Auch Josef Haders Regiedebüt „Wilde Maus“ mit ihm selbst in einer der Hauptrollen wird auf der Berlinale zu sehen sein. Foto: Berlinale

Der Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ist kurz vorm Start des Mega-Filmfestivals am 9. Februar bester Dinge. Er spricht im Interview über aktuelle Themen des Weltkinos und Donald Trumps Wirkung auf Hollywood.

Berlin – - Am 9. Februar beginnt die 67. Berlinale. Dieter Kosslick leitet das wichtigste deutsche Filmfestival, das zusammen mit Cannes und Venedig auch international die Spitzengruppe bildet, seit 2001. Mit einem Budget von rund 18 Millionen Euro ist die Berlinale ein Wirtschaftsfaktor, muss aber stets auf inhaltliche Innovationen, nicht nur auf Publikumsattraktivität achten. Im Gespräch aber zeigt sich ihr Chef wie immer: höchst zuversichtlich.

Herr Kosslick, welche Folgen wird der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf die Berlinale haben?
Das Festival ist seit Jahren mit dem Thema Sicherheit konfrontiert. Die vorige Berlinale fand unmittelbar nach den Anschlägen von Paris statt. Es gibt ein maßgeschneidertes Sicherheitskonzept, in enger Zusammenarbeit mit den Behörden erstellt und so diskret wie möglich umgesetzt. Wir wollen keine Hundertschaften Polizei aufmarschieren lassen – aber wir haben viel Sicherheit am Platz!
Befürchten Sie Absagen internationaler Gäste, wie es sie im Vorjahr in Cannes gab?
Ich gehe nicht davon aus, dass es im großen Stil solche Absagen geben wird.
Maren Ades „ Toni Erdmann“ hat dem deutschen Kino einen Triumph beschert. Bringt das mehr internationale Aufmerksamkeit für die deutschen Festival-Beiträge?
Mit einem „Erdmann“-Effekt kann man rechnen. Als „Good Bye, Lenin!“ auf der Berlinale gefeiert wurde, bekamen die anderen deutschen Filme gleichfalls große Aufmerksamkeit. Wobei die Zuschauer ohnehin wissen, dass die Berliner Schule, zu der Maren Ade gerechnet wird, nicht in Frankreich erfunden wurde.
Welche Themen treiben das Weltkino um?
Die Flüchtlingsfrage. Migration bleibt ein großes Thema. Wobei es mittlerweile nicht mehr allein um Betroffenheit geht, sondern um Ursachen und Zusammenhänge. Auffallend ist, dass Filmemacher auf die Geschichte ihrer Länder blicken und fragen: Weshalb ist die Situation heute so, wie sie ist? Das geschieht aktuell in vielen Teilen der Welt, ob in Kuba, in Norwegen, in Pakistan oder Indien. Es sind filmische Reisen in die Vergangenheit.
Ist der rote Faden für ein Festival wichtiger als der rote Teppich mit Star-Auflauf?
Es mag in Berlin das Jahr über viele Filmpremieren geben, unser roter Teppich bleibt trotzdem etwas Besonderes. Die Atmosphäre eines Festivals ist einzigartig. Wobei Glamour und Themen traditionell gleichermaßen wichtig sind. Zwischen rotem Faden und rotem Teppich herrscht ­keine Konkurrenz.
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