Natali Duretic-Matic mit Rottweiler-Hündin Bonnie und Gerhard Klinger mit Border Collie Tommy kommen regelmäßig ins Schwimmbad nach Nürtingen-Neckarhausen. Foto: / Caroline Holowiecki

In Nürtingen-Neckarhausen gibt es ein Schwimmbad nur für Hunde. Der in der Region offenbar einzigartige Wasserspaß für Tiere ist so begehrt, dass Hundehalter sogar aus der Schweiz anreisen.

Ein bisschen schaut Bonita wie ein begossener Pudel drein. Nach jeder Runde im Wassertretbecken lugt die Podenco-Schäferhündin hoffnungsvoll in die Runde, ob sie vielleicht nicht doch wieder an Land darf. Bonita geht es augenscheinlich nicht besser als vielen Menschen: Richtig viel Spaß macht ihr der Sport nicht, aber Bewegung ist wichtig, und so stapft die vierzehneinhalb Jahre alte Hündin mit dem hellen Fell und den großen Ohren wacker weiter durchs Becken. Frauchen Verena Heidel hat ab und an ein Leckerli parat, um die Motivation hochzuhalten. Die Reutlingerin weiß: Das Training tut ihrer Bonita gut. „Danach schläft sie immer, aber kann besser aufstehen“, sagt sie. Das betagte Tier hat Probleme mit den Gelenken, deswegen wird beim Wassertreten im 26 Grad warmen Wasser geübt. Mit Erfolg. „Am Anfang ist sie die Rampe gar nicht allein hochgekommen“, erzählt sie.

 

20 000 Liter ungechlortes Wasser

Verena Heidel und ihre Bonita kommen regelmäßig nach Nürtingen-Neckarhausen zu Bendogames. Unter diesem Namen betreibt die 37-jährige Sabine Bendig ein Hallenbad nur für Hunde. In einer Gewerbehalle hat sie zwei Becken aufgebaut: ein zehn Meter langes flaches zum Gehen sowie ein 14 Meter langes tiefes zum Schwimmen. 20 000 Liter ungechlortes Wasser fasst das größere. Gereinigt wird es über eine Filteranlage, eine UV-Lampe und bei Bedarf mit Aktivsauerstoff. „Das gibt es so in der Region nicht“, sagt Bendig. Die Becken seien Eigenanfertigungen, hinzu komme, dass es nach ihrer Erfahrung weit und breit keine so langen Becken gebe, in denen die Tiere eine gewisse Strecke geradeaus schwimmen können.

Gekommen sei ihr die Idee zum Hunde-Pool schon vor acht Jahren, damals noch an einem anderen Standort. Ein Anlass seinerzeit: die eigenen Hunde. „Damals ist ganz viel verboten worden“, sagt sie, der Zugang für Hunde zu öffentlichen Gewässern werde immer mehr eingeschränkt. Also habe sie sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit als Betriebswirtin nach Möglichkeiten fürs Hundeschwimmen umgeschaut. „Ich wollte mich nur erkundigen und schwups“, sagt sie und lächelt. Sabine Bendig hat nach eigenen Angaben bereits 2004 den professionellen Umgang mit Hunden begonnen und ist Mitglied der Rettungshundestaffel Mittlerer Neckar/Tübingen im Bundesverband Rettungshunde (BRH). 2014 hat sie sich mit ihrer Hundeschule selbstständig gemacht, wenig später wurde sie zur IHK-zertifizierten Hundeerzieherin und Verhaltensberaterin.

Mittlerweile betreibt Sabine Bendig Bendogames in Vollzeit. Im Erdgeschoss ist das Schwimmbad, im Stockwerk drüber eine Tagesbetreuung für Hunde. Ab November wird sie erstmals eine Mitarbeiterin beschäftigen. Die Zeiten in den Becken seien gut gebucht, aus der ganzen Region Stuttgart und von der Schwäbischen Alb kämen Menschen mit ihren Tieren, sogar aus der Schweiz – und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Den einen gehe es um Physiotherapie, Muskelaufbau oder ein gelenkschonendes Fitnesstraining für ihren Hund, den anderen einfach um den Schwimmspaß, ohne sich über Blaualgen und Co. Gedanken machen zu müssen. Wieder andere kämen, um etwa ihre Welpen ans Wasser zu gewöhnen.

Nach getaner Arbeit geht’s noch unter die Hundedusche

Vier Hunde teilen sich an diesem Montagmorgen die zwei Becken. Der Nürtinger Gerhard Klinger kommt regelmäßig zu Bendogames, um seinen achtjährigen Border Collie Tommy schwimmen zu lassen. „Es tut ihm einfach gut, und er macht es gern“, sagt das Herrchen, während der schwarz-weiße Rüde mit seiner leuchtend roten Schwimmweste durchs warme Wasser krault. Tommy leide an einer Fußgelenkarthrose, aber habe einfach auch Freude am Planschen. „Wenn er reinkommt, wird er ganz aufgeregt“, sagt Gerhard Klinger. Neben Tommy tut an diesem Vormittag auch die sechsheinhalb Jahre alte Rottweiler-Hündin Bonnie im Becken etwas für ihren Körper. „Sie ist fitter als früher“, sagt ihre Halterin Natali Duretic-Matic. „Ich bin total begeistert“, schiebt sie nach.

Bonnie ist es augenscheinlich auch. Mit ihrer Plastikwurst im Maul zieht sie ihre Bahnen, Frauchen Natali Duretic-Matic motiviert sie zusätzlich mit Rufen. Nach getaner Arbeit geht es, ganz wie im normalen Hallenbad, noch unter die Dusche und dann heim. Bis zum nächsten Montag.

Tausende Hunde leben in der Region

Hunde
Die Zahl der Hunde in den Städten nimmt zu, die Coronapandemie hat der Entwicklung noch einen zusätzlichen Schub gegeben. 1608 Hunde waren Ende 2022 beispielsweise in Filderstadt gemeldet. Etwas weniger waren es im benachbarten Leinfelden-Echterdingen, dort waren es rund 1340 Hunde. In Esslingen waren 2021 in Summe 2657 Hunde gemeldet. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr hatten noch 2392 Hunde in der Stadt gelebt.

Rassen
Besonders viele Pudel, Schnauzer und Co. sind es in Stuttgart. In der Zeit von 2019 bis 2022 ist die Zahl von 14 731 auf fast 16 700 Hunde in der Landeshauptstadt gestiegen. Die Stadt Stuttgart nimmt Jahr für Jahr durch diese Masse an Tieren nahezu zwei Millionen Euro über die Hundesteuer ein.