Sieglinde Schenk (links) informiert über das Projekt Sonnenkinder. Foto: Martin Stollberg

Am Marienhospital kümmern sich die Fachfrauen von Sonnenkinder um Mütter, die gerade entbunden haben. Sie beraten im Umgang mit dem Neugeborenen. Vor allem für Mütter ohne familiäre Unterstützung ist das Angebot wichtig.

S-Süd - Der kleine Clemens nuckelt zufrieden vor sich hin, solange Sieglinde Schenk auf der Entbindungsstation des Marienhospitals seine Mutter besucht. Die Familiengesundheitspflegerin und Stillberaterin ist im Auftrag der Initiative Sonnenkinder gekommen, um Clemens’ Mutter Konstanze Vierheilig über die Hilfen zu informieren, die sie über das Projekt in Anspruch nehmen kann, sollte sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Probleme bekommen. Sei es, dass Clemens nicht genug trinkt, dass er Koliken bekommt oder dass Vierheilig alles zu viel wird, denn Clemens ist ihr zweites Kind,

Der Katalog der Hilfsangebote für Frauen, die gerade entbunden haben, ist lang und die jeweilige Unterstützung können sie unbürokratisch und rasch in Anspruch nehmen. Die acht Mitarbeiterinnen von Sonnenkinder sind am Marienhospital sowie an der St. Anna-Klinik aktiv und wenden sich an alle Schwangeren und Mütter mit ihren Neugeborenen. Clemens und seine Mutter gehören zwar nicht zur Zielgruppe, aber auch Konstanze Vierheilig begrüßt das Angebot. „Wir werden von der Verwandtschaft unterstützt. Aber wenn man das nicht hat, dann ist sehr gut, dass einem jemand zuhause helfen kann“, sagt sie.

Oft fehlt es an Intuition im Umgang mit dem Baby

Bis zu einem Jahr steht das Team Müttern zur Seite und vermittelt auch weiterführende Hilfen, wenn nötig. „Manchen Frauen müssen wir helfen, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen“, berichtet Sieglinde Schenk. „Was mache ich, wenn das Baby weint? Für den Umgang mit dem Kind in solchen Situationen müssen wir bei vielen Frauen erst wieder die Intuition wecken, denn eine große Zahl von ihnen hatte dafür nie einen Erfahrungsraum, zum Beispiel in der eigenen Familie“, erklärt sie. Auch für Mütter, bei denen die Geburt des Kindes nicht glücklich verlaufen und das Baby behindert oder tot zur Welt gekommen ist, vermittelt Sonnenkinder spezielle Hilfen.

Seit einem Jahr besteht die Initiative. Sie wird von der Veronika-Stiftung mit 627 000 Euro und vom Jugendamt mit 50 000 Euro unterstützt und von verschiedenen Trägern der Jugendhilfe wie der Caritas getragen. Zum ersten Geburtstag der Sonnenkinder hat Thomas Meyer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg die ersten Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Begleitung des Projekts vorgestellt. Ziel ist es, alle Mütter anzusprechen, bisher wurden 90 Prozent erreicht und das Angebot wurde von allen Frauen begrüßt.

Ersatz für ein familiäres Netzwerk

Die vorgestellte statistische Auswertung bezieht sich auf ein halbes Jahr und in dieser Zeit wurden in beiden Kliniken zusammen 1073 Mütter von den Mitarbeiterinnen angesprochen. Etwa ein Fünftel von ihnen hatte nach dem Erstkontakt Beratungsbedarf. Sieben Prozent wurden weiter betreut und ein Drittel der Mütter wurden an andere Einrichtungen wie das Jugendamt weiter vermittelt. 70 Prozent aller betreuten Mütter litten unter einer psychosozialen Überlastung. Knapp die Hälfte hatte finanzielle Probleme und einem Drittel fehlten die Kenntnisse über die Babypflege und die frühkindliche Entwicklung.

Drei Viertel der betreuten Frauen stammen aus Ländern außerhalb der EU und leben ohne familiäres Netzwerk in Deutschland. Bei ihnen sei die Hilfe über die Sonnenkinder besonders wichtig, so die Erfahrung der Projektleiterin Inge Himmel, denn diese Frauen hätten eine große Hemmschwelle, von sich aus Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen.

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