Die Zuhörer sind vom Auftritt des Knabenchors begeistert und spenden fleißig Applaus. Foto: Martin Bernklau

Das Collegium iuvenum, der jüngere der beiden großen Stuttgarter Knabenchöre, gibt in der Versöhnungskirche ein Benefizkonzert in eigener Sache.

Stuttgart-Degerloch - Das Collegium iuvenum, der jüngere der beiden großen Stuttgarter Knabenchöre, hat schon viele Benefizkonzerte gegeben. Diesmal tat er es in eigener Sache: unter der Überschrift „Kinder-Stimmen immer“ für die Jugendstiftung des Chores. Die Degerlocher Versöhnungskirche war am Sonntagnachmittag fast vollständig gefüllt. Denn Knabenstimmen sind etwas Schönes, etwas Besonderes.

In kleineren und größeren Ensembles, auch mit vielen solistischen Nummern, war unter der Leitung von Friedemann Keck – er amtiert inzwischen seit 23 Jahren – ein schöner Querschnitt durch Genres, Stile und Jahrhunderte zu hören, und dazu das eindrückliche Erleben ganz unterschiedlicher Nuancen in Färbung und Lage, Volumen, Charakter und Technik der jugendlichen Sopran- und Altstimmen.

Musical-artiger Beginn

Am Klavier saß Korrepetitor Antal Váradi, der seine Sache gleichzeitig so stoisch Sicherheit gebend und doch so einfühlsam geschmeidig machte, dass die selbstverständliche Präsenz kaum auffiel – in so einem Fall ist das ein hohes Lob. Nach einem musical-artigen Beginn mit „Joyfully sing“ im Quartett huldigte eine Gruppe mit dem Paul-Gerhardt-Choral „Geh aus mein Herz und suche Freud“ zur Melodie August Harders der Sommerzeit, die draußen vor der Tür stattfand.

Verschiedene Arien von Johann Sebastian Bach waren viermal, solche von Händel dreimal zu hören, jede anders und eine schöner als die andere. Unter den solistischen Sängern sind eine Reihe von Bundespreisträgern im „Jugend musiziert“-Wettbewerb. Einige davon begleitete Ann-Kathrin Thiel mit der Violine ausdrucksstark und nicht weniger feinfühlig als der Pianist.

Eine geistliche Komponente

Unter den Klassikern stimmten unterschiedlich besetzte Ensembles ein nicht gar zu getragen-mystisches „Ave verum“ von Mozart an, die Haydn-Motette „Singt ein neues Lied dem Herrn“ oder in Trio-Form die Knaben-Arie „Bald prangt, den Morgen zu verkünden“ aus Mozarts „Zauberflöte“ oder jenes „Hebe deine Augen auf“ aus Mendelssohns „Elias“. Die Erziehungsarbeit eines solchen Chors hat eine geistliche Komponente, und als solche längst auch eine ökumenische und kulturverbindende. Insofern war es besonders schade, dass „Ein jüdisch’ Kind“ ausfallen musste, weil der junge Solist krank geworden war. Eindrucksvoll hingegen der „Taizé-Kanon“, geistliche Hymne „Per Crucem“ des überkonfessionellen offenen Jugendklosters und Pilgerorts im französischen Burgund. Zwischen einigen Einlagen von Gospel, Spiritual oder „Neuem Geistlichen Lied“ verwiesen auch Songs aus Südafrika („Siyahamba“) und aus dem spanisch-sprachigen Peru („Gloria a dios“) auf die Weltperspektive der Musik. In die Beiträge des kontinentalen Barock mit Bach, Schütz oder dem Halb-Briten Händel waren in Alessandro Grandi italienische und in Gestalt von Henry Purcell und John Waldon auch englische Stücke eingestreut. Das alles hatte zwar auch den Charakter eines bunten Potpourris, aber ebenso sehr einen roten Faden in den geistigen Bezügen, den man nachspinnen konnte.

Die Zuhörer waren begeistert und schienen ihren Beifall von Nummer zu Nummer noch zu steigern. In den Spendenkörben fanden sich circa 1400 Euro Reinerlös für die Jugendstiftung des Collegium iuvenum von dem die munteren Zöglinge, Mitglieder und Freunde gern unter dem liebevollen musikalischen Kürzel „cis“ sprechen.

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