In einem Holzstapel am Waldrand haben die Hammels das etwa zwei Zentimeter große Insekt gesehen. Foto: Steffen Hammel

Ute und Steffen Hammel haben bei Erligheim (Kreis Ludwigsburg) ein Insekt gefunden, das in Württemberg lange nicht nachgewiesen worden war. Gesucht hatte das Paar nach etwas anderem.

Steffen Hammel hat schon als junger Bub Vögel beobachtet. Mittlerweile ist der gebürtige Bietigheimer 56 Jahre alt und von allem fasziniert, was kreucht, fleucht und wächst. Mit seiner Leidenschaft hat er auch seine Frau Ute angesteckt. Nach Feierabend begeben sich die beiden Erligheimer gerne auf Entdeckungstour. So auch am 15. Juni vergangenen Jahres. Das Ziel ihrer Mission war eigentlich auch an diesem Tag, heimische Bockkäfer aufzuspüren und zu bestimmen. Ein Langzeitprojekt der Naturfreunde. Dabei stießen sie per Zufall auf ein anderes, besonders und streng geschütztes Insekt: einen Eichen-Buntkäfer. Und das kommt einer kleinen Sensation gleich.

 

„Die letzte bekannte Beobachtung dieser Art in Württemberg liegt 100 Jahre zurück“, erklärt Arnaud Faille vom Naturkundemuseum in Stuttgart. Der Käferspezialist stuft das Ganze als „bemerkenswerte Entdeckung“ ein.

Steffen Hammel hat den Fund jetzt auch in den Nachrichten des Entomologischen Vereins Stuttgart publiziert. Das etwa zwei Zentimeter große und prächtige Tierchen sei auf einen Brennholzstapel am Waldrand im Gewann Aspen gesessen. „Ich habe gleich gewusst, dass ich so etwas noch nicht gesehen hatte und dass das etwas Besonderes sein muss“, erklärt der ambitionierte Hobby-Forscher. Der Verwaltungswirt durchforstete später das Internet und Fachliteratur, befragte zudem einen ausgewiesenen Käferkenner. Schließlich hatte er Gewissheit, dass er und seine Frau tatsächlich einen Eichen-Buntkäfer gesehen und fotografiert hatten.

Es bleibe aber abzuwarten, „ob es sich um eine Einzelfallbeobachtung handelt oder ob weitere Beobachtungen bestätigen, dass sich die Art in der Region ansiedelt“, gibt Arnaud Faille vom Naturkundemuseum zu bedenken. Diese Frage treibt auch Steffen Hammel um. Er wolle das Gebiet, wenn es wärmer ist, deshalb noch genauer erkunden.

Ute Hammel an der Fundstelle, wo sie ein Foto des streng geschützten Käfers macht. Foto: Steffen Hammel

Das übliche Habitat der Spezies seien alte, lichte Eichenwälder. Dass die Hammels den Käfer rund 120 Meter außerhalb des Forsts angetroffen haben, kommt dennoch nicht von ungefähr. Auf der Speisekarte von Clerus mutillarius stünden auch andere, durchaus sogar größere Käfer, erklärt Steffen Hammel. Zum Beispiel die Bockkäfer, von denen manche auf geschlagenem Holz krabbelten. Der Eichen-Buntkäfer ist nach der Theorie von Hammel also vermutlich aus dem Wald zu dem Brennholzstapel am westlichen Ortsrand von Erligheim geflogen, um dort Bockkäfern aufzulauern.

Hammel hält es für ein gutes Zeichen, dass die hübsch anzuschauenden Insekten offenbar in einem Teil von Württemberg wieder Fuß fassen. Vor allem, weil das darauf zurückzuführen sei, dass heutzutage mehr Altholz in den Wäldern liegen gelassen werde. Das steigere die Artenvielfalt. Auch Spechte oder Fledermäuse profitierten von dieser Strategie der Forstverwaltung. Zudem seien die Eichen-Buntkäfer Nützlinge, weil sie andere Käfer vertilgten, die sich an Bäumen zu schaffen machten.

Ute und Steffen Hammel ziehen oft nach Feierabend los, um die Tier- und Pflanzenwelt in der Umgebung zu erforschen. Foto: Steffen Hammel

Der 56-Jährige redet mit großer Begeisterung über solche Themen und freut sich, wenn er mit solchen Entdeckungen andere anzünden kann, die dann ebenfalls in der Natur Ausschau halten nach seltenen Spezies. „Das öffnet natürlich auch ein bisschen die Augen“, sagt er.

All das heißt aber natürlich nicht, dass mit der Natur alles in Ordnung wäre. Im Gegenteil. Aus einem Einzelfund des Eichen-Buntkäfers könnten keine generellen Rückschlüsse auf die Entwicklung der Artenvielfalt gezogen werden, betont Franziska Schuster, Pressesprecherin des Landratsamts Ludwigsburg. „Gerade bei kleineren und leicht zu übersehenden oder nur von Spezialisten bestimmbaren Tierarten liegen keine flächenhaften oder repräsentativen Bestandserhebungen vor, so dass frühere oder aktuelle Vorkommen nicht ausgeschlossen werden können“, sagt sie. Insgesamt halte „der dramatische Artenschwund trotz in Einzelfällen positiven Entwicklungen weiter an“.