US-Präsident Barack Obama ist einer von zahlreichen Staatsführern, die in Jerusalem den letzten Weg von Peres begleiten. Foto: dpa

Schimon Peres hat sie alle noch einmal zusammengebracht: Die Mächtigen der Welt gedachten seiner Vision eines friedlichen Zusammenlebens von Israelis und Palästinensern. Könnte sein Begräbnis vielleicht sogar ein neuer Anstoß sein?

Stuttgart - Schimon Peres hätte seine eigene Trauerfeier gefallen. Posthum hat Israels früherer Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger, der am Mittwoch an den Folgen eines Schlaganfalls starb, den illustren Club der jetzigen und ehemals Mächtigen dieser Welt noch einmal zusammengebracht. In fünfzig Sondermaschinen flogen sie zu seinem Staatsbegräbnis am Freitag auf dem Jerusalemer Herzlberg an, voran US-Präsident Barack Obama in der Air Force One.

Näher hatte es ein noch seltenerer Gast in Israel, der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, der aus Ramallah anreiste, um Peres, seinem Friedenspartner von einst, die letzte Ehre zu erweisen.   Was diverse Vermittler seit langem vergeblich versuchen, machte die Trauerfeier für Israels Elder Statesman möglich: eine Begegnung mit Handschlag zwischen Abbas und Benjamin Netanjahu. „Lange nicht gesehen“, gaben Umstehende die Begrüßungsworte des Palästinenserführers wider, dem auf Wunsch der Peres-Familie ein Platz in der ersten Reihe zugewiesen wurde. Er schätze sein Kommen auch im Namen des israelischen Volkes sehr, versicherte ihm der israelische Premier.

„Wir müssen dieses Haus in zwei Wohnungen teilen“

Obama lobte später die Anwesenheit von Abbas als „Friedensgeste“. Ob sie den Weg zu einem Spitzentreffen ebnet – erstmals wieder nach sechs Jahren –, bleibt abzuwarten. Ein Verhandlungsneustart braucht neben gutem Willen Substanz in der Sache. Allerdings ließen sich weder Obama noch sein Amtsvorvorgänger Bill Clinton die Gelegenheit entgehen, das Thema Friedensprozess auf die Tagesordnung zu setzen. Peres‘ Bemühen darum sei „niemals naiv“ gewesen, betonte Obama und zitierte den Verstorbenen: „Das jüdische Volk ist nicht dazu bestimmt, über ein anderes Volk zu herrschen.“ Peres habe verstanden, dass Israels Sicherheit von Frieden mit den Nachbarn abhänge. Auch der israelische Schriftsteller Amos Oz erinnerte an Peres’ unerfülltes Vermächtnis. „Frieden ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Es gibt keine andere Wahl, als dieses Haus in zwei Wohnungen zu teilen.“

Eine Bitte um Vergebung

Netanjahu, der ihn als „einen unserer größten Führer“ pries, kann damit leben. Trotz gegensätzlicher Meinungen seien er und Peres Freunde geworden. Vergessen sind Vorwürfe wie „Verräter“, denen Peres als Architekt der Osloer Friedensabkommen ausgesetzt war, in der linken Opposition indes nicht. Doch Vertreter der Arbeitspartei, der Peres jahrelang vorstand, kamen auf Betreiben der rechtsnationalen Kulturministerin Miri Regev nicht zu Wort.

Umso bemerkenswerter, dass Staatspräsident Reuven Rivlin seine Traueransprache mit der Bitte um Vergebung beendete: Es  habe Zeiten gegeben, in denen ideologische Gegner Peres’ mit ihren Angriffen „die roten Linien in Wort und Tat überschritten haben“. Auch diese Entschuldigung vor großem Publikum hätte Peres, der erst im hohen Alter zum „Vater der Nation“ aufstieg,  sicherlich gefallen.

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