Typisch fürs Albvorland sind die Hochstammwiesen. Die Bäume müssen von Hand abgeerntet werden und sind weniger ertragreich. Dafür punkten Äpfel und Co mit Aromen. Foto: Ines Rudel

Frühlingsgefühle garantiert eine Tour per Audioguide durch die blühenden Streuobstwiesen in Schlat – und auch eine prickelnde Erfrischung erwartet die Besucher.

Schlat - Pünktlich zum Frühlingsanfang bietet in Schlat die Manufaktur Jörg Geiger im Gasthof Lamm wieder Touren mit dem Audioguide durch die Streuobstwiesen an. So ausgerüstet können Besucher mit Blick auf die Schlater Hausberge gemütlich durch die Voralblandschaft spazieren und die ersten blühenden Frühlingsboten begrüßen. Begleitend dazu erklärt die Stimme aus dem Off an 59 Wegpunkten Wissenswertes rund um den nachhaltig extensiven Streuobstanbau, der Lebensraum für viele Tierarten bietet.

Ein Paradies für Vögel und wiederentdeckte, alte Obstsorten

Und schon geht es los: Raus mit dem geliehenen Tablet in der Hand. Zu Fuß vorbei an den zahlreichen Obstbaubetrieben in Richtung Grün. Hinein in eine Landschaft mit ständig wandelnden Farben, denn in diesen Wochen blühen immer wieder andere Obstbäume. Und zu den ersten gehören die früh blühenden Mostbirnen, für die die Hummeln die Bestäubung übernehmen.

Ein paar freundlich grüßende Jugendliche sind auch unterwegs – allerdings mit ihren motorisierten Zweirädern. Mit den letzten Häusern im Rücken, öffnet sich die Landschaft und macht den Weg frei für das frühlingsfrische Wiesenland. Noch ein paar Schritte und ein munter plätschernder Bach bietet seine Begleitung ins Life-plus-Gebiet an. Der Audioguide berichtet von Grauspecht, Rotkopfwürger und Steinkauz, allesamt gefährdete Vogelarten, die in diesen Streuobstwiesen im Life-plus-Gebiet zuhause sind. Vögel, die der Laie auf den ersten Blick sicher nicht gleich alle erkennt, aber immerhin sind auf dem Rundgang ein Buntspecht und ein paar Rotschwänzchen auf Futtersuche zu sehen.

Unter Federführung des Regierungspräsidiums sollen ihre Lebensräume verbessert und gesichert werden. In den vergangenen Jahren sind dafür 5,2 Millionen Euro investiert worden, zur Hälfte finanziert von der Europäischen Union. Das 450 Quadratkilometer große Life-plus-Gebiet erstreckt sich von Geislingen nach Reutlingen, ein weiterer, kleinerer Teil befindet sich im Remstal bei Schorndorf. Der Guide berichtet, dass in dieser größten zusammenhängenden Streuobstlandschaft Europas jedes Jahr Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen an schätzungsweise rund 1,5 Millionen Obstbäumen reifen.

Der Star ist die Champagner-Bratbirne

Und hier in Schlat sind das ganz besondere Sorten wie Bohn- und Hauxapfel, Gewürzluiken, Palmische Birne und Kirschen wie Schwarzer Schüttler oder Dollenseppl. Von den Hochstämmen müssen die nicht so ertragreiche Sorten von Hand geerntet werden und nicht alle eignen sich als Tafelobst, – manche werden zu Hochprozentigem gebrannt, andere zu Cider vergoren.

Der Star unter den alten Sorten, die auf bis zu 100 Jahre alten Baumriesen wachsen, ist die Champagnerbratbirne. Als der Gastronom Geiger vor Jahren die in Vergessenheit geratene Tradition der Vergärung zu Schaumwein wieder aufnahm, bekam er Ärger mit den französischen Weinbauern. Die Klage des Champagner-Verbands gegen die seiner Ansicht nach zu offensive Verwendung des markenrechtlich geschützten Begriffs Champagner führte zu einem salomonischen Urteil des Bundesgerichtshofs. Geiger darf seither den Namen der Obstsorte aufs Etikett drucken, ihn aber nicht in den Vordergrund rücken.

Der Namensstreit wurde vor Gericht entschieden

Die dank des Rechtsstreits wieder bekannt gewordene Birnensorte baut Geiger auf mehreren Hektar als Demonstrationsprojekt Champagnerbratbirne an, das von Slowfood Deutschland unterstützt wird. Und mit Gleichgesinnten gründete der Schlater den Verein zur Erhaltung und Förderung alter Obstsorten mit Sitz in Stuttgart, dem der Erhalt alter Wiesenobstsorten am Herzen liegt. Das erklärt der virtuelle Führer, während sich der Rundgang dem Höhepunkt nähert.

Vor einer Hütte laden Bank und Tisch zum Verweilen ein, und auf durstige Kehlen wartet ein gekühlter, alkoholfreier Prisecco, dem Rhabarber, Apfel, Rosen- und Apfelblüten zu einem erfrischenden Charakter verholfen haben. Gestärkt geht es am Wald entlang, und schon fällt der Blick auf den Hohenstaufen. Vorbei an noch mehr Streuobstwiesen, auf denen Schafe weiden, führt der Weg zurück ins Tal. Dort lädt ein Hofladen zum Verkosten seiner Äpfel ein. Deren Aromen in der Einkaufstüte erinnern lange an den Schlater Ausflug.

Der Blüten-Ticker, weiß, wo es gerade am schönsten ist

Wie steht es um die Kirsch- und die Apfelblüte? Wo blüht es schon im Albvorland? Mit dem Blüten-Ticker des Schwäbischen Streuobstparadieses lässt es sich ins duftende Blütemeer eintauchen. Zu den ersten Frühlingsboten zählen die Kornelkirsche und die Kirschpflaume, die jetzt auch in Schlat blühen. Und die Apfel- und Birnbäume knospen bereits.

http://stzlinx.de/blueten

An manchen Sonntagen führt der Manufakturchef Jörg Geiger durch die Streuobstwiesen, eine Getränkeverkostung und ein schwäbisches Tapasbüfett gehören dazu. Wer sich auf eigene Faust umsehen möchte, kann ein individuelles Programm buchen, zum Beispiel einen Picknickkorb ab vier Personen.

Adresse:
Manufaktur Jörg Geiger, Eschenbacher Str. 1b, 73114 Schlat, Telefon 07161/9 99 02 22.

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gastronomie-im-kreis-goeppingen-in-sorge-feiern-nur-noch-auf-bestellung.80f9ae94-4c96-4028-89ae-34f8c89162bc.html

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