Behindertenparkplätze – wenn sie missbraucht werden, hat das in Parkhäusern keine Folgen. Foto: FACTUM-WEISE

Falschparker auf Behindertenstellplätzen in Stuttgart – alles halb so schlimm? In den Parkhäusern und Tiefgaragen fehlt ganz offensichtlich das Problembewusstsein, meint unser Polizeireporter Wolf-Dieter Obst.

Stuttgart - Manchmal nehmen es Autofahrer nicht so genau. Der Behindertenparkplatz zum Beispiel wird doch ohnehin kaum genutzt. Ist ja auch kaum geeignet. Und beschwert hat sich auch noch niemand. So gesehen ist die CDU-Stadträtin Iris Ripsam, die ihren Wagen vor drei Monaten in einer Tiefgarage ohne schlechtes Gewissen auf einem Behindertenparkplatz abstellte, keine Ausnahme. Der Platz sei ohnehin zu schmal, und es habe an diesem Tag auch keinen anderen freien Platz gegeben. Dafür hat sich die Stadträtin später entschuldigt.

Dass manche Autofahrer es beim Parken auf Sonderparkplätzen nicht so genau nehmen, liegt aber nicht nur an den Sündern selbst, sondern auch an den Parkhausbetreibern. Während im öffentlichen Raum 35 Euro und mitunter ein Abschlepphaken fällig werden, sind Behindertenparkplätze für private Garagenbetreiber offenbar nur eine lästige Pflicht. Für nahezu alle Betreiber reichen ein paar Pinselstriche, Kontrollen sind damit allerdings nicht verbunden. Kein Wunder, dass Parksünder wie die Stadträtin einen Freifahrschein haben.

Alles nur eine wirtschaftliche Frage?

Natürlich kann man sich auf wirtschaftliche Gründe berufen. Warum in Kontrollen investieren, wenn es sich scheinbar nicht um ein Massendelikt handelt? Man könnte aber auch, und das hat immerhin ein Parkhausbetreiber erkannt, den Servicegedanken hochhalten und sich ausgewiesenermaßen auch um ausreichend breite Parkplätze für Menschen mit Behinderung kümmern. Das Verhalten von Sündern und Betreibern offenbart aber eher eine bedenkliche gesellschaftliche Grundhaltung: Wenn Regelverstöße nicht sanktioniert werden, darf man sie übertreten. „Ich mach’ mir die Welt“, würde Pippi Langstrumpf sagen, „widdewidde wie sie mir gefällt.“ Wollen wir das wirklich?

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