Die Berliner „Tatort“-Kommissare (Marc Waschke und Meret Becker) Foto: ARD

Mark Waschke als Kommissar Karow kehrt aus der U-Haft zurück. Zusammen mit seiner Kollegin Nina Rubin muss er einen tödlichen Unfall im Parkhaus aufklären.

Stuttgart - Der zweite Berlin-„Tatort“ mit dem Team Rubin/Karow endete mit einem Cliffhanger: Karow musste in U-Haft, weil bei ihm die Waffe gefunden wurde, mit der sein Kollege Maihack getötet worden war. „Wir – Ihr –Sie“ knüpft nun direkt daran an. Und wie! Das wird mit Sicherheit ein Kommentargewitter in den sozialen Medien auslösen. Karow kehrt just in dem Moment aufs Kommissariat zurück, in dem sich seine Kollegen das ihn entlastende Video reinziehen. Es zeigt ihn in seiner Wohnung beim nackten, schwulen Sex auf dem Sofa. Danach lässt der Lover die fragliche Pistole in einer Schublade verschwinden. „Davon kannst du nur träumen“, kontert Karow reaktionsschnell und bremst den gerade noch feixenden Kollegen Steinke aus, als der sich anschickt, zur Ermittlung auszurücken: „Schön Stube. Bin ja wieder da. Im Gegensatz zu Ihnen gut gefickt.“

Das ist dieser spezielle Berlin-Ton, und das ist vor allem ein Mark Waschke, dem man immer interessierter zuschaut, wie er über die Folgen hinweg versucht, das Komplott-Knäuel gegen ihn im Zusammenhang mit Maihacks Tod zu entwirren. Daneben sacken Nina Rubins (Meret Becker) familiäre Probleme, die in „Wir – Ihr – Sie“ ebenfalls weiter ausgebreitet werden, deutlich ab.

Die Verrohung der Generation Smartphone

Die Hauptstadt, soziale Brüche und die emotionale Verrohung der Generation Smartphone werden in dem von Torsten C. Fischer nach dem Drehbuch von Dagmar Gabler inszenierten Kriminalfall miterzählt: Katharina Wagner, Mutter von Ben, wird in einem Parkhaus am Potsdamer Platz brutal überfahren. Auf der Überwachungskamera sieht man einen Jeep, aber nicht die Insassen. Unter Verdacht gerät zunächst die Halterin des Fahrzeugs. Birgit Hahne (Valerie Koch) ist Kneipenwirtin, die nebenher mit Drogen dealt – und eine Bettgeschichte mit dem Ehemann der Toten hat. Während der im Hinterhof ein schickes Town-House bewohnt, muss sie im Vorderhaus mit einer verratzten Altbauwohnung vorlieb nehmen. Anhand der Videoüberwachung stoßen Karow und Rubin auf drei Freundinnen, die in den Potsdamer-Platz-Arkaden auf Shoppingtour waren und Klassenkameradinnen von Ben sind.

Sie stammen aus sehr unterschiedlichen Milieus, doch zwei Dinge haben sie gemeinsam: ihr fast libidinöses Verhältnis zu ihren Handys und die Kälte und Distanz, die zwischen ihnen und ihren Eltern herrscht. Doch warum sollten sie Bens Mutter eiskalt über den Haufen fahren? Ihre Renitenz und ihre Abgebrühtheit lässt Rubin beim Verhör einen schweren Fehler begehen.

ARD, Sonntag, 20.15
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