Lisa Eckhart provoziert – manche auch zu wüsten Kommentaren. Foto: dpa/Daniel Karmann

Warum wird in den sozialen Netzwerken bloß so hemmungslos gepoltert? Kolumnist KNITZ erklärt, weshalb wir uns besser benehmen sollten.

Ein Kollege hat einen Artikel über einen Auftritt der Kabarettistin Lisa Eckhart geschrieben. Wie heutzutage üblich, wird der Artikel nicht nur in der Zeitung abgedruckt, sondern auch in den sozialen Netzwerken gepostet.

 

Die Reaktionen fallen so aus, wie nicht anders zu erwarten war. Eine Frau gibt sich als Lisa-Eckhart-Fan zu erkennen. Ein Herr meint, die sei das Letzte, wobei nicht ganz klar ist, ob er die Kabarettistin oder den Fan meint. Ein anderer sehnt sich nach den Zeiten zurück, als auf Kabarettbühnen noch Männer wie Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder standen. So ergibt ein Wort das andere – und der Ton wird mit jedem Kommentar unfreundlicher. Weshalb KNITZ der Unterhaltung, wenn man das Gepoltere denn so nennen will, nicht weiter folgt.

Auf den Artikel des Kollegen ist, soweit KNITZ gelesen hat, niemand eingegangen. Vermutlich hätte der Hinweis genügt: „Die Kabarettistin Lisa Eckhart war in der Stadt. Feuer frei!“

Nur mal angenommen, KNITZ würde schreiben, dass er Lisa Eckhart prima finde. Was fängt man mit der Information an? Interessant ist doch, was ihm an der Künstlerin gefällt. Ist es die Art und Weise ihres Vortrags? Oder ergötzt er sich an der außergewöhnlichen Garderobe von Frau Eckhart?

Es kommt der Bauch zu Wort, nicht das Hirn

KNITZ ist schon klar, dass es einfacher ist, eine Meinung hinauszuposaunen, als diese auch noch halbwegs differenziert zu begründen. So kommt in Kommentarspalten oft der Bauch, weniger das Hirn zu Wort.

KNITZ ist sich sicher, würden die Leute an einem Tisch sitzen, sie wären in der Lage, ein zivilisiertes Streitgespräch über Lisa Eckhart zu führen. Man würde erfahren, bei wem die Künstlerin wie ankommt. Und warum.

Verstehen Sie jetzt KNITZ bitte nicht falsch. Nichts gegen das Herumpoltern. Manchmal muss man einfach Dampf ablassen und Sätze raushauen, die einem später womöglich peinlich sind. Aber KNITZ fragt sich: Warum, liebe Leute, macht ihr es nicht dort, wo euch keiner hört?

Beispielsweise im Auto. Dafür ist so ein Blechkäfig doch wie geschaffen. Und jetzt kommt KNITZ bitte nicht mit der Ausrede, dass im Auto die Kinder dabei sind. Die kriegen doch gar nichts von dem Gefluche mit unter ihren Kopfhörern.

Das Netz vergisst nichts!

Die sozialen Netzwerke jedenfalls sind ein denkbar ungeeigneter Platz, um die Sau rauszulassen. KNITZ weiß nicht viel über das Netz, aber eines hat er sich gemerkt: Das Netz vergisst nichts! Angenommen, in ein paar Millionen Jahren ist von der Menschheit nichts mehr übrig außer ein paar Netzkommentaren, die durchs Alls schwirren. Wer die auffängt, kriegt ein schlechtes (und auch schiefes) Bild von uns.

Vielleicht sollte KNITZ mal etwas Zeit darauf verwenden, in möglichst viele Kommentarspalten reinzuschreiben: „Liebe Außerirdischen, lasst euch von den Kommentaren hier nicht in die Irre führen. Eigentlich waren wir viel netter. Vielleicht nicht alle. Aber die meisten von uns.“

Dann folgt der Link zu einem ziemlich coolen Song von Udo Lindenberg und Jan Delay, mit dem wunderbaren Refrain: „Eigentlich bin ich ganz anders. Ich komm nur viel zu selten dazu.“