Prosit: Die Bundeswehr feiert beim Volksfest. Foto: Julia Schramm/Julia Schramm

Der Wasenhocker ist wieder unterwegs. Und hat entdeckt: Die Straßenbahn schwätzt Schwäbisch. Und der Wasen war am Montag der sicherste Ort der Welt. Unsere Kolumne vom Volksfest.

Stuttgart - Da hat der WASENHOCKER aber gestaunt. Nein, nicht deshalb weil am Montag 3100 Soldaten beim Volksfest einmarschiert sind. Das Biermanöver im Fürstenberg-Zelt von Peter Brandl jährte sich zum zehnten Male, das kannte er schon. Er hat gestaunt, weil die Soldaten tatsächlich alle kamen. Anders als die Hubschrauber, Fregatten und Panzer sind die Bundeswehr-Busse offenbar noch fahrtüchtig. Aus verschiedenen Standorten im Land, aus Rheinland-Pfalz und Bayern waren sie gekommen, auch Franzosen und Amerikaner waren da, die Schweizer hatten ihre Oberhäupter, die Divisionäre, geschickt. Da durften nur die Chefs trinken. Wie immer zahlten der Wirt und die Brauerei. Als Dank lässt sich die Bundeswehr jedes Jahr was Besonderes einfallen. Zuletzt durfte Brandl den Pionierpanzer Dachs fahren. Dieses Jahr allerdings wird er die Einladung weiterreichen an seine Tochter Julia: Es geht zum Fallschirmspringen.

Naus mit Oich!

Die S-Bahn erinnert an Stuttgart ja gerne an den Fuhrpark der Bundeswehr: Sie steht öfter als das sie sich bewegt. Für die Stadtbahn gilt das nicht. Dennoch hat der WASENHOCKER sein blaues Wunder erlebt in der Volksfestlinie U 11. Schwätzt die Strambe doch plötzlich Schwäbisch. Da heißt es: „Vom Tal no ghod’s d’Stäffele nuf, vom Buckel ra ghod’s Stäffele ronder. Ond von iberall gibd’s was zum Gucka!“ Oder an den Mineralbädern empfiehlt einem die freundliche weibliche Stimme ein Bad. Denn wie sage man so schön: S’Schaffa g’hört ab­gschafft, damit mr Zeit hod für a richdigs Gschäft. Gut, dass die Auswärtigen nicht viel verstehen, sonst würden die tatsächlich denken, dass man hierzulande das Arbeiten ruhen lässt, um sich im Bad zu amüsieren. Das macht der Schwabe natürlich in aller Herrgottsfrüh vor dem Geschäft, und zwar im eiskalten Mineralwasser – um Körper und Geist zu stählen. Die Einheimischen sind als Botschafter kultureller Unterschiede und als Dolmetscher gefragt in der U 11. So mancher Auswärtige lässt sich erklären, was denn die Frau aus dem Lautsprecher da genau sagt. Dabei wird auch Politisches nicht ausgespart. Heißt es doch vor dem Neckartor: „Über ons tobt dr Verkehr, oi Glück, dass mr ondadurch fahre könnet!“ O’gstreift, fügt der WASENHOCKER hinzu. Die Älteren unter uns werden sich erinnern, dass die Straßenbahn schon mal gesungen hat. Auf die Melodie der „Vogelhochzeit“ etwa sang das A-cappella-Ensemble Die Füenf: „Wie lieblich ist der Vogelklang, mir dünkt, ich bin am Vogelsang.“ 21 Haltestellen wurden 2004 mit Gesang angekündigt. 15 Jahre später ist es nun Zeit für Schwäbisch. Doch jede Fahrt endet einmal: Am Wasen heißt es: „Sodele, jetzt geht es endlich los! Naus mit oich, mr müssat weidr.“