmantes Understatement, mit dem die Musiker, also Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin, gerne selbst kokettieren. SDP – oder auch Stonedeafproduction – sind spätestens seit dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2012 gemeinhin bekannt als die „bekannteste unbekannte Band der Welt“.
Aber anders als etwa Sido, Prinz Pi, Bela B, Capital Bra oder Kool Savas, mit denen sie immer wieder zusammengearbeitet haben, sind sie weniger im allgemeinen popmusikalischen Diskurs zugegen, und Band und Fans spielen gerne mit diesem Umstand. T-Shirts mit dem Akronym DBUBDW sind zu sehen, und zur Konzertmitte hin gibt es das gleichnamige Lied.
SDP rocken also den Wasen, und das versetzt nicht nur Mütter, Väter und deren Kinder in Verzückung. Die Fans springen und tanzen, singen jede Zeile mit. SDP sind sicher niemals langweilig. „Wir setzen Energie frei!“, sagt Vincent Stein einmal im Lauf des Abends. SDP stehen mit ihrem Publikum in engem Kontakt. Das passiert nicht nur über ihre Lieder, sondern sie scherzen, albern, spielen und holen damit alle ab. Ein Glücksspielautomat gibt vor, welchen Song sie aus der 25-jährigen Bandgeschichte präsentieren. Eben Best-of SDP.
Im Vorprogramm ist Esther Graf zu sehen
Im Vorprogramm ist Esther Graf zu sehen, die derzeit mit SDP den Hit „Mama hat gesagt“ singt. Die 25-jährige gebürtige Österreicherin spielt Stücke von ihrem kürzlich erschienenen ersten Album und tritt später noch mal mit der Band auf. Auch der Newcomer Greeen ist dabei und erzeugt mit skalastigen Stücken eine entspannte Stimmung. Und zum Jubiläumskonzert gibt es noch weitere Überraschungsgäste: Prinz Pi rappt zum Song „Echte Freunde“, und Weekend erscheint zu „Tanz aus der Reihe!“.
Aus der Reihe zu tanzen, das beschreibt SDP ganz gut. Mut und Motivation sprechen sie ihrem Publikum zu – und dies immer mit einer gewissen spielerischen Portion Verrücktheit und Ironie. Hinzu kommt ein wenig Gesellschaftskritik. Musikalisch gibt es bei SDP keine Grenzen zwischen Ska, Happy-Hardcore, Hip-Hop und Punkrock. Das ergibt eine bunte Mischung, die auch mal im Schlager enden kann. Das Essener Hip-Hop-Duo 257ers kommt hinzu und ist eine Runde mit von der Partie.
Große Planschbecken in Einhorn- und Tierform werden eine Zeit lang durch die Fanmenge gereicht; später gibt es bengalische Feuer. Zu einem großen Event gehört auch eine große Show. Eine gewaltige Geburtstagstorte aus Pappmaschee rollt auf das Feld und in die Zuschauermenge hinein, das Duo spielt eine Weile von dort aus, dazu ein „Happy Birthday“. „Ne Leiche“, eines ihrer bekanntesten Stücke, sorgt für ausgelassene Stimmung.
Dag-Alexis Kopplin lässt sich zur zweiten Konzerthälfte von einem der Soundtower herabseilen und spielt in waagerechter Position ein E-Gitarren-Solo, als wären Sportlichkeit und Akrobatik selbstverständlich. Und weil sich SDP eben nicht auf ein Genre festlegen lassen, gibt es einen Part, bei dem sie nur Balladen spielen, viele Fans sitzen nun auf dem Boden, dazu ein Lichtermeer. Die Begleitband gibt den Rhythmus vor, und einmal spielt Vincent Stein das Akkordeon. Feuerkegel erwärmen und erleuchten den Platz; ein spektakuläres Feuerwerk beschließt die Show, bevor sie ihren größten Hit „Die Nacht von Freitag auf Montag“ spielen, mit dem Signal, dass die Party noch weitergeht.
Auf den Leinwänden erscheint im Verlauf der Hinweis, dass SDP auch im nächsten Jahr wieder hier sein werden – wer weiß, was sie sich dann wieder einfallen lassen werden.