Das sommerliche Musikfest sei „keine Pflichtaufgabe der Stadtwerke Fellbach“. Durch die hohen Ausgaben werde die Gewinnausschüttung an die Stadt geschmälert, so die Christdemokraten.
Zu einem echten Erfolgsmodell unterm Kappelberg mit Strahlkraft weit über den Rems-Murr-Kreis hinaus hat sich die sommerliche Konzertreihe „Live im Park“ in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) in den vergangenen Jahren entwickelt. Organisiert und finanziert wird das Ereignis von den Stadtwerken Fellbach. An zehn Terminen, jeweils donnerstagabends, sind stets zwischen Anfang Juli und Anfang September herausragende Bands auf der Bühne vor der Schwabenlandhalle zu erleben.
Gestartet wurde die Reihe im Jahr 2019 als Fellbacher Beitrag zur damaligen Remstal-Gartenschau. Und mittlerweile ist die dortige Party nahezu ein Selbstläufer geworden: Jeweils bis zu 4000 Besucherinnen und Besucher tummeln sich nach Feierabend auf dem Guntram-Palm-Platz, machen es sich in den 80 bereitgestellten Liegestühlen oder auf mitgebrachten Picknick-Decken bequem und lauschen der Musik oder tanzen direkt vor der Bühne zu den Klängen der diversen Formationen.
Time Warp lockte die Massen auf den Guntram-Palm-Platz
Die Bands kommen mal direkt aus Fellbach – wie etwa Time Warp im vergangenen Jahr – oder der aus Schmiden stammende Star-Tenor Matthias Klink (Staatsoper Stuttgart) mit seiner Just Another Blues Band (JABB). Die meisten stammen ansonsten aus dem südwestdeutschen Raum.
Einige wenige Gruppen werden aber auch aus dem Ausland nach Fellbach gelotst, wie die slowenische Beatles-Tribute-Band mit dem passenden Namen Help. Und manchmal gibt es, wie zum Abschluss 2025, einen Lachtränen auslösenden, sensationellen Schlagerspaß mit der Golden Glitter Band – genau: „Fiesta, Fiesta Mexicana“. Da bleibt wahrlich kein Auge trocken.
Gesamtkosten circa 70.000 Euro
Zu den Aufwendungen für die Reihe bemüht der Geschäftsführer der Stadtwerke Fellbach, Gerhard Ammon, stets einen ungewöhnlichen Vergleich: Die Summe sei in etwa so viel, wie wenn man jeder Fellbacher Bürgerin oder jedem Bürger eine Kugel Eis in der Waffel zu 1,50 Euro spendiere. Zur Erhellung der finanziellen Dimensionen: In der Stadt leben etwa 47.000 Menschen.
Wegen coronabedingter Ausfälle gab es die Live-im-Park-Saison bisher fünf Mal, in diesen Tagen wollen Ammon und Stadtwerke-Marketingfachfrau und Musikexpertin Sabine Sorg das Programm für die sechste Auflage 2026 vorstellen. „Wir haben mittlerweile Bewerbungen aus ganz Deutschland von Bands, die hier bei uns in Fellbach spielen wollen“, erklärte Ammon bereits im vergangenen Jahr.
Konzerte enden stets gegen 21.30 Uhr.
Und weil die Shows immer gegen 21.30 Uhr beendet werden, gibt es nahezu keine Lärmproteste aus der umliegenden Anwohnerschaft. Auch wettertechnisch lief es bisher ausnahmslos bestens, nur einmal musste wegen ein paar Regentropfen ein Abend etwas früher abgebrochen werden. „Wir sind stolz, so eine Veranstaltung zu wuppen“, betont Ammon durchaus mit gewissem Stolz.
Aktuell allerdings sehen sich die Organisatoren der Stadtwerke mit einer eindringlichen Aufforderung der Lokalpolitik konfrontiert. Denn im Rahmen ihrer Rede zur Haushaltskonsolidierung – Fellbach muss in mehreren Sparpaketen Millionensummen einsparen, um einen genehmigungsfähigen Etat 2026 hinzubekommen – hat die CDU-Sprecherin Anja Off eine ganze Passage dem sommerlichen Event der Stadtwerke gewidmet.
Es gehe ihr, so erklärte Off, ausdrücklich nicht darum, bewährte Formate unter dem Dach der Stadtwerke wie eben „Live im Park“ in Frage zu stellen. Im Gegenteil: „Wir schätzen diese Veranstaltung, sind regelmäßig selber vor Ort und möchten sie keinesfalls streichen.“
Doch dann folgt das entsprechend der Spannungssteigerung im Aufbau ihrer Rede erwartbare „Aber“: „Weil dieses Veranstaltungsformat keine Pflichtaufgabe der Stadtwerke ist und jede Unterdeckung die Gewinnausschüttung an die Stadt schmälert, müssen Kosten und Erlöse konsequent überprüft und angepasst werden.“
Die CDU hat deshalb bereits einen Forderungskatalog entworfen: Zu dieser Maßgabe gehört für die Christdemokraten beispielsweise, „dass sich Standbetreiber“ – gemeint sind damit offensichtlich die von den Stadtwerken für „Live im Park“ engagierten Essens- und Getränkestände auf dem Guntram-Palm-Platz – „angemessen an veranstaltungsbezogenen Kosten beteiligen“. Dies betreffe etwa „Toiletten, Nebenkosten und Müllentsorgung“.
Außerdem müssten, so die christdemokratische Erwartungshaltung an die Stadtwerke, „zusätzliche Einnahmequellen sowie Einsparpotenziale geprüft werden“. Explizit genannt ist hier die Infrastruktur. Und auch die Höhe der Gagen stufen Off und ihre Fraktionskollegen offenkundig als überzogen ein. Hier scheint nach Einschätzung der Christdemokraten im Gemeinderat nicht alles ausgereizt, um die Summen für die Entlohnung der auftretenden Künstler noch zu drücken.
Verträge für dieses Jahr sind längst ausgehandelt
Dass sich allerdings angesichts der für dieses Jahr längst ausgehandelten Verträge die Musiker auf eine derartige Kürzungsvorgabe einlassen, ist kaum zu erwarten und somit nicht schnell umsetzbar, allenfalls dann für 2027.
Spannend wird auch sein, was die anderen Fraktionen im Gemeinderat, die Stadtverwaltung und insbesondere der dafür eigentlich zuständige Aufsichtsrat der Stadtwerke – den Vorsitz dort hat die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull inne – von dieser CDU-Maßgabe halten.