Abendstimmung am Berg Foto: Oberstaufen Tourismus

In den Allgäuer Bergen finden im Sommer regelmäßig ökumenische Berggottesdienste statt.

Oberstaufen - Dem Himmel ein Stück näher. Auf über 1100 Metern stellt sich dieses Gefühl am Gipfelkreuz des Hündle in Oberstaufen schnell ein. Es ist Freitag, ein paar Minuten nach 11 Uhr. Strahlend blauer Himmel, hochsommerliche Temperaturen, hervorragende Fernsicht auf die Allgäuer Bergwelt und den Alpsee bei Immenstadt – besser hätte das Wetter für diesen ökumenischen Berggottesdienst nicht sein können.

15 gemächliche Gehminuten sind es von der Bergstation der Hündlebahn hinauf zum Gipfelkreuz. Vor zwei Jahren wurde die Bahn komplett erneuert, in hochmodernen, geschlossenen Achter-Gondeln geht es nach oben. Eine kleine Schlange hat sich an der Kasse der Talstation gebildet. Die ökumenischen Berggottesdienste am Hündle sind beliebt und haben Tradition. „Seitdem wir die neue Bahn haben, kommen die Leute noch lieber“, beobachten die Betreiber der Bahn und die Geistlichen. Pastoralreferent Josef Hofmann von der katholischen Kirchengemeinde und Frank Wagner von der evangelischen Gemeinde in Oberstaufen sind seit Jahren ein eingespieltes Team.

Frank Wagner hat sein Tenorhorn zum Gipfelkreuz hinauf geschleppt, ein voluminöses Instrument, gut verpackt in eine gepolsterte Instrumententasche. Frank Hofmann wurschtelt in seinem Rucksack, ein Lächeln geht über das blasse Gesicht, als er den Sonnenhut gefunden hat. Schnell setzt er ihn auf. „Den braucht man heute“, meint er. Auf den saftigen Wiesen grasen Kühe und sorgen mit ihren großen Glocken, die jede von ihnen um den Hals hängen hat, für eine monotone Geräuschkulisse. Das ist typisch Allgäu.

Neben dem schlichten Gipfelkreuz aus verwittertem Holz steht ein wetterfester runder Tisch. Eigentlich ist es eine Steinplatte, die geografische Informationen liefert und die auf einen dicken Fuß gestellt wurde. Die beiden Geistlichen nutzen sie als Messtisch, decken sie mit einem weißen Tuch ab und bestücken sie mit einem kleinen Kreuz, einem Weihwasserkesselchen, stellen einen Lautsprecher auf und legen sich ein Mikrofon zurecht. Die mitgebrachten Liederbücher lassen sie unter den Gottesdienstbesuchern rumgehen. Musik ist ein ganz wichtiges Element bei einem Berggottesdienst, sagt Frank Wagner. Normalerweise habe er eine Gitarre dabei, „aber heute, zur Feier des Tages, habe ich mein Tenorhorn mitgebracht“. Sagt es und setzt das Mundstück für ein paar Probetöne an. Auch Alphornbläser oder ortsansässige Kapellen begleiten zuweilen die Gottesdienste auf diesem erhabenen Aussichtspunkt.

Jetzt wird es ruhig unter den Menschen hier oben am Berg. Die in Golf-Kleidung erschienene Dame aus dem Rheinland steckt ihr Handy weg. Mehrere Bekannte hat sie in der letzten Viertelstunde angerufen und ihnen mit kräftiger Stimme von der „beeindruckenden Stimmung auf dem Berg“ erzählt. Ein Rentner hat sich im Gras niedergelassen und blättert neugierig in dem kleinen Liedheft.

Die ökumenischen Berggottesdienste am Hündle gibt es schon seit 2002. Begonnen hat damit die evangelische Kirchengemeinde, später kam die katholische dazu. Sie finden bis in den September hinein jede Woche statt, vorausgesetzt das Wetter ist gut. Seit 2007 werden auch am Hochgrat, den man hier vom Hündle-Gipfel aus sieht, Berggottesdienste abgehalten, alle zwei Wochen, zum Sonnenuntergang und mit Blick in Richtung Schweizer Alpen und Bodensee. Auch hier führt eine Bahn hinauf, genauso wie zum benachbarten Imberg, wo es seit zwei Jahren ebenfalls regelmäßig Berggottesdienste gibt. Zum Seelekopf, der auch zur Nagelfluhkette gehört und ein Nachbarberg des Hochgrat ist, kommen die Gläubigen schon seit 1926 traditionell immer am letzten Augustsonntag zur Bergmesse – zu Fuß. Sie gedenken der Gefallenen der beiden Weltkriege.

Mit dem Segen der beiden Geistlichen endet­ der Berggottesdienst nach knapp 45 Minuten. Dann geht jeder wieder seinen Weg. Zur Bergstation, um gleich wieder ins Tal zu fahren. Zur Hündle-Berggaststätte oder zur Sennalpe gleich am Fuße des Gipfelkreuzes, um eine kräftige Brotzeit zu essen. Oder in Richtung Wanderweg, um noch ein paar Stunden unterwegs zu sein.

Termine:

Oberstaufen Ökumenische Berggottesdienste finden am Hündle jeden Freitag um 11.30 Uhr – den ganz Sommer hindurch bis zum 26. September – statt.

Sämtliche Gottesdienste auf den Bergen um Oberstaufen sind in einer Broschüre zusammengefasst, die es bei der Kurverwaltung Oberstaufen, Telefon 0 83 86 / 9 30 00, oder im Internet unter www.oberstaufen.de gibt. Gäste mit einer „Oberstaufen plus“-Karte können die Bergbahnen kostenlos benutzen.

Oberstdorf Den ganzen Sommer über finden auf dem Fellhorn und Nebelhorn, am Berggasthof Laiter und im Oytal katholische Bergmessen und evangelische bzw. ökumenische Berggottesdienste statt. Die Termine finden sich im Internet unter www.oberstdorf.de.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: