Mutter Mariarosa mit Sohn Michele auf dem Arm und Papa Daniele Marino auf der Bühne im Rathausfoyer. Foto: Eva Herschmann

Das Konzert im Rathaus für den an Krebs erkrankten zweijährigen Michele aus Fellbach bringt Familie Marino nicht nur 7500 Euro, sondern gibt Rückhalt und Kraft. Viele tragen T-Shirts mit der Aufschrift „#zusammensindwirstark für Michele“.

Fellbach - Der Anblick auf der Bühne zerriss fast allen das Herz: der zweijährige krebskranke Michele Marino mit einem Mundschutz, der fast sein ganzes Gesicht bedeckte, auf dem Arm seiner sichtlich bewegten Mutter Mariarosa, daneben Vater Daniele, um Fassung ringend, und Schwester Mariella, gerade mal vier Jahre alt. Alle, die sich am Donnerstagabend im Foyer des Fellbacher Rathauses versammelt hatten, waren gekommen, um die Familie zu unterstützen, finanziell, aber auch durch Anwesenheit. „Nicht jeder will in dieser Situation an die Öffentlichkeit gehen, aber uns und unserem kleinen Löwen geben die vielen Menschen Rückhalt und Kraft. Wir sind stark, aber zusammen sind wir unschlagbar“, sagte Daniele Marino.

Familie, Freunde, Bekannte waren in Scharen da

Kurz nach dem Urlaub in Italien im Sommer war bei Michele Krebs diagnostiziert worden. „Er hat ein Neuroblastom im Endstadium vier, seine Chancen liegen bei vielleicht 30 Prozent“, erzählte Daniele Marino. Die Krebserkrankung des Nervensystems betrifft in der Regel Kleinkinder und ist recht selten. Bundesweit erkranken rund 150 Kinder im Jahr daran.

Familie, Freunde, Bekannte waren in Scharen da, um mit Geld und Präsenz ihre Unterstützung zu demonstrieren. Die Stadtverwaltung, bei der Daniele Marino arbeitet, hatte nicht nur Räume zur Verfügung gestellt, sondern überreichte ein mit 1000 Euro prall gefülltes Sparschwein, das Ergebnis einer Sammelaktion unter den Mitarbeitern. Das Centro Culturale brachte einen Scheck, ebenso der Partnerstadtverein, und Antonio Rüdiger schickte ein Originaltrikot vom FC Chelsea. The Choristers – Raphael Schmid und Felix Beyer – traten beim Konzert unentgeltlich auf, Getränke und Speisen waren großteils gespendet, sodass der Erlös ebenfalls dem kleinen Michele zugute kommt.

7500 Euro brachte der Abend ein, und längst nicht alle, die da waren, kannten die Familie persönlich, wohl aber deren tragische Geschichte

Viele trugen bunte T-Shirts mit der Aufschrift „#zusammensindwirstark für Michele“, die es zum Preis für zehn Euro zu kaufen gab. Auch Mutter Mariarosa Marino, die auf ihrem Weg durch die Menschenmenge viele gefüllte Umschläge zugesteckt bekam. „Es ist emotional“, sagte sie, als sie wieder im Trauzimmer war, in dem ihr Mann mit ihrem kleinen Sohn wartete. „Wir haben auch Schlüsselanhänger mit dem kleinen Löwen dran, beim Basteln hat Michele geholfen“, erzählte die Mutter.

7500 Euro brachte der Abend ein, und längst nicht alle, die da waren, kannten die Familie persönlich, wohl aber deren tragische Geschichte. Manuela Weigt hatte von einer Frau aus ihrer Sportgruppe vom Schicksal des kleinen Michele erfahren. „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe gegründet, um möglichst viele zum Kommen zu motivieren“, verriet sie. Schließlich soll Michele, sollte er in Deutschland nicht geheilt werden können, zu Spezialisten nach Barcelona. Die Behandlungskosten dort belaufen sich auf rund 200 000 Euro, und die Krankenkasse übernimmt nichts. „Deswegen haben wir frühzeitig angefangen und haben schon insgesamt rund 90 000 Euro zusammen“, sagte Vater Daniele Marino. Allerdings sei dies nur Plan B. „Erst wollen wir in Deutschland alle Möglichkeiten ausschöpfen. Sollte Michele gesund werden, spenden wir das Geld einem Kind, das es braucht.“ Am Montag startet für Michele, dem die Ärzte den Auftritt auf seiner Veranstaltung – wenn auch mit Mundschutz – erlaubt hatten, die vierte von insgesamt sechs Chemotherapien.

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