Marco Pisacreta ist voller Tatendrang bei seinen Mannschaftsplänen. Foto: Janine Beck

Eine geistige oder körperliche Behinderung soll künftig nicht mehr daran hindern, Mannschaftsfußball zu spielen. Dafür setzen sich ein junger Fußballfan aus Vaihingen und der TSV Musberg ein.

Musberg - Er strahlt über das ganze Gesicht und blickt erwartungsvoll auf das Fußballfeld. Das VfB-Emblem trägt er stolz auf dem Jackenärmel zur Schau. Das ist der 20-jährige Fußballfan Marco Pisacreta aus Vaihingen. Fußballfan kann jeder werden, ob Mann oder Frau, ob jung oder alt, ob behindert oder nicht. Beim Fußballspieler ist das schon schwieriger. Pisacreta möchte dies nun ändern.

Deshalb macht er sich für eine Mannschaft für Menschen mit Behinderung im Jugend- und Erwachsenenalter stark. Nach der Schulzeit gäbe es nämlich keine Behindertensportvereine im Umkreis mehr, sondern nur noch Werkstattangebote. In Baden-Württemberg sind beim Deutschen Fußballbund gerade einmal elf Handicap-Teams verzeichnet. Die nächste Inklusionsmannschaft ist in Tübingen, dann kommt Neckarsulm. Ihm ist daher eine langfristige Lösung wichtig.

Der Traum einer Inklusionsmannschaft

„Wir Behinderten leiden darunter, dass andere ihrem Sport und ihrem Hobby nachgehen können, zum Beispiel am Wochenende, und wir nicht teilhaben können,“ sagt Pisacreta. Mit dem TSV Musberg und dessen Abteilungsleiter Michael Hilbert hat er nun einen Partner gefunden, um seinen Traum einer Inklusionsmannschaft vor Ort umzusetzen. Dabei sei dieser Verein einer der einzigen gewesen, der sich zurückgemeldet hätte. Das ärgert auch Hilbert. Vom TSV Musberg stünden alle hinter dem Projekt. „Das ist eine Herzensangelegenheit des gesamten Vereins,“ sagt Hilbert. Er weiß, dass ein Fußballverein etwas Selbstverständliches für Menschen ohne Einschränkung ist, während der Plan einer Inklusionsmannschaft „wahre Glücksgefühle“ bei Menschen wie Pisacreta und deren Familienangehörige auslöse. „Eltern suchen Normalität für ihre Kinder,“ sagt er. Der Verein wolle den Menschen mit Einschränkungen eine Plattform geben, „sich mit Gesunden auszutauschen und zusammen Spaß am Fußball zu haben“.

In der Inklusionsmannschaft seien alle willkommen, also Frauen und Männer, Menschen mit und ohne Behinderung. „Die Mannschaft ist bestimmt anders als normale Mannschaften, aber die Hauptsache ist, Spaß zu haben,“ sagt Pisacreta. Auch die Anforderungen an die Trainer seien sicher andere, sagt Hilbert. Doch die Spieler sollen trotz gewisser Unterschiede zu normalen Mannschaften feste Mitglieder des TSV Musberg werden und Vereinstrikots erhalten. Das ist Hilbert und Pisacreta wichtig.

Das Umsetzen der Inklusionsmannschaft sei aber auch eine neue Herausforderung: „Es ist ein Stück Neuland für uns, wir werden sicher jeden Tag auch dazu lernen“, sagt Hilbert. Dabei möchte er lieber kleine Schritte gehen, die sitzen, als die Sache zu überstürzen.

Auch Spieler ohne Einschränkungen sind eingeladen

Der junge Vaihinger ging schon an viele Schulen und stellte seinen Plan vor. 17 Spieler hat er inzwischen zusammen, einer kommt sogar aus dem 45 Minuten entfernten Ebersbach. Außerdem sucht Pisacreta nach weiteren Sponsoren oder auch Sachspenden. Der Möbelhändler Hofmeister und die AOK Vaihingen unterstützen die künftige Inklusionsmannschaft bereits. Auch Hilbert freut sich über das Interesse der Sponsoren. „Die Leute sind bereit, dieses Projekt zu unterstützen.“

Das erste Training zum Kennenlernen findet am 9. April, 18 Uhr bis 19 Uhr, auf dem Musberger Fußballplatz statt. Dort wollen Pisacreta und die drei Trainer klären, wie belastbar die künftigen Spieler sind, und was sie bereits können. Jeden Montag wollen sie dann trainieren. Pisacreta hat bereits das erste Spiel gegen andere Inklusionsmannschaften vor Augen. Man merkt, wie aufgeregt er ist. Auch Hilbert findet die Idee gut, doch er möchte den Spielern auch Zeit zum Üben geben: „Wir wollen, dass die Spieler sich ohne Druck im Fußball entwickeln können. Aber gegen eine andere Mannschaft zu spielen, ist natürlich später eine tolle Sache für sie.“ Im Sommer wäre ein solches Spiel vorstellbar. Pisacreta selbst könnte wegen einer Operation nicht daran teilnehmen, will aber später in seiner neuen Inklusionsmannschaft „voll durchstarten“. Er träumt bereits von Pokalen und Titeln.

Erstes Training/Sponsoring Am 9. April können männliche und weibliche Fußballer mit Behinderung am Probetraining teilnehmen. Auch Menschen ohne Einschränkung sind willkommen. Beginn ist um 18 Uhr am Musberger Sportplatz am Turnerweg. Interessierte Fußballer und Sponsoren können sich bei Pisacreta unter marco-p.1@gmx.de oder beim TSV Musberg unter 07 11/7 54 71 17 (an)melden.

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