Ein Foto, das die Pariser Feuerwehr selbst von ihrem Einsatz aufgenommen hat: Notre Dame in Flammen Foto: Getty/BSPP

Haben ARD und ZDF „geschlafen“, als Notre Dame in Flammen stand? Die öffentlich-rechtlichen Sender weisen die scharfe Kritik an ihrer Arbeit entschieden zurück.

Frankfurt a.M. - Die öffentlich-rechtlichen Sender sehen keinen Grund zur Kritik an ihrer Berichterstattung zum Brand der Kathedrale Notre Dame. Die „heute“-Redaktion habe am Montag auf die erste Eilmeldung schnell reagiert und auf „heute.de“ sowie in der 19-Uhr-Sendung informiert, sagte ein Sprecher des Senders am Dienstag. Die Berichterstattung aus Paris sei laufend aktualisiert worden, und das „heute journal“ ab 21.45 Uhr habe umfassend berichtet. Die ARD verwies auf ihre aktuellen Berichte bei „tagesschau.de“ sowie in „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und einige Journalisten hatten die Berichterstattung von ARD und ZDF als unzureichend kritisiert.

„Russia Today und Al Jazeera berichten, rechte Hetzer verbreiten erste Verschwörungstheorien und der öffentlich-rechtlich Rundfunk schläft“, bemängelte Laschet am Montagabend auf Twitter. Ebenfalls auf Twitter schrieb der frühere Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Ulrich Deppendorf, dass es keinen ARD-„Brennpunkt“ gegeben habe, sei „schwer nachzuvollziehen“. Kritik kam auch von Sonia Seymour Mikich, frühere Fernseh-Chefredakteurin beim WDR.

Unterwegs zum Ort des Geschehens

ARD-Chefredakteur Rainald Becker und Kai Gniffke, Chefredakteur ARD-aktuell und einer der beiden Endrunden-Kandidaten für die Wahl des neuen SWR-Intendanten, wiesen darauf hin, dass bereits eine knappe Stunde nach der ersten Eilmeldung ein Korrespondentenbericht in der 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ gelaufen sei.

„Ein ‚Brennpunkt’ im Ersten wäre wünschenswert gewesen, war aber zu diesem Zeitpunkt logistisch nicht darstellbar, da unser ARD-Reporter in diesem Moment unterwegs zum Ort des Geschehens war, um als erster deutscher Korrespondent direkt vor Ort zu berichten“, erklärte Becker. Am Dienstag ab 21:45 Uhr sollte im Ersten ein „Weltspiegel extra“ mit einer ersten Bilanz nach dem Brand gesendet werden.

Drei Laufbänder

Gniffke unterstrich, dass das Erste über den Abend drei Laufbänder mit aktuellen Informationen zu den Ereignissen in Paris eingeblendet und die um 22:15 Uhr beginnenden „Tagesthemen“ verlängert habe. Später habe es ein „Tagesthemen extra“ gegeben. Das Online-Angebot, ergänzt um einen Live-Stream auf „tagesschau.de“, verzeichnete ARD-Angaben zufolge fünf Millionen Visits. Allein auf den Live-Stream sei 222. 000 Mal zugegriffen worden, erklärte Gniffke: „Insgesamt haben wir über alle unsere Kanäle in den sozialen Medien 9,25 Millionen Menschen erreicht.“

Ein Feuer hatte am Abend des 15. April 2019 Teile der weltberühmten Kathedrale im Herzen von Paris zerstört. Der Brand löste weltweit Bestürzung aus.

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