Für kleines Geld an den Börsen dabeisein – das versprechen Indexfonds Foto: Fotolia

Günstige Indexfonds entwickeln sich zum Liebling der Anleger. Sie eignen sich gut, um mit kleinen Sparraten langfristig Vermögen aufzubauen. Um in dem großen Angebot den passenden Fonds zu finden, sollten Anleger ein paar Grundregeln beachten.

Stuttgart - Zugegeben: Der Markt für börsengehandelte Indexfonds ist im Verhältnis eher klein. Sein Anteil am gesamten Fondsmarkt in Deutschland liegt bei drei Prozent. Doch die börsengehandelten Indexfonds befinden sich auf der Überholspur. Immer mehr Anleger entdecken dieses Anlagein­strument, das Profis schlicht ETF nennen. Die drei Buchstaben stehen für die englische Übersetzung: Exchange Traded Funds.

Der zunehmende Erfolg von Indexfonds lässt sich erklären. Anleger achten in der Niedrigzinsphase mehr denn je auf einen geringen Kostenanteil, um überhaupt noch eine Rendite zu erzielen. Da liegen sie bei Indexfonds richtig. Denn anders als bei klassischen Investmentfonds verfolgt hier das Management keine eigene Anlagestrategie, sondern bildet möglichst genau die Entwicklung eines Börsenindex wie beispielsweise des Dax oder des amerikanischen Dow Jones nach. Das spart im Vergleich zu klassischen Investmentfonds deutlich Managementgebühren.

„Dieses Produkt macht genau das, was der Markt macht“, sagt Michael Görgens, Leiter des Fonds- und Anleihehandels an der Börse Stuttgart. Legt der Index um fünf Prozent zu, gewinnt auch der Indexfonds um fünf Prozent. Verliert dagegen der Index, bildet auch der Indexfonds die Talfahrt eins zu eins nach. Der Anleger fährt mit dieser Anlagestrategie nicht schlecht. Studien belegen, dass kaum ein Fondsmanager auf Dauer eine bessere Wertentwicklung erzielt als die großen Börsenbarometer.

Einer der Vorteile ist das Wissen, in welchen Werten das Geld angelegt ist

Was spricht aus Anlegersicht abseits der Kosten für einen ETF? Für Görgens sind das fünf elementare Kriterien. „Es ist absolut transparent, in was ich investiere. Privatanleger bekommen dieselben Produkte und dieselben Konditionen wie Großanleger. Das Produkt ist einfach nachvollziehbar und jederzeit handelbar, insbesondere auch in Krisensituationen. Nicht zu vergessen die rechtlichen Vorgaben: ETF sind laut Investmentgesetz Sondervermögen und damit besonders geschützt. Selbst im Falle einer Insolvenz des Anbieters ist der Einsatz nicht verloren“, zählt der Börsenexperte auf.

Das Angebot ist inzwischen riesig – aber auch schwer überschaubar

Das überzeugt immer mehr Anleger. Doch den passenden Indexfonds zu finden ist für Einsteiger nicht einfach. Allein an der Börse Stuttgart werden 1050 ETF gehandelt: Aktien-ETF, Anleihen-ETF, Rohstoff-ETF und andere. Nahezu jede Fondsgesellschaft bietet etwa einen Dax-ETF an. Da fällt dem Laien die Auswahl schwer. Das große Angebot sollte nach Ansicht von Görgens nicht abschrecken. Sein Geld längerfristig anzulegen erfordere Zeit. „Die Leute beschäftigen sich vier Wochen mit dem Kauf eines neuen Autos. Aber die Entscheidung für ihre Altersvorsorge soll in einem halbstündigen Gespräch erledigt sein“, moniert er.

