Sie kommen hier meist pünktlich weg: Passagiere in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Am Flughafen Stuttgart sind im ersten Halbjahr 2017 fast 87 Prozent der Starts pünktlich gewesen. Das ist deutlich besser als im Fall von Berlin-Tegel, wo die Quote nur knapp über 73 Prozent liegen soll.

Stuttgart - Die großen deutschen Verkehrsflughäfen sind wieder einmal unter die Lupe genommen worden – und Stuttgart hat bei dieser Gelegenheit durchschnittlich bis gut abgeschnitten. Solche Botschaften werden von der Flughafengesellschaft mit Gelassenheit betrachtet. „Die wechselhaften Rankings sind immer so gut wie jene, die sie erstellen“, sagt Flughafensprecher Johannes Schumm.

Die Pünktlichkeit

Das Internet-Unternehmen Airhelp bescheinigte dem Flughafen Stuttgart, im ersten Halbjahr 2017 hätten hier ebenso wie in Halle/Leipzig und Köln-Bonn immerhin fast 87 Prozent aller Flüge planmäßig begonnen. Besser habe nur Hannover-Langenhagen mit fast 90 Prozent abgeschnitten, doch dieser Airport sei wiederum in negative Schlagzeilen geraten, „weil dort etwa 1000 Passagiere nach Unwettern gestrandet waren und kaum versorgt wurden“. Ganz schlecht habe es in Berlin-Tegel ausgesehen, wo es nur bei 73,11 Prozent der über 44 000 Flüge termingerechte Starts gegeben habe. Andersherum: In mehr als einem Viertel ­aller Fälle starteten die Flugzeuge verspätet. In Frankfurt (knapp 22 Prozent) und in ­München (rund 21 Prozent) sei die Quote der verspäteten Starts etwas niedriger gewesen als in Tegel, wo die Verspätungen und Flugausfälle besonders bei der Fluggesellschaft Air Berlin im Frühjahr berüchtigt waren. Auch bei den Ausfällen allein rangiert Tegel ganz oben.

Wo so viel schiefgeht, gibt es theoretisch auch Erstattungsansprüche der Reisenden. Nach Angaben von Airhelp stünden allein den deutschen Fluggästen aufgrund von Flugausfällen und Verspätungen im ersten Halbjahr Entschädigungen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro zu. Für den Flughafen Stuttgart wird der Wert mit 7,9 Millionen Euro angegeben, die von den Betroffenen aber nicht in diesem Umfang beansprucht wurden. Hier setzt das Geschäftsmodell von Airhelp (www.AirHelp.com) ein. Die Firma verspricht Hilfe bei der Durchsetzung von Forderungen gegen die Airlines. Nach ihren Berechnungen haben etwas mehr als 85 000 Flüge im ersten Halbjahr 2017 unplanmäßig von den 13 größten deutschen Flughäfen abgehoben. Das ergebe einen Schnitt von knapp 470 verspäteten Flügen pro Tag.

Die Beliebtheit

Für den Reiseblog des Reiseveranstalters FTI sind nach dessen eigener Darstellung rund 17 000 Bewertungen von Reisenden bei der Internet-Suchmaschine Google gesichtet worden. Im Blickfeld waren 15 Flughäfen in Deutschland. In dieser Auswertung kam der Flughafen Stuttgart aufgrund von 830 Rezensionen mit 3,9 von fünf möglichen Punkten auf Platz 5 – gleichauf mit Hamburg. Das ist Durchschnitt. Da sich auch weiter oben auf der Liste diverse Flughäfen die Ränge teilen, gelten insgesamt neun Airports als beliebt, vier als unbeliebt. An der Spitze liegen gleichauf München, Nürnberg und Münster/Osnabrück. Am Ende rangieren Tegel (3,2) und Berlin-Schönefeld (2,4), obwohl im Fall von Tegel viele Reisende zum Beispiel die kurzen Wege von und zur Stadtmitte sowie die gute Einbindung ins öffent­liche Verkehrsnetz durchaus schätzen.

Gepäcktransport

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin hat 2016 rund zehn Prozent mehr Gepäckbeschwerden verzeichnet. Die Zahl der Fälle sei um rund 90 Fälle auf insgesamt knapp 960 Fälle gestiegen, teilte der SÖP-Leiter Edgar Isermann mit. Insgesamt gingen im Jahr 2016 rund 10 600 Beschwerden zu Flügen ein, neun Prozent betrafen Gepäckprobleme. In der Zahl sind alle gemeldeten Fälle von beschädigtem, verspätetem oder verlorenem Gepäck miteinberechnet. Konkrete Gründe oder die am häufigsten betroffenen Flug­häfen konnte die SÖP nicht nennen.

Die Flughafengesellschaft Stuttgart teilte unserer Zeitung dazu mit, im vergangenen Jahr seien bei ihr 869 Beschwerden ein­gegangen, davon 35 zum Thema Gepäck: ­15-mal wegen Beschädigungen, siebenmal, weil Koffer fehlten und nachgeliefert ­werden mussten. In 13 Fällen sei eine zu langsame Gepäckausgabe moniert worden. Im laufenden Jahr seien bis Ende Juli 14 Beschwerden zum Thema Gepäck gekommen. Ein Unterschied zum Vorjahr sei nicht zu ­erkennen.

Die Beschwerdegründe seien vielfältig: Gepäckausgabe zu langsam, Zollkontrolle zu langwierig, ärgerliche Belegung ein und desselben Gepäckbandes mit mehreren ­Airlines oder Flügen, beschädigte oder ­fehlende Koffer, zu lange Prozedur am Lost-&-Found-Schalter.

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