Es läuft rund für Trainer Benjamin Matschke und die HSG Wetzlar – zuletzt feierten sie ein 30:27 bei den Rhein-Neckar Löwen. Foto: imago/Eibner/E

Benjamin Matschke hat schon einige Thriller im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga hinter sich. Mit der HSG Wetzlar spielt der gebürtige Heilbronner nun aber oben mit. Eine Einschätzung der Lage vor dem Spiel beim TVB Stuttgart.

Stuttgart - 15. gegen Fünfter – so sieht die tabellarische Ausgangsposition vor dem Handball-Bundesliga-Duell TVB Stuttgart gegen HSG Wetzlar (Donnerstag, 19.05 Uhr) in der Porsche-Arena aus. HSG-Coach Benjamin Matschke (39) zeigt dennoch viel Respekt vor dem TVB – und sagt, auf was es im Abstiegskampf ankommt.

 

Herr Matschke, als Trainer der Eulen Ludwigshafen kamen Sie stets als Außenseiter nach Stuttgart, jetzt mit dem Tabellenfünften HSG Wetzlar als Favorit. Freuen Sie sich?

Ich freue mich immer, nach Stuttgart zu kommen. Und von der Papierform her stimmt das ja auch mit der Favoritenrolle. Aber das aktuelle Tabellenbild spiegelt nicht das wahre Leistungsvermögen des TVB Stuttgart wider. Geschäftsführer Jürgen Schweikardt und Trainer Roi Sanchez haben da einen tollen Kader zusammengestellt.

Der das Potenzial viel zu selten abgerufen hat.

Vergangenen Samstag gegen den Bergischen HC ist das aber gelungen, solch ein Erfolgserlebnis kann schon etwas bewirken, die Tendenz zeigt nach oben.

Auch bei Ihrem ehemaligen Schützling Jerome Müller scheint der Knoten geplatzt.

Mit Jerome habe ich zwei Jahre bei den Eulen zusammengearbeitet. Er hat gegen den BHC ein klasse Spiel gemacht, nicht nur wegen seiner neun Tore. Er ist ein super Entscheider, ein super Junge mit einem sehr guten Charakter.

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Ihr Team hat am Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen auch ein sehr gutes Spiel gemacht.

Wir haben in Mannheim mit 30:27 gewonnen, und dies war der erste Sieg für die HSG gegen die Löwen seit 2011, das hat mich für die Mannschaft sehr gefreut. Wir haben aber auch viele Körner gelassen.

Sie haben sehr viel Erfahrung im Abstiegskampf und einige Dramen erlebt. Auf was kommt es in der entscheidenden Phase grundsätzlich an, wenn es ums sportliche Überleben geht?

Auf eine gute Kommunikation im Team untereinander. Auf den Willen, besser werden zu wollen, die Dinge auch kritisch zu hinterfragen, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Und dass alle in einem Boot sitzen, auch die Spieler, die am Saisonende den Verein verlassen.

Erfahrung ist wichtig

Ist das nicht selbstverständlich?

Sollte es schon sein, aber im Hinterkopf spielen vielleicht Dinge eine Rolle, wie zum Beispiel, dass sich ein Spieler auch einfach nicht mehr verletzen möchte. Entscheidend ist aber, dass alle in der Mannschaft bis zur letzten Sekunde einer Spielzeit an einem Strang ziehen.

Was ist noch wichtig?

Die Erfahrung, kritische Situationen schon gemeistert zu haben, ist von großem Vorteil. Und der Spielplan ist natürlich auch sehr wichtig. Gegen Ende der Saison tut man sich gegen Mittelfeldteams, die jenseits von gut und böse stehen, erfahrungsgemäß leichter.

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Ihr Tipp für Donnerstag?

Puh, es wird schwer. Wie gesagt, der TVB ist auf dem aufsteigenden Ast und hat ein paar Dinge geändert.

Welche?

Von der spanischen Philosophie sehe ich nicht mehr viel, vor allem nicht in der Abwehr. Zuletzt gegen den BHC fand ich, dass die Spielsteuerung im Angriff auch strukturierter war, geduldiger gespielt wurde, nicht ganz so hektisch. Wir wollen am Donnerstag ein enges Spiel, das uns die Chance lässt, in den letzten fünf Minuten einen Punkt mitzunehmen.