Jolina schenkt ihrem Mitschüler Milan Wasser ein. Foto: aia

In der Plochinger Burgschule lernen Viertklässler Tischmanieren von Gudrun Weichselgartner-Nopper. Ein Pilotprojekt, das den Kindern Spaß macht und die Eltern begeistert.

Mit vollem Mund spricht man nicht – diese Regel kennt jedes Kind. Damit sind aber auch viele schon am Ende mit ihren Tischmanieren. Gudrun Weichselgartner-Nopper hält mit ihren Benimmseminaren dagegen. Das funktioniert auch bei Viertklässlern schon, wie sich in der Plochinger Burgschule zeigte.

 

Die Kinder der Klasse 4c haben an diesem Vormittag schon eine Menge mit Gudrun Weichselgartner-Nopper besprochen, die seit vielen Jahren als Knigge-Trainerin unterwegs ist. Jetzt geht es an den praktischen Teil, für den Tobias Zehnder von Catering Berger das Essen mitgebracht hat. Er stellt es zum Selbstkostenpreis zur Verfügung, weil er die Aktion toll findet – im Berufsalltag erlebt er oft genug, wie nötig etwas mehr Tischmanieren wären.

Tischrunde der 4c mit Benimmtrainerin Gudrun Nopper. Foto: aia

„Ihr könnt auch zehnmal Tischdecken verschenken“ – Kinder lernen Tischmanieren

Der Tisch ist hübsch gedeckt mit Blümchen und Zweigen, die hellgrünen Servietten haben die Kinder selbst gefaltet. Sie stehen rund vier Zentimeter von der Tischkante, das Besteck einen Zentimeter – Weichselgartner-Nopper geht rundum und kontrolliert. Was vom Besteck liegt rechts, links, oben? Was liegt innen, was außen? Die meisten haben es richtig gemacht. „Ihr könnt auch zehnmal Tischdecken verschenken“, sagt die Benimmtrainerin als Tipp für den Muttertag. Weiter geht es mit den Regeln fürs Einschenken: immer von der rechten Seite und erst, nachdem der Gast bestätigt hat, dass er etwas trinken möchte: bitte sehr, danke schön, immer mit Augenkontakt. Jolina getraut sich als Erste, weitere Kinder folgen, alle ernsthaft und bemüht.

Das Essen selbst bietet weitere Herausforderungen, von Gudrun Weichselgartner-Nopper so bestellt. Wie kriegt man eine doch recht glitschige Maultasche in der Brühe mit dem Löffel klein? „Ich finde das schon schwierig“, sagt Klassenlehrerin Claudia Schlender, aber es kommt noch schwieriger: Spaghetti mit Tomatensoße sind so um die Gabel zu wickeln, dass sie bequem in den Mund passt. Auch hier geben die Kinder alles und stellen sich geschickt an, während der Seminarleiterin nichts entgeht: „Ellenbogen vom Tisch“, der Satz ist omnipräsent, ebenso wie „Hand auf den Tisch“ für die Hand, die beim Suppen essen nicht den Löffel führt. Es geht aber nicht nur um formale Regeln, sondern auch um Gespräche bei Tisch. Unappetitliches und Unangenehmes seien fehl am Platz, und über Politik sollte man auch nicht reden, sagt Weichselgartner-Nopper, „damit es keinen Streit gibt“.

„Die Sprache des Bestecks“ begeistert Plochinger Schüler

Weichselgartner-Nopper verbindet die strengen Regeln mit Herzlichkeit und Zugewandtheit – das kommt bei den Kindern gut an. Die Viertklässler lernen „die Sprache des Bestecks“, also wie man anzeigt, ob man noch weiteressen will oder nicht. Nikola räumt anschließend sehr geschickt ab, er trägt drei Teller auf Unterarm und Händen. Das habe ihm richtig Spaß gemacht, sagt er später. Tim und Sophia fanden das Serviettenfalten am schönsten, andere das Einschenken – oder schlicht „das Essen“. Die Teilnahme-Urkunden übergibt Gudrun Nopper im Rahmen eines kleinen Quiz‘, mit dem das Gelernte wiederholt wird. Und als die Hauptsponsorin, Kieferorthopädin Julia Hantes, reinschaut, klatschen alle Beifall.

Weichselgartner-Nopper ist mit ihren Seminaren öfter in Grundschulen zu Gast, manchmal sogar in Kitas bei Vorschulkindern. Sie hält es für sinnvoll, die Kinder früh an die Regeln heranzuführen. Für die Burgschule ist es „ein Pilotprojekt“, wie Klassenlehrerin Schlender sagt. Sie hatte zunächst beim Elternabend nachgefragt, was die Eltern davon halten. „Die fanden, das ist eine tolle Sache“, erzählt sie, einige hätten sich an den Kosten beteiligt. Jetzt dürfen die Kinder als kleine Botschafter nach Hause gehen und ihr Wissen weitergeben.