Karl Schenk, Irene Armbruster, Birgit Gruber, Mehmet Soylu und Susann Tonne (v.l.) überplanen bei Wasser und Wein das Weilimdorfer Walz-Areal. Foto: Martin Braun

In Weilimdorf und Feuerbach haben sich Teilnehmer des städtischen Projekts „Salz & Suppe“ Gedanken um das künftige Zusammenleben in Stuttgart. Statt einer Vision haben sie gleich ganz konkrete Pläne für das Walz-Areal in Weilimdorf entwickelt – mit Repaircafé, Hochbeete und Ateliers

Weilimdorf - Ein Mittwochabend in Weilimdorf: Karl Schenk serviert seinen Gästen, vier Menschen, die er vor wenigen Wochen noch nicht kannte, Gemüsesuppe und Couscous. Zum Dessert wird es Mangosorbet und Fruchtsalat geben. Zuvor sitzen die Fünf aber noch bei Wein und Sprudel auf der Schenk’schen Terrasse und schmieden Pläne darüber, wie das Walz-Areal an der Solitudestraße entwickelt werden könnte.

Die Weilimdorfer Karl Schenk und Susann Tonne sowie Birgit Gruber und Mehmet Soylu aus Feuerbach sind Teilnehmer des Projekts „Salz & Suppe“. Irene Armbruster ist die ehrenamtliche Moderatorin der Gruppe. Sie hält den Kontakt zu den Mitarbeitern des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung, die das Projekt initiiert haben. Mit dem Ziel, eine neue Gesprächskultur über gesellschaftliche und räumliche Grenzen hinweg zu fördern, wurden aus den mehr als 280 Stuttgartern, die sich für eine Teilnahme beworben hatten, neun übers Stadtgebiet verteilte Gruppen gebildet. Diese haben in den vergangenen Wochen zusammen gekocht, gegessen und sich Gedanken über Themen wie Integration und Zuwanderung, bezahlbaren Wohnraum, Zusammenleben von Jung und Alt oder öffentlichen Nahverkehr gemacht.

Das Walz-Areal liegt seit Jahren brach

„Beim ersten Treffen haben wir darüber gesprochen, welche Themen uns wichtig sind“, erzählt Mehmet Soylu. Dann hätten sie überlegt, welche Visionen man dafür entwickeln könne, ergänzt Susann Tonne, die in einem Bungalow auf dem Walz-Areal lebt. Nachdem sie ihren Mitstreitern von dem seit Jahren brach liegenden ehemaligen Gärtnereigelände in Weilimdorf erzählt hatte, sei ziemlich schnell klar gewesen, dass sich das Grundstück an der Solitudestraße anbiete, um Themen wie die Integration geflüchteter Menschen oder generationenübergreifendes Wohnen umzusetzen, sagt Birgit Gruber.

„Warum soll man eine Vision äußern, wenn man schon ein konkretes Projekt hat, das anlaufen könnte?“, meint Karl Schenk. Bei ihm auf der Terrasse tüftelt die Gruppe gerade an der Präsentation dessen, was sie bei den vorherigen drei Treffen erarbeitet hat. Vorgestellt wird das Ganze dann bei der Abschlussveranstaltung des Projekts am 14. Juli im Club Zollamt in Bad Cannstatt. Dafür hat Susann Tonne einen großen Grundriss des Walz-Areals mitgebracht, auf dem die fünf nun die verschiedenen Bereiche einzeichnen, die sie sich überlegt haben: Offene Werkstätten, Hochbeete, Ateliers, ein Café und noch einiges mehr. „Ideen haben wir genug. Das Problem ist nur, dass das Grundstück noch nicht der Stadt gehört", sagt Schenk und lacht. Und so hält Moderatorin Armbruster nicht nur viele Ideen fest, sondern auch einen konkreten Wunsch: Dass die Stadt das Gelände kauft.

„Ich habe mich vom ersten Moment an richtig wohl gefühlt in der Gruppe“, sagt Birgit Gruber, die am ersten Abend im Treffpunkt Pfaffenäcker Gemüsesuppe gekocht hat. Mehmet Soylu hat beim zweiten Mal im Deutsch-Türkischen Forum gefüllte Paprika kredenzt. Danach traf sich die Gruppe auf dem Walz-Areal, wo der Ort, an dem die Ideen Realität werden sollen, in Augenschein genommen werden konnte. Und nun, nach dem vierten Treffen, ist die Gruppenphase des Projekts eigentlich zu Ende. Doch auch nachdem die Pläne zusammengerollt und die Stifte weggepackt sind, ist auf der Schenk’schen Terrasse noch lange nicht Feierabend.

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