Neutrale Informationen und Tipps zur Fondssuche finden sich zum Beispiel in der Verbraucherzeitschrift „Finanztest“ oder auf dem auf Indexfonds spezialisierten Anlegerportal justETF, wo sich die konkurrierenden Produkte nach Größe, Kosten und Rendite filtern lassen. Ebenso bietet die Börse Stuttgart einen ETF-Finder und Hintergrundwissen an.

Orientierungshilfe für die Wahl eines Produktanbieters kann aus Sicht von Görgens sein, ob ein Anbieter „am Markt bekannt und etabliert ist und ob das Papier rege gehandelt wird“. Anleger sollten auch die Größe des Indexfonds im Blick haben, rät Dominique Riedl, Gründer und Geschäftsführer von justETF. Das Fondsvolumen sollte mindestens 100 Millionen Euro erreichen, damit Anleger nicht Gefahr laufen, dass der Fonds unwirtschaftlich ist und geschlossen wird.

Bei der Suche nach dem passenden Indexfonds spielen auch subjektive Kriterien eine wichtige Rolle. Möchte man einen ETF, der Dividenden oder Zinsen ausschüttet, oder einen, der sie wieder anlegt? Sucht man einen Sparplan-ETF, um regelmäßig kleinere Beträge anzulegen? „Über 50 Prozent aller in Deutschland gelisteten ETFs sind sparplanfähig“, betont Riedl. Ihr Vorteil: Sie können jederzeit kostenlos unterbrochen oder gekündigt werden, sind also sehr flexibel handhabbar.

Auch bei ETF gilt: Eine gute Mischung senkt das Risiko

Auch die Zusammensetzung des Fonds kann ein Auswahlkriterium sein. Soll der Fonds genau die Papiere in der Gewichtung wie der zugrunde liegende Index kaufen oder kann er das Ergebnis des Index mit anderen Wertpapiergeschäften darstellen? Die Unterschiede sind nach Expertenmeinung nicht groß, dennoch tendieren Privatanleger lieber zu genauen Nachbildungen. Wichtig kann zudem sein: Darf der Fonds seine Wertpapiere kurzfristig an andere Investoren gegen eine Gebühr verleihen? Letzteres kann eine zusätzliche Rendite bringen, stellt aber ein zusätzliches Risiko dar. Die Entscheidung muss der Käufer treffen. „Am Ende des Tages muss sich der Anleger wohlfühlen mit seiner Entscheidung“, sagt Riedl.

Mit einer Handvoll ETF lässt sich eine ausgewogene Anlagestrategie umsetzen, ist Görgens überzeugt. Wichtig sei, dass Anleger auf unterschiedliche Anlageklassen setzen. Zum Beispiel auf Aktien-, Anleihen- und Rohstoff-ETF. Anleger, die schon einen Großteil ihres Vermögens im eigenen Haus stecken haben, sollten nicht noch in Immobilienfonds investieren, nur weil diese gerade eine gute Rendite abwerfen. „Das wäre dann ein Klumpenrisiko“, so Görgens.

JustETF-Geschäftsführer Riedl empfiehlt, auf die Aktionsangebote von Anbietern zu achten. Damit lasse sich zusätzlich Kosten sparen. Der aktuelle Preiskampf der Anbieter kann ETF-Anlegern nur recht sein. Sie sind der große Gewinner. „Mit ETF ist die Geldanlage günstig wie nie“, ist Dominique Riedl überzeugt.

Wie verpassen Anleger den richtigen Ausstiegszeitpunkt nicht? Sie sollten eine Stoppmarke setzen, rät Görgens. Dabei wird der Fonds verkauft, sobald der Index eine festgelegte Grenze unterschreitet. Bei einer „Trailing Stop Loss“ wird die Stoppmarke automatisch nachgezogen. Beispiel: Wird bei einem Indexstand von 100 gekauft, könnte die Stoppmarke bei 80 gesetzt werden. Entwickelt sich der Index nach oben auf 110, wandert der Stopp mit und greift erst bei 90. „Das entspricht der Börsenregel: Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen“, so Görgens.

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