Die Computergrafik zeigt das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal, die sogenannte „Einheitswippe“. Foto: Milla & Partner

Das in Berlin geplante Einheitsdenkmal gehört nach Ansicht des mit dem Projekt betrauten Kreativdirektors Johannes Milla „definitiv“ in den Osten der Stadt.

Berlin - Der Gestalter des geplanten Berliner Einheitsdenkmals ist gegen den vorgeschlagenen Standort des Mahnmals vor dem Bundestag. Die Reichstagswiese sei für das Freiheits- und Einheitsmahnmal „als Ort falsch“, sagte der Stuttgarter Architekt Johannes Milla der „Berliner Zeitung“ (Montag). Gerne werde vergessen, „dass das Denkmal beschlossen wurde, um die friedlichen und mutigen Revolutionäre zu ehren und nicht um den Festlichkeiten der staatlichen Wiedervereinigung zu gedenken“.

Für den Denkmalstandort auf den Berliner Schlossplatz spreche, das hier „viele historische Schichtungen ablesbar sind“, sagte Milla weiter. Unter anderem sei es an diesem Ort zum ersten großen Einsatz der schwarz-rot-goldenen Flagge gekommen. „Es handelt sich um einen der beiden Orte, an dem die Weimarer Republik ausgerufen wurde. Die erste freigewählte Volkskammer tagte unmittelbar daneben.“

Geplant ist eine begehbare, überdimensionierte Schale

Mit Blick auf die anhaltende Kritik an der Form des Denkmals, das als begehbare Schale gebaut werden soll, warnte der Architekt davor, Gestaltungs-, Design- und Kunstfragen vom Mehrheitsgeschmack abhängig zu machen. „Dann würden in deutschen Museen womöglich nur Sonnenuntergänge mit röhrenden Hirschen hängen, und in den Opernhäusern würde ausschließlich Helene Fischer laufen.“ Deshalb würden solche weitreichenden Gestaltungsentscheidungen aus gutem Grund an Fachjurys übertragen.

Um das bislang auf dem Berliner Schlossplatz geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal gibt es seit langem eine kontroverse Debatte. Immer wieder wird befürchtet, dass Denkmal stehe auf der Kippe. So vertagte der Haushaltsausschuss des Bundestages Mitte Juli das Thema in der letzten Sitzung vor der Sommerpause. Eine Bürgerinitiative will zudem regelmäßig vor dem Reichstag demonstrieren, um eine Umplatzierung des geplanten Denkmals vom Berliner Schlossplatz auf die Reichstagswiese zu erreichen.

Geplant ist eine begehbare, überdimensionierte Schale („Einheitswippe“). Der Entwurf stammt vom Stuttgarter Architekturbüro Milla & Partner. Das Denkmal auf dem Schlossplatz soll an die friedliche Revolution in der DDR erinnern. Seine Errichtung hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt verzögert. Über die Freigabe der veranschlagten 17,1 Millionen Euro an Kosten wird der Bundestag voraussichtlich erst nach der Sommerpause entscheiden. Eine Fertigstellung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im kommenden Jahr ist damit unrealistisch.

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