Die Chemiedirektorin Nadja Bauer tritt an diesem Montag die Nachfolge von Volker Renz als Leiterin des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart an.
Kaum einer der Beschäftigten am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart dürfte so einen kurzen Weg zur Arbeit haben wie die neue Chefin. Nadja Bauer wohnt nur einen Steinwurf entfernt von dem in der Schaflandstraße direkt am Fellbacher Bahnhof beheimateten Amt, das sich der Lebensmittelsicherheit, dem Verbraucherschutz und der Tiergesundheit verschrieben hat.
An diesem Montag übernimmt die 50-Jährige die Amtsleitung von ihrem Vorgänger Volker Renz. Zu dem Festakt werden neben Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull auch die Staatssekretärin im Stuttgarter Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), Sabine Kurtz, erwartet.
Festvortrag über die Entwicklung des Verbraucherschutzes
Den Festvortrag über die Entwicklung des Verbraucherschutzes hält die für Markt und Ernährung zuständige Abteilungsleiterin im MLR, Petra Mock, eine ehemalige CVUA-Mitarbeiterin.
Volker Renz hat das Amt mit rund 240 Mitarbeitenden mehr als sieben Jahre in veränderungsträchtigen Zeiten geführt. „Das Heftigste war sicher die Coronakrise“, sagt der 66-Jährige. Aus dem Stand musste ein Corona-Testlabor aufgebaut und dabei allerlei bürokratische Hürden genommen werden. Allerdings konnten die Mitarbeitenden von Renz auf umfangreiche Vorerfahrung zurückgreifen: „Massentest sind wir ja aus der Tierseuchen-Diagnostik gewöhnt.“
Hochkomplexe Labortechnik
Innerhalb kürzester Zeit mussten auch die Abläufe in dem von hochkomplexer Labortechnik geprägten Untersuchungsamt verändert werden. Homeoffice war bis dahin praktisch nicht existent. Nach wie vor können aus nahe liegenden Gründen Sektionen von Tierkörpern oder die Untersuchungen von Gemüseproben nur vor Ort in der Schafladstraße erfolgen. Immerhin sind die Sachverständigen inzwischen für das mobile Arbeiten technisch ausgestattet.
Aber auch Tierseuchen beschäftigten die Mitarbeitenden des promovierten Tierarzts. Parallel zu der schon seit vielen Jahren immer wieder verstärkt auftauchenden Vogelgrippe verstärkt sich weiterhin die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest, die für Erzeugerbetriebe eine Existenzbedrohung darstellen kann.
Bereits 2017 hatte sich das Fellbacher CVUA mit einer groß angelegten Übung auf den Massenanfall von Untersuchungsproben vorbereitet. Offenbar in weiser Voraussicht, denn obwohl Baden-Württemberg von einem massiven Befall wie beispielsweise in Hessen bislang verschont geblieben ist, wurde auch im Südwesten bereits ein an der Tierseuche verendetes Schwein identifiziert. Zuletzt kam im Norden der Republik noch ein – inzwischen erfreulicherweise eingedämmter – Ausbruch der Maul- und Klauenseuche hinzu.
Dank einer Umstrukturierung im CVUA von vielen kleinen Diagnostik-Laboren hin zu nur noch zwei größeren und damit bei personellen Ausfällen flexibleren Bereichen, konnten auch diese Herausforderungen gemeistert werden.
Mit Nadja Bauer, die an den Universitäten Stuttgart und Hohenheim Lebensmittelchemie studiert hat, tritt ein bestens vernetztes Eigengewächs die Nachfolge von Volker Renz an. Bereits 2001 war sie im Anschluss an ihren Studienabschluss als Praktikantin am CVUA tätig. Nach der Staatsprüfung als Lebensmittelchemikerin war sie ab 2002 Leiterin im Rückstandslabor.
Zuletzt Leiterin der Abteilung Getränke
Zuletzt war die gebürtige Langenargenerin Leiterin der Abteilung Getränke. Anders als der Name vermuten lässt, umfasste ihre Zuständigkeit nicht nur Wasser und Wein, sondern beispielsweise auch das Zentrallabor für Obst-, Gemüse- und Pilzerzeugnisse. Mehrfach war die Mutter zweier Kinder an das MLR und andere Ministerien abgeordnet. Eine kurze Hospitation führte sie im kürzlich auch zu den Stadtwerken Fellbach.
Bedeutsam für den Aufbau eines umfangreichen Netzwerks war ihre zweijährige Teilnahme am 27. Führungslehrgang der Führungsakademie Baden-Württemberg. Somit ist sie für die anstehenden Veränderungsprozesse im CVUA gut gerüstet.
Auch verunreinigte Dubai-Schokolade wurde schon untersucht
Trotz der angesichts zahlreicher Skandale wie verfälschtem Olivenöl oder verunreinigter Dubai-Schokolade wichtigen Aufgabe des Amts drohen Mittelkürzungen. „Ich sehe es als meine Herausforderung, auch mal ,Nein’ zu sagen“, erklärt Nadja Bauer. Da auch das CVUA vom Fachkräftemangel nicht verschont bleibt, will sie „eine Kultur des Vertrauens, der Unterstützung und der Anerkennung“ fördern.
Ihr Vorgänger bleibt dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt übrigens weiter verbunden – als Leadgitarrist der hauseigenen Rockband LabDaddies. Einmal pro Woche übt das Quintett im Keller des CVUA. „Ich hoffe, dass die neue Dienststellenleiterin das auch weiterhin erlaubt“, sagt Volker Renz lächelnd. Den Schlüssel für das Untergeschoss hat er allerdings abgegeben. Künftig öffnet ihm der Bassist und Pathologe Ingo Schwabe die Tür.