Die Gäste nutzen den Frühstückstreff auch, um miteinander ins Gespräch. Foto: Werner Kuhnle

Einmal im Monat gibt es in dem neuen Marbacher Begegnungszentrum Treff Q Brötchen, Kaffee und mehr. Dahinter stecken gleich mehrere Ideen.

Ohne Anmeldung mit anderen frühstücken und miteinander ins Gespräch kommen, ohne dafür einen Cent auf den Tisch zu legen: Wo gibt es das heute noch? Im Treff Q, dem neuen Begegnungszentrum in der Marbacher Marktstraße, geht das problemlos, und zwar immer am zweiten Mittwoch eines Monats. Mit Ausnahme vom August – da werden auch im Treff Q Sommerferien gemacht.

Das zentrale Anliegen des Projekts: das gesellschaftliche Miteinander bereichern, Menschen verbinden und ganz nebenbei auch die Innenstadt beleben. Gestemmt wird dies alles von einem Verein. Für zwei Jahre ist Finanzierung erst einmal geregelt, für die Zeit danach bangen die Ehrenamtlichen schon heute. Unterstützt wird das Begegnungszentrum für den genannten Zeitraum aus dem Fördertopf „Quartiers-Impulse“ des Landes Baden Württemberg. Zwanzig Prozent hat die Stadt Marbach abgedeckt. Dies zeigt: Das Ziel, Menschen aus der Einsamkeit zu holen und sie generationenübergreifend durch gute Angebote zusammenzubringen, ist auch Absicht der Kommunalvertreter. Sie haben die Finanzierung per Gemeinderatsbeschluss abgesegnet. „Dass die Angebote im Treff Q komplett kostenlos sind, damit wirklich alle aus Marbach sich angesprochen fühlen können, ist uns wichtig“, betont dabei Andrea von Smercek, Ansprechpartnerin für das Ehrenamt.

Die Produkte stammen von Händlern aus der Nachbarschaft

Es ist ein fröhliches Kommen und Gehen an diesem Mittwoch, wobei die meisten Gäste viel Zeit mitgebracht haben, um Brötchen und Brezeln, Kaffee und Tee sowie das erfrischende Gespräch mit den Tischnachbarn zu genießen. Alle Produkte kommen von Händlern aus der Nachbarschaft.

Frauen aus dem Organisationsteam wie etwa Sabine Eink, Kerstin Münch oder auch Hanne Halfter geben dem Angebot Lebendigkeit und setzen es mit viel Tatkraft um. So kaufen sie für das Frühstück nicht nur ein, sondern gehen finanziell auch erst einmal in Vorleistung. „So ein Engagement finde ich begeisternd“, sagt Andrea von Smercek, die die Gäste willkommen heißt. „So nett empfangen zu werden, ist wohltuend“, konstatiert auch die Marbacherin Franca Nobili, die sich mit Bekannten getroffen hat. Alle sind zum ersten Mal hier. „Wir kennen uns noch aus der Trauergruppe und unternehmen mittwochs schon seit Jahren gemeinsame Sachen“, erzählt Nobili. Ihre Nachbarin, Afendra Kabour, sitzt ihr gegenüber. Die gebürtige Griechin besucht das Frühstücksangebot bereits zum zweiten Mal und fühlt sich wohl.

Allerdings verweist die kleine Gruppe auf die Lautstärke im Raum. Sie wünscht sich für die Zukunft statt einer langen Tafel kleinere Tischinseln. Der Hall im Raum ist tatsächlich etwas störend und der Geräuschpegel hoch. „Wir werden uns etwas überlegen müssen“, sagt Andrea von Smercek, die sich besonders über die kunterbunte Zusammensetzung der Frühstücksgäste und das „tolle Gemeinschaftsgefühl“ freut.

Ein Ehepaar bringt seine drei Enkelkinder mit

Auch das Ehepaar Birgit und Hans Martin Gündner, das auch bei der Vereinsgründung aktiv war, ist mit seinen drei Enkelkindern aus dem Senegal in den Treff Q gekommen, der übrigens eine Art Schwester der Quartiers-Initiative im Hörnle ist. Dort öffnet das Café Q im Christophorushaus, wo es inzwischen fest etabliert und äußerst beliebt ist, immer am Freitagnachmittag seine Pforten. Der fünfjährige Fallilou hat sich – wie seine beiden Schwestern Rahma und Mareem – Salami aufs Brötchen gelegt und lässt sich das Frühstück im Treff Q gut schmecken. Alle drei Kinder beantworten unbekümmert die Fragen neugieriger Zeitgenossen.

Tapfer bei der Kommunikation schlägt sich auch die Ukrainerin Mila Kaun. Gemälde von ihr – ausschließlich Porträts, die bei einem Kreativkurs entstanden sind – hängen an einer der Wand. Gibt es Verständigungsprobleme, hilft die Übersetzungsapp. Als „wandelndes Fossil“ bezeichnet sich der frühere Rektor der Hauptschule, Günter Klein. Beim Frühstücksgespräch mit ihm kann man an diesem Tag beispielsweise erfahren, dass er sich, nachdem er 1961 mit nur 21 Jahren als Lehrer nach Marbach gekommen war, dafür stark gemacht habe, dass die Schule einen Namen erhält, nämlich den von Tobias Maier. „Und zwar noch vor der Gründung des Tobias-Maier-Vereins“, wie Klein betonte.

Weitere Informationen unter www.q-marbach.de/kalender/