Dirigent und Moderator Hannes Reich leitet das Bosch Sinfonieorchester. Foto: Simon Granville

Das Bosch Sinfonieorchester bietet in der Stadthalle Leonberg Musikgenuss gepaart mit unterhaltsamer Moderation – und macht das ganz umsonst für einen guten Zweck.

Hannes Reich führt eloquent durch den Abend. Zunächst löst der künstlerische Leiter des Bosch Sinfonieorchesters und der Süddeutschen Philharmonie Esslingen das Rätsel um die 10. Sinfonie von Ludwig van Beethoven auf. Denn bekanntermaßen ist die 9. die letzte Beethoven-Sinfonie.

 

Doch aufgeführt wird zum Benefizkonzert der erste Satz einer 10. Sinfonie, zwei Sätze davon vervollständigt 1988 von dem englischen Musikwissenschaftler Barry Cooper nach Notizen Beethovens. „Beethoven war revolutionär in seinen Sinfonien“, so der Bosch-Dirigent Hannes Reich. Was also könnte seine 9. Sinfonie noch toppen? Das Werk von Cooper ist es vermutlich nicht, Beethovens Geist ist erkennbar, aber es fehlt der 10. das Neue, das Revolutionäre.

Bosch Sinfonieorchester kommt in großer Besetzung

Dennoch ein Hörgenuss, dargeboten vom Bosch Sinfonieorchester in großer Besetzung in der Leonberger Stadthalle anlässlich des Benefizkonzertes zum 20. Geburtstags der Stiftung Zeit für Menschen. Diese ist eine Initiative der Samariterstiftung, die 2004 als Dachstiftung gegründet wurde. Acht Töchter hat sie mittlerweile, 2007 wurde der Leonberger Ableger der Stiftung Zeit für Menschen gegründet.

Von Anfang an dabei ist Inge Horn als eine der Gründungsstifterinnen, damals noch in ihrer Funktion als Erste Bürgermeisterin von Leonberg und heute Sprecherin der Stiftung. Die Leonberger Stiftung fördert in erster Linie das Zusammenleben von älteren und jungen Menschen in den Wohnquartieren. „Damit die Angebote, die wir unterstützen, auch passgenau ankommen, sind wir in ganz engem Kontakt mit den Hausleitungen der Seniorenwohnanlagen und den örtlichen Quartierskoordinatorinnen“, so Inge Horn.

Heimbewohner sollen Nachbarn treffen

Die Stiftung will Menschen mit Unterstützungsbedarf im Raum Leonberg mehr Lebensqualität ermöglichen. Mit einem bunten Veranstaltungsprogramm fördert sie die Begegnung von Bewohnerinnen und Bewohnern aus den Pflegehäusern der Samariterstiftung in Leonberg mit der Nachbarschaft in den umliegenden Quartieren. Dazu zählen die Zirkustage, der Herbstzauber und andere Feste. Ziel ist es, dem Alltag in den Pflegeheimen einen bunten Farbtupfer hinzuzufügen und so das Leben für die Bewohner abwechslungsreicher zu gestalten.

Beim Sinfonieorchester machen Bosch-Mitarbeitende mit. Foto: Simon Granville

Dazu trägt auch das kleine, elektrisch betriebene Golf-Caddy bei, das bis zu sechs Senioren vom Pflegeheim oder betreuten Wohnen zum Mittagstisch, auf den Marktplatz oder auch zu anderen Geschäften oder Aktivitäten in der Stadt fährt. Für all diese Aktivitäten braucht es neben Geld ehrenamtliches Engagement der Stiftung.

Mitarbeitende der Bosch-Standorte im Großraum Stuttgart

Auch das Bosch-Ensemble ist ehrenamtlich an diesem Abend unterwegs. Die Pflege der Musik gehört zur Tradition im Hause Bosch. 1934 wurden die musikalischen Instrumental-Aktivitäten der Mitarbeiter in einem Orchester zusammengefasst. Das heutige Bosch Sinfonieorchester setzt sich überwiegend aus Mitarbeitern der Bosch-Standorte im gesamten Großraum Stuttgart zusammen.

Sehr gelungen ist ihr Vortrag von Bedrich Smetanas Moldau, zu der Hannes Reich das Publikum zunächst mit Worten entführt, denn nur so könne Programmmusik auch verstanden werden, Musik also, die einem außermusikalischen Programm folgt, das eine bestimmte Vorstellung von Bildern oder Geschichten schaffen soll.

Die Stadthalle ist bestens besucht

Und so wird vor den Augen der Besucher die Moldau in Wort und später in Musik lebendig, mit ihrer kalten Quelle, von der Flöte dargestellt, und ihrer warmen Quelle, die aus den Klarinetten hervorplätschert. Die Moldau wird zu einem breiten Strom, der unterwegs auf eine Jagdgesellschaft und ihre Hornbläser trifft. Schließlich führt der Fluss noch an einer Bauernhochzeit vorbei, bei der die Streicher zum Tanz auffordern. Und schließlich steigt der Mond über dem Fluss auf, Holzbläser und Harfe lassen die Nymphen tanzen.

Abgerundet wird das Benefizkonzert in der bestens besuchten Stadthalle von den fünf Sätzen der Sinfonie Nr. 6 in F-Dur, der „Pastorale“, mit der Beethoven die Zuhörer auf das Land und zu den unterschiedlichsten Vogelstimmen entführt. Es ist eines seiner wenigen Werke mit explizit programmatischem Gehalt.