Die 64. Berlinale wartet wieder mit vielen Filmen und Stars auf – Ein Gespräch mit Festivaldirektor Dieter Kosslick Foto: dpa

An diesem Donnerstag beginnen die 64. Berliner Filmfestspiele. Seit Mai 2001 steht das neben Cannes und Venedig bedeutendste Filmfestival unter der Leitung von Dieter Kosslick (65). Der deutsche Film ist beim Festival stark vertreten, große Themen werden Kirche, Moral und Sexualität sein.

An diesem Donnerstag beginnen die 64. Berliner Filmfestspiele. Seit Mai 2001 steht das neben Cannes und Venedig bedeutendste Filmfestival unter der Leitung von Dieter Kosslick (65). Der deutsche Film ist beim Festival stark vertreten, große Themen werden Kirche, Moral und Sexualität sein.
Berlin - Herr Kosslick, lange war unklar, ob der Film „The Monuments Men“ auf der Berlinale laufen würde. Wie haben Sie sich gefühlt, als George Clooney schließlich Ja gesagt hat?
Ich hatte schon während seiner Dreharbeiten in Berlin öfters mit Clooney darüber ­gesprochen. Als wir seinen Film schließlich hatten, dachte ich: Gott sei Dank! Denn was wäre los gewesen, wenn „The Monuments Men“ nicht auf der Berlinale gelaufen wären? Es geht ja um eine US-Einheit im Zweiten Weltkrieg, die den Nazis geraubte Kunstschätze abnimmt, um sie ihren Besitzern zurückzugeben, und als diese Geschichte um den beschlagnahmten Nazi-Kunstschatz des Herrn Gurlitt herauskam, war unsere Freude umso größer – damit ­haben wir ein brandaktuelles Thema im Wettbewerb.
Ursprünglich sollte der Film im Januar in den Kinos starten und wäre für die Berlinale ausgefallen. Offiziell hieß es, er sei nicht rechtzeitig fertig geworden. Oder haben Sie hinter den Kulissen den Clooney ein bisschen zur Startverschiebung überredet?
Das kann ich nun nicht für mich in Anspruch nehmen. (Lacht) Die Postproduktion hat sich wohl verzögert. Bisweilen hat man eben einfach dieses Glück – umgekehrt gibt es oft ­genug Fälle, dass Filme nicht rechtzeitig zur Berlinale fertig werden.
Abgesehen von der Beutekunst, welche anderen Themen sind auf der kommenden Berlinale aktuell?
Der berühmte rote Faden eines Festivals wird gerne etwas überbewertet. Als thematische Tendenz lässt sich aber sagen, dass ­einige Filme der Berlinale sich mit Kirche, Moral und Sexualität beschäftigen werden.
Wie wichtig ist die Jury für ein Festival?
Eine kompetente Jury ist wichtig, damit sich die Filmemacher mit deren Urteil ernst ­genommen fühlen. Prominente Namen der Juroren mögen einem Festival zusätzlichen Glanz verleihen, aber das steht für uns nicht im Vordergrund. Wir möchten, dass die ­Bären von fachkundigen Leuten vergeben werden.
Wäre es keine demokratische Innovation, das Publikum über die Preise urteilen zu lassen wie in Toronto?
In den Anfangsjahren der Berlinale war das so. Als das Festival den „A-Status“ bekommen hat, also mit einem internationalen Wettbewerb an den Start ging, wurde die Einrichtung einer professionellen Jury notwendig. Es wird aber traditionell ein Publikumspreis in der Panorama-Sektion verliehen.
Vor zwei Jahren gab es die Idee einer Doppelspitze, wonach dem Festivaldirektor à la Cannes ein künstlerischer Leiter an die Seite gestellt wird – ist das mittlerweile Schnee von gestern oder noch aktuell?
Das wird davon abhängen, wie sich die Berlinale in der Zukunft entwickelt. Unser Filmmarkt erlebt diesmal einen noch größeren Zuwachs, und durch den neu eröffneten Zoo-Palast können wir noch mehr Besucher begrüßen. Welche Konsequenzen diese ­Veränderungen haben, wird zu entscheiden sein, wenn mein Vertrag abläuft. Die ­Doppelspitze ist kein Tabuthema – bis es so weit kommt, muss ich einfach doppelt spitze sein! (Lacht)
Mit welchen Erwartungen sehen Sie der ­Zusammenarbeit mit der neuen Kulturstaatsministerin Monika Grütters entgegen?
Mit der neuen Kulturstaatsministerin verbindet uns schon seit langem ein sehr gutes Verhältnis. Sie hat die Berlinale häufig ­besucht und interessiert sich sehr für Kino. Ich kann nur sagen: Monika Grütters ist ein Glücksfall für die Kultur!
Die Frauenquote wird mittlerweile schon bei Aufsichtsräten eingeführt, wäre das für Filmfestivals kein Thema, wo Regisseurinnen eklatant in der Minderzahl präsent sind?
Wir halten ständig Ausschau nach Regisseurinnen, im Vergleich zu anderen Festivals sind Frauen auf der Berlinale immer schon präsenter. Das Problem liegt ganz einfach daran, dass es zahlenmäßig nicht so viele Filmemacherinnen auf der Welt gibt.
Das Festival hat die sozialen Netzwerke entdeckt und setzt stark auf Facebook und Twitter. Wie halten Sie selbst ­es damit?
Durch die sozialen Netzwerke sprechen wir tatsächlich sehr viele Interessierte an. Allein auf Facebook gibt es bereits über 100 000 Berlinale-Fans, die dort auch Fragen stellen und sich austauschen können. Ich persönlich werde allerdings nicht ständig vom roten Teppich aus Tweets in mein Handy tippen. Wenn ich etwas zu tweeten habe, werden das Mitarbeiter tun.
Festivals lieben Stars. Und Stars lieben Marotten. Was war die übelste Zickerei eines Berlinale-Gastes?
Das bleibt eines Tages meiner Autobiografie vorbehalten! (Lacht) Eine Geschichte kann ich aber gern zum Besten geben: Bei einem Star mussten wir die Glühbirnen im Hotelzimmer passend zur Farbe der Äpfel in der Obstschale aussuchen – und das haben wir geschafft!
Der TV-Moderator Dieter Moor hat unlängst seinen Vornamen zu Max ändern lassen, weil er Dieter doof fand – was sagen Sie dazu?
Ich bleibe bei Dieter, mir gefällt der Name.
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