Das Kinderhaus steht kurz vor der Fertigstellung. Alles in allem hat das Projekt rund 3,5 Millionen Euro gekostet. Foto: Christian Kempf

Wie geplant können die ersten Mädchen und Jungs das neue Kinderhaus in der Kernerstraße in diesem Sommer in Beschlag nehmen.

Marbach - Die Corona-Krise hat so manchen Zeitplan auf den Baustellen im Land durcheinandergewirbelt. Vor allem, weil die weltweiten Lieferketten gekappt wurden oder ins Stocken geraten waren und der Nachschub an Material hier und da nicht mehr gewährleistet war. Fast keine Auswirkungen hatte die Pandemie hingegen auf die Arbeiten am neuen Marbacher Kinderhaus in der Kernerstraße, wie Markus Kaiser vom Stadtbauamt am Donnerstag bei einem Vor-Ort-Termin des Ausschusses für Umwelt und Technik erläuterte. Somit gelang bei dem Projekt eine zeitliche Punktlandung: Wie geplant können die ersten Mädchen und Jungs das Gebäude in diesem Sommer in Beschlag nehmen – womit sich die Kommune Luft in Sachen Betreuungsplätze verschafft, die zuletzt Mangelware waren.

Der Bezug wird in zwei Phasen erfolgen. Los geht es im Erdgeschoss, wo die beiden Kindergartengruppen angesiedelt sind. „Hier werden wir am 22. Juni beginnen, die Möbel kommen am 17. Juni“, kündigte die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik an. In der oberen Etage, die man über eine breite, grüne Treppe erreichen kann, werden die unter Dreijährigen in ebenfalls zwei Gruppen betreut. Der Startschuss für die Krippenkids soll am 1. Oktober fallen, sagte Franziska Wunschik an. Die Erste Beigeordnete hatte auch schon Informationen zu den Öffnungszeiten mit im Gepäck. Demnach haben die Eltern im Kindergartenbereich die Wahl, ob sie ihren Nachwuchs zwischen 7.30 und 13.30 Uhr in die Obhut der Erzieherinnen geben wollen oder ob sie die Kids um 7.30 Uhr bringen und um 15.30 Uhr wieder abholen wollen.

Einen Großteil des Personals hat man schon

Die Krippe wird zwischen 7.30 und 14 Uhr ihre Pforten öffnen. Barbara Eßlinger von den Grünen wollte in dem Zusammenhang wissen, ob nicht auch eine Ganztagesbetreuung ins Portfolio aufgenommen werden könnte. „Das kommt immer auf die personelle Situation an“, erwiderte Wunschik. Sie erinnerte daran, dass der Arbeitsmarkt leer gefegt ist und sich Erzieherinnen mehr oder weniger eine Stelle aussuchen könnten. Und die mit der Ganztagsbetreuung verbundenen Zeiten im Job seien oftmals nicht so attraktiv für Interessenten. Dazu kommt, dass auch schon bei den derzeit anvisierten Öffnungsangeboten bislang nicht alle Positionen besetzt werden konnten. Sowohl für die Kindergarten- als auch für die Krippengruppen brauche man weitere Kräfte, sagte Wunschik. Ein Großteil des benötigten Personals hat man freilich zusammen. „Wir sind guter Dinge, dass wir die restlichen offenen Stellen jetzt auch zeitnah besetzt bekommen“, erklärte sie.

Kinderhaus ist ein architektonischer Hingucker

Als gutes Argument für eine Bewerbung kann die Stadt den Arbeitsplatz selbst ins Feld führen: Das von Markus Kaiser entworfene und von der Affalterbacher Firma Rikker gebaute Kinderhaus ist nämlich ein farbenfroher, architektonischer Hingucker geworden. Eine Besonderheit sind beispielsweise die teilweise runden Wände, die eine Abwechslung fürs Auge bringen und dazu noch funktional sind. „Das haben wir nicht aus Jux und Tollerei gemacht“, betonte Kaiser. Auf diesem Weg habe man das anspruchsvolle Raumprogramm unterbringen können. Andernfalls hätte man mit einer verschachtelten Bauweise operieren müssen. Ein Highlight ist auch die mit schönen Holzbalken durchzogene schräge Glasfassade im Obergeschoss, durch die man bis zum Kirchenweinberg blicken kann.

Im Hinblick auf die Ökobilanz des Gebäudes hat man ebenfalls auf hohe Standards gesetzt. Die Hülle sei so gedämmt, dass man die Vorgaben der Energieeinsparverordnung um 30 Prozent unterschreite, betonte Kaiser. Beheizt werde das Haus mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe in Verbindung mit einem Erdwärmekollektor, der im Garten vergraben wurde. Im Sommer können die Räume über das System gekühlt werden. Unterstützt werde das Ganze von einer Fotovoltaikanlage. „Wir werden circa zwei Drittel der Energie, die wir für das Gebäude brauchen, mit Energie betreiben, die wir auf dem Grundstück selbst gewinnen“, fasste Kaiser zusammen. Außerdem ist das Haus in beiden Geschossen über Rampen sowie eine Brücke barrierefrei zu erreichen. „Das ist alles sehr gelungen“, resümierte Bürgermeister Jan Trost.

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