In der Nähe von Würzburg hat ein Mann in einem Regionalzug Reisende angegriffen. Foto: dpa

Mit Axt und Messer bewaffnet geht ein Jugendlicher aus Afghanistan auf Fahrgäste in einem Regionalzug in Unterfranken los. Vier Menschen werden schwer verletzt, der Angreifer von der Polizei getötet. Die Hintergründe liegen noch im Dunkeln.

Würzburg - Nach der Axt- und Messerattacke in einem Zug im bayerischen Würzburg haben die Ermittler nach Angaben der Landesregierung bei dem 17-jährigen Angreifer eine Flagge der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Bei der Durchsuchung seines Zimmers sei „eine handgemalte IS-Flagge gefunden worden“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Nach der Messerattacke eines 17-jährigen Afghanen auf Zugreisende in Bayern prüfen die Ermittler einen islamistischen Hintergrund. „Es gibt eine Aussage, dass er, kurz bevor er von der Polizei erschossen wurde, einen islamischen Ausruf gemacht haben soll“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am frühen Dienstagmorgen. Dies sei aber noch keineswegs erwiesen.

Opfer aus Hongkong

Vier Verletzte der Axt- und Messerattacke stammen aus Hongkong. Das bestätigte der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying am Dienstag. Er verurteilte den Angriff und sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Vier Menschen seien verletzt worden. Repräsentanten der Hongkonger Wirtschaftsvertretung in Berlin besuchten die Opfer im Krankenhaus in Würzburg.

Es handele sich um eine Familie und einen Freund, berichtete die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ unter Hinweis auf die Behörden in der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Die vier Verletzten seien der Vater (62) und die Mutter (58) einer Tochter (27) und deren Freund (31) gewesen.

Der Vater und der Freund hätten versucht, die anderen Mitglieder in der Gruppe vor dem Angreifer zu schützen. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davon gekommen, so das Blatt. Ob es Touristen waren oder warum sie in Bayern reisten, war noch unklar.

Landeskriminalamt ermittelt

Das bayerische Landeskriminalamt (LKA) hat die Ermittlungen übernommen. LKA-Beamte waren am frühen Dienstagmorgen in Würzburg, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken.

Bei dem Täter handelt es sich nach ersten Erkenntnissen um einen Flüchtling aus Afghanistan, der ohne Eltern nach Deutschland gekommen war. Der 17-Jährige war am Montagabend mit Axt und Messer auf Fahrgäste in einem Regionalzug bei Würzburg-Heidingsfeld losgegangen. Vier Menschen wurden schwer verletzt, ein weiterer leicht, wie das Polizeipräsidium Unterfranken und die Staatsanwaltschaft Würzburg in der Nacht zum Dienstag mitteilten. Noch mindestens zwei Menschen schweben laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Lebensgefahr. 14 Menschen erlitten einen Schock. Der Angreifer wurde von der Polizei auf der Flucht erschossen.

Kurz vor dem Ziel schlug der Angreifer los

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Er war kurz vor dem Ziel, als der Angreifer losschlug. Als der Zug per Notbremse stoppte, sprang er aus dem Zug und flüchtete.

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, berichtete Herrmann. Als der Jugendliche dann auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet. Der Angreifer wurde mit mehreren Schüssen getötet.

Der Angreifer in einem Regionalzug bei Würzburg war nach Angaben der Ermittler ein Einzeltäter. „Er war (...) allein in dem Zug. Er hat allein die Taten begangen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstagmorgen im ZDF-„Morgenmagazin“. Der 17-Jährige habe seit einiger Zeit im Landkreis Würzburg gelebt, in einer Einrichtung in Ochsenfurt. Zuletzt habe er bei einer Pflegefamilie gewohnt.

Hintergründe der Tat sind unklar

Der bayerische Innenminister betonte, die Hintergründe der Tat seien noch unklar. „Was hat er in den letzten Tagen und Wochen unternommen, was ist aus seinem Umfeld bekannt, was findet sich in seinem Zimmer - das muss genau ermittelt werden, damit man sich ein Bild machen kann.“

Man wisse nicht, welche Pläne der Täter auf seiner Flucht noch verfolgt habe. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er noch weitere Menschen attackiert hätte. Deshalb sei es „gut und richtig“, dass die Polizei mit ihrem Vorgehen „weitere schreckliche Taten“ ausgeschlossen habe, sagte Herrmann.

Wegen des Polizeieinsatzes sperrte die Deutsche Bahn am Montagabend die Strecke zwischen Ochsenfurt und Würzburg. Auf die Frage nach weiteren Gefahren in der Region sagte Herrmann, er gehe davon aus, dass die Gefahr vorbei sei. Die Menschen in Bayern könnten Dienstagfrüh sicher Züge besteigen.

Der Fall erinnert an eine Messerattacke vor gut zwei Monaten in einer S-Bahn in Grafing nahe München, als ein Mann einen 56 Jahre alten Fahrgast getötet hatte. Drei weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der 27-jährige mutmaßliche Täter hatte nach seiner Festnahme wirre Angaben gemacht und war deswegen vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Nach einer ersten Einschätzung war der Mann aus dem hessischen Grünberg bei Gießen schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig.

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