Wenige Tage nach dem schweren Unfall in Berlin-Treptow ist ein dritter Mitfahrer gestorben. Foto: dpa/Paul Zinken

Bei einer nächtlichen Raserei in Berlin gerät ein Auto außer Kontrolle und geht in Flammen auf. Vier junge Männer saßen darin. Nun steht fest: Nur der mutmaßliche Fahrer hat überlebt.

Berlin - Wenige Tage nach einem Horror-Crash in Berlin-Treptow ist der dritte Insasse des vollbesetzten Unfallautos gestorben. Der 19-Jährige erlag am Samstag im Krankenhaus seinen schweren Brandverletzungen, wie die Polizei mitteilte.

Der hochmotorisierte Wagen mit vier Insassen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren war am späten Dienstagabend mit hoher Geschwindigkeit und solcher Wucht gegen Bäume und einen Baucontainer gekracht, dass er zerriss und in Flammen aufging. Ein junger Mann starb noch an der Unfallstelle, ein zweiter wenige Stunden später.

Der mutmaßliche Fahrer war nicht so schwer verletzt worden. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung und illegalen Kraftfahrzeugrennens mit tödlichem Ausgang ermittelt. Er war zunächst im Krankenhaus festgenommen worden. Einen von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl hatte der zuständige Haftrichter wegen Zweifeln an einem dringenden Tatverdacht abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigenen Angaben noch, ob sie dagegen Beschwerde einlegt.

Unvorstellbares Bild der Zerstörung an der Unfallstelle

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung wurde der jetzt Gestorbene im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt, das auf Brandverletzungen spezialisiert ist. Nach Informationen der Zeitung war der lebensgefährlich verletzte 19-Jährige zunächst in ein künstliches Koma versetzt worden.

Feuerwehrleute hatten Trümmerteile noch 100 Meter entfernt von der Unfallstelle gefunden, wie ein Sprecher nach dem Unfall der dpa sagte. Die Einsatzkräfte hatten demnach ein schwer vorstellbares Bild der Zerstörung vorgefunden. Rund 80 Kräfte seien im Einsatz gewesen. „Am Unfallort funktionieren wir, der psychisch belastende Einsatz wird hinterher besprochen“, hatte der Sprecher gesagt. Das Geschehen sei selbst für gestandene Kräfte nicht alltäglich gewesen.

Für die Ermittler stellt sich der Anfang des Horror-Unfalls bislang so dar: Der Wagen mit dem Quartett rast am Dienstagabend gegen 22.40 Uhr auf der Straße Am Treptower Park, der Fahrer verliert vor einer Einmündung die Kontrolle über das Auto und kracht mit großer Wucht gegen Bäume und einen Baucontainer, bevor es zerbirst und ausbrennt.

Experte plädiert für Stufenführerschein

Autorennen auf den Straßen der Hauptstadt sind keine Seltenheit. Von Oktober 2017 bis Oktober 2020 wurden nach damaligen Angaben des Berliner Strafermittlers Andreas Winkelmann 1500 Strafverfahren - auch gegen Unbekannt - eingeleitet. 300 Raser seien rechtskräftig verurteilt worden.

Winkelmann leitet die Spezialabteilung für Verbotene Kraftfahrzeugrennen bei der Berliner Amtsanwaltschaft. Nach seinen Erfahrungen sind es meist junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren, die hochmotorisierte Wagen mieteten und nicht daran denken würden, bei einem „Stechen“ erwischt zu werden oder andere zu gefährden. Viele Rennen auf meist kurzen Strecken würden nachts ausgetragen.

Im Oktober 2017 wurden illegale Autorennen von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen mit Haft geahndet werden. Zuvor gab es nur Geldbußen.

Winkelmann hatte wiederholt für einen Auto-Stufenführerschein plädiert. „Warum darf der Fahranfänger zunächst nicht nur einen 75-PS-Wagen fahren und erst fünf Jahre später ein höher motorisiertes Fahrzeug?“

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