Ein Wortgefecht zwischen Russell Westbrook und einem Fan der Utah Jazz mit Folgen. Foto: AP

Ex-NBA-MVP Russell Westbrook bedroht vom Spielfeld aus einen gegnerischen Fan und dessen Ehefrau. Vorausgegangen waren offenbar rassistische Beleidigungen. Nun stellen sich viele Spieler die Frage: Was müssen wir uns gefallen lassen?

Stuttgart - NBA-Star Russell Westbrook und die Fans der Utah Jazz werden wohl keine Freunde mehr. Bereits in der vergangenen Saison nahm sich der MVP von 2017 einen Jazz-Fan während einer Play-off-Partie zur Brust und beklagte mangelnden Respekt ihm und anderen Spielern gegenüber – insbesondere in Salt Lake City, wo die Jazz ihre NBA-Heimspiele austragen, sei das ein großes Problem.

Beim jüngsten 98:89-Sieg der Oklahoma City Thunder über die Utah Jazz fand die Fehde ihre Fortsetzung und vorläufigen unrühmlichen Höhepunkt. Nachdem Westbrook im zweiten Viertel für eine Verschnaufpause auf der Bank Platz nehmen sollte, kam es zu einem Wortgefecht mit Jazz-Fan Shane Keisel. In einem Video ist zu hören, wie Westbrook den Fan mit den Worten „I’ll f*** you up. You and your wife!“ bedroht.

Rassistische Beleidigung seitens des Fans

Hinterher erklärte Westbrook, Keisel habe ihn zuvor rassistisch beleidigt und gesagt, er solle „auf die Knie gehen“, wie es die Schwarzen in Amerika doch gewohnt seien. „Das ist vollkommen respektlos und rassistisch“, echauffierte sich Westbrook nach dem gewonnen Auswärtsspiel und betonte „auch in Zukunft für mich und meine Familie aufzustehen. Und ich hoffe, das gilt auch für alle anderen Spieler“.

Während die NBA Westbrook für seine Drohung eine 25 000 Dollar-Strafe aussprach, erhielt Jazz-Fan Keisel eine lebenslange Hallensperre seitens der Utah Jazz. In einer offiziellen Mitteilung des Clubs sagte Jazz-Präsident Steve Starks: „Jeder sollte die Möglichkeit haben, das Spiel in einer sicheren und positiven Umgebung zu genießen und zu spielen. Aggressives und beleidigendes Verhalten spiegeln nicht die Werte der Utah Jazz wider.“ Zudem fügte er an: „Wir alle haben die Verantwortung, das Spiel zu respektieren und insbesondere darauf zu achten, dass wir uns gegenseitig als Menschen respektieren.“

Utah-Spieler springen Westbrook zur Seite

Selbst Utah-Spieler sprangen dem OKC-Point-Guard zur Seite. So sagte Jazz-Star Donovan Mitchel: „Die Vorfälle bei unserem Heimspiel treffen mich persönlich. Rassismus und Hassrede verletzen uns alle und es ist nicht das erste Mal, dass so etwas bei unseren Heimspielen passiert.“ Der in Frankreich geborene Jazz-Center Rudy Gobert stellte ebenfalls klar: „Ich stehe voll und ganz hinter Russell.“ Zudem sprach er einen Vorfall an, als Westbrook vor einigen Wochen in Denver einen Klaps von einem jungen Fan bekam und sich anschließend mit dessen Vater austauschte: „Manchmal fühlt es sich an, als ob wir in einem Zoo wären. Die Leute bezahlen Geld und glauben, sie könnten sich alles erlauben. Uns anfassen, uns beleidigen und wir sollen es einfach schlucken, weil wir Millionen verdienen.“ Dabei sei es doch wichtig, dass „Fans auch für ihre Handlungen haften. Die Kinder in der Arena sind die Zukunft der Welt und wir müssen ihnen zeigen, was richtig ist.“

Rechtliche Schritte gegen Westbrook

Der nun verbannte Jazz-Fan Keisel kündigte hingegen an, rechtliche Schritte gegen Westbrook wegen dessen Drohung einzuleiten. Er habe Westbrook nicht rassistisch beleidigt, sondern lediglich gesagt, er solle sich setzen und seine Knie kühlen. Allerdings tauchten im Netz eine Reihe alter Tweets von Keisel auf, in denen er mehrfach durch rassistische Wortwahl und Provokationen gegenüber Westbrook und anderen NBA-Stars auffiel.

Der Account ist mittlerweile gelöscht – das habe ihm sein Anwalt geraten, sagte Keisel.

Der Präsident der Spielergewerkschaft NBPA (National Basketball Players Association) forderte nun alle NBA-Clubs auf, „eine Null-Toleranz-Politik in den Arenen einzuführen“. Schließlich könnten sich die Spieler nicht gegen solche Beleidigungen zur Wehr setzen. Es sei zwar zu begrüßen, dass die Fans sehr nah am Spielfeldrand sitzen, aber gewisse Regeln gelte es einzuhalten.

Unterstützung vom Meistertrainer

Auch Miami-Coach Erik Spoelstra sprang Westbrook zur Seite: „Es ist genial, wenn Heimfans die Arenen in Hexenkessel verwandeln und es dem Gästeteam schwerer machen, hier zu gewinnen. Aber es nicht in Ordnung, gewisse Grenzen zu überschreiten und Dinge zu schreien, die man niemals sagen würde, würde man die Person von Angesicht zu Angesicht sprechen.“

In der sehr umkämpften Western Conference sind nahezu alle Play-off-Plätze noch zu vergeben. Ein Duell der OKC Thunder mit den Utah Jazz ist zumindest noch nicht ausgeschlossen – es wäre eine spannende Rückkehr von Westbrook und Co. und ein erster ernsthafter Test, ob man in Salt Lake City aus den jüngsten Ereignissen seine Lehren zog. Die Spieler schließen ihre Reihen – und sollte der NBA etwas an der Fannähe ihrer Spieler liegen, scheint sie gut beraten, Westbrook und Co. vor rassistischen Beleidigungen besser zu schützen.

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