Foto: Groner

Betlehem ist einmalig - und wiederum nicht. Weltweit tragen gut ein Dutzend Orte und Ortsteile diesen berühmten Namen. Eines dieser Bethlehems befindet sich in Baden-Württemberg.

Bethlehem - Betlehem ist einmalig - und wiederum nicht. Weltweit tragen gut ein Dutzend Orte und Ortsteile diesen berühmten Namen. Eines dieser Bethlehems befindet sich ganz in der Nähe - bei Pfullendorf in Baden-Württemberg.

Idyllisch am Waldrand gelegen liegt nicht weit von Gaisweiler bei Pfullendorf ein kleiner Ort mit zwei Wohnhäusern, und dieser winzige Flecken trägt den biblischen Namen Bethlehem. Wer als Fremder diese abgelegene Gegend besucht, fragt sich unwillkürlich, wie dieser Weiler wohl zu einem so berühmten Namen kommen kann.

Das Ehepaar Schweikart wohnt in einem der beiden Häuser. Sie, beide über 70 Jahre alt, leben gerne in dieser Einsamkeit. Stefan Schweikart erlernte nach dem Zweiten Weltkrieg in Pfullendorf den Beruf des Rechen- und Gabelmachers.

Das ist jetzt etwa 60 Jahre her. Er lernte das in einer Zeit, in der man für die manuelle Arbeit auf dem Bauernhof solche Gerätschaften benötigte. Mit der Umstellung auf landwirtschaftliche Maschinen starb dieser Beruf nahezu aus, und Stefan Schweikart wurde zum Drechsler ausgebildet.

Heute wohnen er und seine Frau Maria, die aus dem "Elsåheisle" bei Sankt Märgen im Schwarzwald stammt, als Ruheständler bescheiden, aber glücklich in ihrer kleinen Wohnung. Und wer den Weg nach Bethlehem bei Pfullendorf findet, bekommt von den beiden bereitwillig Auskunft über die Herkunft dieses Namens - wie im Folgenden beschrieben ist.

Vor etwa 200 Jahren, so berichtet das Ehepaar Schweikart, schickte der Zimmermann Plepp von der benachbarten Gemeinde Wald täglich zwei Holzfäller, den Jakob Müller und den Paul Thalmann, in den etwa drei Kilometer entfernten Wald bei Reischach: Im Winter mussten die beiden Bäume fällen, in den Sommermonaten die Stämme zu Balken behauen. Jeden Abend kehrten sie müde von der schweren Arbeit in ihr Heimatdorf zurück. Eines Tages kam dem einen der Gedanke, am Waldrand ein Haus zu bauen, um sich den täglichen Marsch vom Dorf zum Wald und wieder zurück zu ersparen. Die Idee wurde alsbald realisiert, wobei auch ein Stall mit eingebaut wurde. Als beim Einzug in das Haus einer der beiden auch seine Frau mitbrachte, schlief das Ehepaar in der Kammer über dem Stall, da dieser Raum von der Stallwärme profitierte. Die Frau ärgerte sich aber jede Nacht über den Lärm, den die Kühe in dem Stall machten, und soll zu ihrem Mann gesagt haben: "Dess isch jò wiå enn Betlehem."

Das Gewann, auf dem dieses Haus erbaut wurde, gehörte seit jeher der früheren Zisterzienserabtei Klosterwald. Die "Weißen Frauen von Klosterwald" hatten einen starken Einfluss auf das religiöse Leben und das christliche Brauchtum der Bewohner. Als der Holzfäller der Abtei gegenüber die Bitte äußerte, sein Haus aufgrund der Aussage seiner Frau "Bethlehem" nennen zu dürfen, waren die "Weißen Frauen" sofort bereit, diesen Namen zu akzeptieren. Die Pflege des Weihnachtsbrauchtums war den Nonnen allemal ein besonderes Anliegen.

Wie es in einer alten Quelle heißt, besuchten aus den Gemeinden und den Höfen der Umgebung viele Familien die großartigen Dreikönigs- und Herodesspiele der Zisterzienserabtei während der Weihnachtszeit. So kam den "Weißen Frauen" der Vorschlag des Holzfällers zur Namengebung seiner Wohnstätte gerade recht.

Damit aber noch nicht genug der biblischen Anleihen. Der Zugang von der Gemeinde Wald nach Bethlehem erhielt den den Namen "Eselsweg" und die benachbarte Anhöhe wurde "Ochsenbühl" genannt. Den Platz, an dem die Holzfäller die Stämme bearbeiteten und der nun auch ihr Wohnplatz war, hieß man Zimmerplatz, nicht zuletzt auch deshalb, weil Joseph, der Pflegevater des Jesuskindes, selbst Zimmermann war und Joseph als Schutzpatron der Zimmerleute gilt.

Damit waren die Wahrzeichen des Geburtsortes Christi in dem neuen Bethlehem miteingebracht. Wie es überliefert ist, brachten die Zimmerleute ihre Verehrung für den Schutzheiligen dadurch zum Ausdruck, dass sie eine Wiege bauten, die sie am Eingang zur Klosterkirche aufstellten und in der jedermann, wenn die Glocken an Weihnachten zum Gottesdienst riefen, das Christkind wiegen durfte. Dann sang man gemeinsam die vertrauten, schönen Weihnachtslieder und insbesondere das Lied "Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein ..."

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