Zum 22. Mal duellieren sich die Glatzen und die Locken am Neujahrstag beim Benefiz-Besenhockey auf der Eisbahn in Fellbach für einen guten Zweck.
La-Ola-Wellen werden durch die Zuschauermenge wogen, sobald am Neujahrstag die Gladiatoren auf Straßenschuhen mit ihren zurechtgestutzten Kehrbesen die eisige Arena betreten. Zum 22. Mal steigt am 1. Januar die legendäre Benefiz-Besenhockey-Begegnung der Glatzen gegen die Locken auf der Eisbahn in Fellbach. Bisher wurden in 21 Spielen rund 225.000 Euro für lokale Wohltätigkeitsorganisationen und Wohltätigkeitsaktionen gesammelt, und auch diesmal soll wieder eine fünfstellige Summe für den guten Zweck zusammenkommen.
Anpfiff der legendären Begegnung ist am Donnerstag um 15.30 Uhr. Erste Rillen und Schrammen wird aber schon der Handballnachwuchs aufs Eis machen. Um 14 Uhr treten die D-Jugend des SV Fellbach und die des HSC Schmoeff, der Spielgemeinschaft des TSV Schmiden und TV Oeffingen, gegeneinander an.
Besenhockey: Von kanadischen Frauen inspiriert
2002 wurde in Fellbach erstmals eine besondere Art von Eishockey gespielt. Freunde mit mehr Haaren und solche mit weniger versuchten in normalen Straßenschuhen auf rutschigem Untergrund und mit einem Besen ausgestattet, einen Plastikball im gegnerischen Tor zu versenken. Der Spaß ähnelt dem Broomball, das der Legende nach im frühen 19. Jahrhundert von kanadischen Frauen erfunden wurde. Demnach hatten sich die Damen so sehr darüber geärgert, dass sie beim Eishockey nicht mitspielen durften, dass sie eigene Teams gründeten und mangels Sportausrüstung auf Gegenstände aus ihrem Haushalt zurückgriffen.
In Fellbach hat das Besenhockey Tradition, weil damit viel Gutes getan wird, und das Spiel am 1. Januar zugleich eine gute Gelegenheit ist, möglichst vielen Bekannten, Freunden und Verwandten ein frohes neues Jahr zu wünschen. Längst ist die äußere Lockenpracht der Akteure auf Eis auch nicht mehr entscheidend. Die Teams haben sich im Laufe der Jahre deutlich verjüngt, und es sind vielmehr die innere Einstellung oder Verbindungen, die den einen zu den Locken, den anderen zu den Glatzen zieht.
Während der Corona-Pandemie, in den Jahren 2021 bis 2023, fielen die Spiele aus, in denen gemeinsam und mithilfe von Sponsoren sowie einem spendierfreudigen Publikum, möglichst viel Geld für Menschen und Hilfsorganisationen gesammelt wird. „Unser Ziel ist es, mindestens so viel zu sammeln, wie im Vorjahr, als knapp 20.000 Euro zusammengekommen sind“, sagt Uwe Scholz, der die Veranstaltung seit Jahren kommentiert und mittlerweile auch federführend organisiert. Er ist optimistisch, dass man das Ergebnis von 2025 sogar knapp übertreffen wird. Schließlich habe man allein 50 Sponsoren für die 22. Auflage gewinnen können, so Scholz. Über das Geld freuen werden sich diesmal „Clowns mit Herz“, Schlupfwinkel, Kältebus, der Förderverein vom Heim am Kappelberg, der Verein „Wir für Kinder“ und die Aktion 6666 der Fellbacher Zeitung.
Glatzen gegen Locken: Hitziges Duell auf dem Eis
Nach dem gemeinsam gesungenen Fellbach-Lied ist es am Neujahrstag vorbei mit der Harmonie auf dem Eis. Kaum eine Debatte im Gemeinderat wird in der Stadt unterm Kappelberg so hitzig geführt wie dieses Spaß-Duell unter Freunden. Wie immer wollen die Glatzen die Locken rasieren und die Locken die Glatzen polieren. Und wenn es zu hitzig wird, sorgen die beiden Schiedsrichter Cüneyt Karacuha, genannt Chicheri, und Adriano Marrazzo alias Fuzzi für Ordnung auf dem Eis.
Nur eine Rutschpartie, und zwar die allererste im Jahr 2002, die noch ohne Verlängerung und Penaltyschießen ausgetragen wurde, endete unentschieden. Seitdem spricht die Bilanz für die Haarigen, die bisher 14-mal gewinnen konnten, während die Glatzen sechsmal als Sieger vom Eis gingen. Das letzte Aufeinandertreffen, am Neujahrstag 2025, konnten wieder einmal die Glatzen für sich entscheiden. „Die 0:3-Niederlage hat den Locken wehgetan“, sagt Uwe Scholz und verrät, dass die zuletzt Unterlegenen am Samstag vor Weihnachten ein Geheimtraining auf der Eisbahn auf dem Stuttgarter Schlossplatz absolviert haben.
Gute Sicht auf die Eisbahn bei der Schwabenlandhalle
Am Neujahrstag sind alle Blicke auf die Eisbahn bei der Schwabenlandhalle gerichtet. Scholz, der mit mehr als 1000 Besucherinnen und Besuchern rechnet, hat sich persönlich davon überzeugt, dass von allen Zuschauerplätzen – anders als bei der vorherigen Auflage – gute Sicht auf das Geschehen herrscht. „Die Dachplane über der Eisfläche hängt diesmal höher, sodass auch alle auf den oberen Rängen der Tribünen gut aufs Eis sehen.“