Walter Rupff in den Räumen seiner Tierbestattungsfirma in Remseck- Aldingen Foto:  

Seit 13 Jahren unterhält der Winnender Walter Rupff in Remseck-Aldingen ein Tierkrematorium. Sein Plan, im Herbst in Korb ein zweites zu eröffnen, trifft auf Bedenken in der Bevölkerung und im Gemeinderat auf ein gewisses Vorwahl-Interesse.

Korb - Die Firma Tieba Würdevolle Tierbestattung in Remseck-Aldingen (Landkreis Ludwigsburg) zu finden ist trotz Navi etwas vertrackt. „Sie haben das Ziel erreicht“, insistiert die Stimme, der Fahrer hält ratlos Ausschau nach etwas, das wie ein Krematorium aussieht. Bis das Firmenschild an der Einfahrt zu einem Gelände des Gewerbegebiets auffällt. Das Krematorium firmiert seit 2006 in einem Klinkergebäude, das garantiert älter als die Firma ist. Unauffälliger geht es kaum. „Wir haben, seit wir hier sind, keine Beschwerden bekommen“, versichert der Tieba-Eigentümer Walter Rupff.

Die Idee hinter seiner Firma ist der würdevolle Abschied von geliebten Haustieren. Zu Tieba kommen Menschen, die ihren Hund, die Katze oder den Wellensittich nicht in die Tierkörperbeseitigung geben wollen. „Wir verbrennen sie einzeln. Die Leute können vorher Abschied von ihrem Tier nehmen und warten, um die Asche gleich mitzunehmen“, sagt Rupff.

Von der kleinen Maus bis zum großen Hund

Der Winnender hat 1998 die Firma gegründet. Der Tierpräparator erlebte Menschen, die ihre geliebten Haustiere nicht würdelos entsorgen wollten, vom großen Hund bis zur kleinen Maus. „Hier fahren keine Lastwagen voller toter Tiere vor“, betont Rupff. Eine Vorstellung, wie sie zurzeit durch die Gemeinde Korb geistert, wo der Unternehmer im Herbst ein zweites Tierkrematorium eröffnen wird. „Es raucht auch nicht und stinkt nicht“, sagt Rupffs Tochter Daniela Seiz, die in Korb die Geschäfte führen wird. Ihr Bruder wird den technischen Teil übernehmen.

In Korb hat sich mittlerweile sogar eine Initiative gebildet, die das neue Tierkrematorium im Gewerbegebiet verhindern will. Diese besteht hauptsächlich aus Bewohnern des Gebiets um die Boschstraße, wo das Tierkrematorium im Herbst den Betrieb aufnehmen will. Das Genehmigungsverfahren läuft bereits. „Wir erfüllen alle notwendigen Auflagen.“

Kein Qualm, kein Gestank

Die Verbrennungsanlage wird von einer Spezialfirma gebaut, die auch für Krematorien auf Friedhöfen tätig ist. In dem Zweikammersystem wird nach dem eigentlichen Kremieren der dabei entstandene Rauch verbrannt. So dringt kein Qualm aus einem Schornstein, und auch Geruchsbelästigungen bleiben aus.

„Das wird durch das Immissionsschutzgesetz geregelt. In diesem Fall ist das Landratsamt zuständig, nicht die Gemeinde Korb“, betont der Bürgermeister Jochen Müller. Unterstellungen, man habe das Thema am Gemeinderat vorbei entscheiden wollen, weist er entschieden zurück. Außerdem wurde die Bevölkerung durch eine öffentliche Bekanntmachung im Amtsblatt unterrichtet.

Besucher sind jederzeit willkommen

Das hat die CDU und die Freien Wähler im Gemeinderat nicht davon abgehalten, einen Antrag zu stellen, „alle der Gemeinde Korb zur Verfügung stehende Möglichkeiten offensiv zu nutzen, das Tierkrematorium – Verbrennungsanlagen für Tierleichen – im Gewerbegebiet zu verhindern“. Ein Schelm, wer an die bevorstehende Kommunalwahl am Sonntag denkt.

Die Akzeptanz für ein Tierkrematorium sei in der Bevölkerung nicht vorhanden, meinen die Antragssteller. Tatsächlich sind Bedenken vorhanden. Auf Nachfrage hat sich aber keiner bei dem real existierenden Tierkrematorium ein Bild von der Sache gemacht. „Bis jetzt war noch niemand aus Korb hier“, sagt Walter Rupff. Wer sich umschauen wolle, könne jederzeit vorbeikommen. „Wer sicher sein will, dass der Chef da ist, sollte allerdings vorher anrufen“, sagt er.

Das einzige Tierkrematorium der Region

Auf der Suche nach einem zweiten Standort habe er sich bereits vor Jahren auf ein anderes Grundstück in Korb beworben. „Dazu haben wir uns im Gemeinderat vorgestellt.“ Den Zuschlag habe damals ein anderer bekommen.

Als das Tieba-Tierkrematorium 2006 eröffnet wurde, war es das erste in Baden-Württemberg, das vierte bundesweit. Mittlerweile gibt es sechs Tierkrematorien im Land. In der Region Stuttgart ist Tieba in Remseck-Aldingen das einzige.

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