Das bisherige Baumgräberfeld auf dem Kleinfeldfriedhof Fellbach – im Hintergrund der Schwabenlandtower. Foto: Dirk Herrmann

Die Nachfrage ist unverändert hoch. Das Grabfeld auf dem Fellbacher Kleinfeldfriedhof wird durch einen Staudenhügel strukturiert. Die Beisetzung der Urnen erfolgt in der Rasenfläche.

Ruhe in Frieden! Doch auch beim Bestattungswesen gibt es manche Trends und immer mal wieder, wenn auch kleine, Modifizierungen. Das bezieht sich etwa auf die Art der Beerdigung. Grundsätzlich gibt es zwei Bestattungsarten: die Erdbestattung und die mittlerweile immer beliebtere Feuerbestattung.

 

Die klassische Erdbestattung mit der Trauerfeier in der Friedhofskapelle und dem Sarg im Grab auf dem heimatlichen Friedhof kommt Erhebungen zufolge auf etwa 25 Prozent in Deutschland. Doch andere Formen der letzten Ruhestätte werden für immer mehr Menschen eine bessere Alternative, wie denn ihre letzte Ruhestätte ausgestaltet sein soll. Auch Kostengründe spielen dabei eine Rolle.

Die „Reerdigung“ als norddeutsches Pilotprojekt

Es gibt Urnenbeisetzungen auf dem Friedhof oder in einem Kolumbarium, Waldbestattungen in einem Friedwald oder Ruheforst, Seebestattungen im offenen Meer. Eine besondere, relativ neue und als umweltfreundlich titulierte Form, die ihre Pilotphase in Schleswig-Holstein erlebt, ist die Reerdigung. Dabei wird der Körper des oder der Verstorbenen in einem sogenannten Kokon innerhalb von 40 Tagen durch natürlich Mikroorganismen in fruchtbare Erde verwandelt, so die Erläuterungen in einem Ratgeber der Kreissparkassen über Bestattungsarten in Deutschland.

Für begräbnistechnische Laien eher kurios muten auch andere Formen für den Umgang mit den sterblichen Überreste an, etwa die Almwiesenbestattung oder die Diamantbestattung. Erstere geschieht größtenteils auf entsprechenden Grasflächen in der Schweiz, bei Letzterer, zumeist im Ausland praktiziert, wird die Asche zu Diamanten gepresst.

Nun, im vorderen Remstal gibt es womöglich schon ein paar Diamanten (die jedoch anders hergestellt sein dürften), allerdings keine Almwiesen oder ein Meer zur Ascheverstreuung. Aber es gibt Baumgräber – zum Beispiel auf Friedhöfen wie in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Und diese Gräber erfreuen sich derart großer Nachfrage, dass nun kräftig nachgerüstet werden muss.

Der Fellbacher Gemeinderat hat deshalb jüngst der Neuanlage in Form eines dritten Feldes mit insgesamt 450 Baumgräbern auf dem Kleinfeldfriedhof zugestimmt. Die Gesamtkosten hierfür in Höhe von 275.000 Euro will man trotz der miserablen Finanzlage in der Stadt stemmen, das positive Votum des Gremiums erfolgte einstimmig.

Der Kleinfeldfriedhof in der Wintersonne. Foto: Dirk Herrmann

Bereits vor einigen Jahren wurde das erste Baumgräberfeld auf dem Kleinfeldfriedhof angelegt, bestehend aus Bäumen mit Rasenfläche. 324 Gräber sind dort belegt. Es ist, wie es in den schriftlichen Erläuterungen des Fellbacher Tiefbauamts heißt, „in der Pflege und Bestattungsauslauf pflegearm, wurde jedoch als weniger ansprechend empfunden.“

Beim 2022 folgenden zweiten Feld wurde deshalb nachgebessert. Dieses Baumgräberfeld zeichnet sich durch die hügeligen Staudenpflanzungen mit Bäumen aus. Im Bestattungsablauf kommt es jedoch zu Problemen, beispielsweise müssen für jede Beisetzung die Stauden gerodet werden. Die Angehörigen wollen zur Urne laufen und die Bestatter legen teilweise Gummimatten in die Staudenflächen. Der Pflegeaufwand ist sehr groß, da die Bürger die Staudenflächen als „Grabschmuck“ sehen und daran den Pflegezustand messen. Es kam auch immer mehr zur Ablage von Grabschmuck/Dekorationen in die Staudenflächen.

Immerhin fand das Konzept für den zweiten Abschnitt trotz mancher Defizite so großen Anklang, dass zum Jahresende 2025 nahezu alle Grabstätten belegt waren. Deshalb war auch schon davor klar, dass Bedarf an weiteren Grabstätten besteht.

Der aktuelle Entwurf fürs dritte Grabfeld, erstellt durch das Büro Eurich & Gula, berücksichtigt die Bedenken. Darin werden das Grabfeld durch Staudenhügel strukturiert sowie kleinteilige Räume geschaffen. Die Beisetzung der Urnen erfolgt in der Rasenfläche. Einen zentralen Ort bildet der Kreis, an dem man sich versammeln kann.

Die Wegführung dorthin erfolgt diagonal mit abknickenden Wegen, die den Ansatz der kleinteiligeren Räume weiterverfolgen. Da die Flächen relativ groß sind, erfolgt eine weitere untergeordnete Erschließung durch Rasenschotterwege. Diese betten sich optisch in die Rasenflächen ein.

Insgesamt können etwa 450 Grabstätten geschaffen werden. Derzeit laufen trotz der Winterzeit erste Bauarbeiten. „Eine Bepflanzung kann dann im März 2026 erfolgen“, so Beatrix Pfotenhauer vom Tiefbauamt.

Gräber vor allem für Verstorbene aus Fellbach vorgesehen

Die Stadtverwaltung macht überdies ergänzende Angaben zur Vergabe der Baumgräber: Modifiziert werden soll demnach die gängige Praxis der Vergangenheit, wonach auch auswärtig Verstorbene auf den Friedhöfen in Fellbach bestattet werden können.

Aktuell erfolgt die Vergabe sämtlicher Bestattungsformen nach Auskunft der Stadt „wieder streng nach den Vorgaben der Friedhofssatzung. Die Erwerbe durch auswärtige Personen sind nur noch zulässig, wenn ein Bezug zu Fellbach besteht. Final soll darüber noch in diesen Tagen beim „Runden Tisch Friedhof“ in Fellbach abgestimmt werden.