Das Zielgebiet für eine ehrgeizige Stadtplanung: Auf dem AWS-Gelände wird wohl ein Bürgerhaus entstehen, das Bürgerhospital in einigen Jahren vielen neuen Wohnungen weichen. Foto: StN

Das Gebiet des heutigen Bürgerhospitals und der ehemaligen Mercedes-Niederlassung wird zu einem großer Wohnungsbauschwerpunkt in Stuttgart. Schnell ist das komplette Pensum nicht zu realisieren, aber mittelfristig.

Stuttgart - Gut 600 neue Wohnungen sowie Büros, in die auch der Arbeitgeberverband Südwestmetall ziehen will: Für das Gelände zwischen der Gäubahntrasse im Stuttgarter Norden und der Heilbronner Straße wird die städtebauliche Aufwertung immer greifbarer. Rund um den bisherigen Standort des Bürgerhospitals entsteht eine neue Nahtstelle zwischen den bisher zerfasernden Teilen des Stadtbezirks Nord mit der Killesberghöhe und dem Nordbahnhofviertel. Zusammen mit dem Einkaufszentrum Milaneo im Europaviertel bildet das Areal künftig eine neue Nordpforte zur Innenstadt.

Der Arbeitgeberverband ist drauf und dran, vom Projektentwickler Icade das Areal der früheren Mercedes-Niederlassung zu erwerben. Neben rund 80 eigenen Mitarbeitern, die bisher in Degerloch tätig sind, sollen auf dem Gelände Repräsentanzen anderer Arbeitgeberverbände untergebracht werden – und Wohnungen. Spätestens Anfang 2014 sollen Abbrucharbeiten beginnen.

Oberhalb am Hang wird sich nach dem geplanten Umzug des Hospitals – bisher für 2015 geplant, aber jetzt vielleicht doch etwas später – noch eine Menge mehr tun. Der städtische Rahmenplan sieht weitere Wohnquartiere mit ruhigen Höfen, Orientierung zu bestehenden Grünanlagen vor. Dadurch sollen neben mindestens 100 Wohnungen im Bereich des Icade-Areals weitere 520 Wohnungen entstehen. Vertreter aller Fraktionen im Technik-Ausschuss waren sich am Dienstag einig, dass hier eine große Chance für den Städtebau und speziell für den Wohnungsbau liege. Man könne den Stuttgarter Norden wieder enger mit der Innenstadt verbinden, sagte Michael Kienzle (Grüne) – „einen verlorenen Zipfel der Stadt, in den man bisher selten reinkommt“. Hier seien attraktive Wohnungen zu erwarten, meinte Alexander Kotz (CDU). Wenn man auf den städtischen Grundstücken nicht mindestens 50 Prozent geförderte Wohnungen unterschiedlicher Arten schaffe, möge man bitte nie mehr einen Mangel an preiswerten Mietwohnungen beklagen, sagte Roswitha Blind (SPD). Joachim Fahrion (Freie Wähler) fand die angepeilte Baudichte etwas zu hoch.

Bürgerhaus entsteht

Absehbar ist, dass auf der Südseite der oberen Türlenstraße das seit langem gewünschte Bürgerhaus für den Bezirk Nord entstehen wird: in einem ehemaligen Pferdestall, der noch von der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) genutzt wird. Sie bereitet den Abschied von dieser Betriebsstelle vor und will an der Quellenstraße in Cannstatt neu bauen. Der Nachteil: Der Neubau werde zehn bis zwölf Millionen Euro kosten, sagte Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau, aber das Gelände an der Türlenstraße müsse die AWS aus rechtlichen Gründen zu dem Preis abgeben, den sie einst dafür bezahlte. Die Differenz habe die AWS aus den Müllgebühren zu finanzieren. Daraus resultiere eine Erhöhung um zwei bis drei Prozent.

Fraglich ist, was aus dem Schwesternwohnheim wird. FW-Stadtrat Fahrion regte die Nutzung als Studentenwohnheim an. Gangolf Stocker (SÖS) widersprach: Es werde weiter für Klinikumpersonal gebraucht. Bezirksvorsteherin Andrea Krueger forderte die Beseitigung und neue Wohnungen für Pfleger und Schwestern. Das Hochhaus stehe der Entwicklung im Weg.

Auch die Schatten, die es auf Neubauten werfen könnte, sind ein Thema. Baubürgermeister Matthias Hahn warnte vor Überreaktionen: Wollte man Verschattungen vermeiden, „wäre ein Drittel des Stuttgarter Westens weg“. Für den Hauptbau des Hospitals könne man die Nutzung für Wohnzwecke prüfen. 50 Prozent geförderten Wohnungsbau im städtischen Teil seien ein Muss.

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