Eindrucksvoller Auftritt: das Bundespolizeiorchester in der Musikhochschule Foto: Cornelsen

Das Bundespolizeiorchester München gab am Samstag ein Benefizkonzert in der Hochschule für Musik und Kunst. Damit setzte sie einen bewussten Akzent.

Stuttgart - Blaue Uniformen, schwarz schimmernde Kleider, Sekt und Laugengebäck. Vor und in dem Gebäude der Staatlichen Hochschule für Musik und Kunst sichern bewaffnete Bundespolizisten am Samstagabend die Veranstaltung. Innen, im Konzertsaal, findet das Benefizkonzert der Bundespolizei Stuttgart und des Rotary Clubs Sindelfingen unter dem Motto „Alle Menschen werden Brüder“ zugunsten von Flüchtlingen statt.

Gemeinsam mit dem Bundespolizeiorchester München spielt der syrische Komponist und Musiker Samir Mansour. Für die Veranstaltung arrangierte er eigens eine Komposition für Oud, einer Kurzhalslaute aus dem Orient, und Bläserorchester. Auch der Verein Zuflucht Kultur ist an diesem Abend dabei.

Der Konzertabend schwankt zwischen Feierlichkeit und Betroffenheit

Die schockierenden Attentate in Paris liegen erst wenige Stunden zurück. Einige Sitze im Saal bleiben frei. „Viele Kollegen befinden sich gerade an der französischen Grenze und können heute nicht hier sein“, sagt der Leiter der Bundespolizeiinspektion Stuttgart Reinhard Pürkenauer. Er eröffnet den Abend mit einer Schweigeminute in Gedenken an die Opfer von Paris. Der Konzertabend schwankt zwischen Feierlichkeit, Betroffenheit und dem Versuch der Redner, den Abend in die vergangenen Geschehnisse einzuordnen.

Unter den Rednern ist auch die Schirmherrin des Abends, die Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD). „Der Faktor Mensch ist eine sehr unsichere Variable“, sagt sie. Sorgen vor terroristischen Anschlägen in Deutschland versucht sie zu zerstreuen: „Ich denke, dass unsere Sicherheitskräfte wachsam sind.“ Und sie eröffnet eine weitere Perspektive: „Ich bin mir sicher, dass die Flüchtlinge sehr viel verunsicherter sind, als wir heute.“ Der Bogen zum Benefizkonzert lässt sich schwer schlagen, Öney versucht es dennoch: „Musik kennt ja bekanntlich keine Grenzen und verbindet über Sprachbarrieren hinweg.“

Flüchtlinge stehen auf der Bühne

Es ist ein spannender Abend. Spannend, weil er sich zwischen Welten bewegt. Mit dem Projekt Zuflucht Kultur stehen Flüchtlinge aus Syrien, Nigeria und Afghanistan auf der Bühne. Sie singen und musizieren mit dem Bundespolizeiorchester, füllen Musik von Mozart aus dem fragmentarischen Singspiel Zaide mit eigenen Erinnerungen an die eigene Flucht, ihre Ängste, die Schlaflosigkeit, die sie bis heute verfolgt. Das ist stark, bewegend und aufrüttelnd. Und wenn die Flüchtlinge sagen: „Hier habe ich gelernt, dass man vor der Polizei keine Angst haben muss“, hinterlässt das die Zuhörer nachdenklich.

Auf der anderen Seite stehen die Sorgen der Bundespolizei. Pürkenauer erklärt, dass seine Mitarbeiter mit 14-Stunden-Schichten an der Grenze der Belastbarkeit angekommen sind und er auf personelle Aufstockung hofft.

Der Chef der Bundespolizeiinspektion Stuttgart ist stolz, mit seinen Kollegen einen solchen Abend auf die Beine gestellt zu haben. „Wir führen die Integration fort mit Musik und Kunst“. Zum Schluss singt der gesamte Saal die Europahymne. Stehend. „Alle Menschen werden Brüder.“

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