Ein gefangener Tigerhai hängt an einem Boot vor der Küste Westaustraliens. (Symbolbild) Foto: dpa

Alarmierende Nachricht: In den meisten Korallenriffen leben fast keine Haie und andere große Raubfische mehr. Überfischung, Verschmutzung der Meere und der Klimawandel rauben ihnen die Lebensgrundlage.

Sydney - Haie gelten als Killermonster, Fressmaschinen und grausame Räuber. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 155 Hai-Attacken auf Menschen gemeldet, fünf davon endeten tödlich. Dass aber Haie durch die Verfolgung durch den Menschen vom Aussterben bedroht sind, taucht in solchen Statistiken nicht auf. Australische Meeresforscher haben jetzt einen alarmierenden Schwund von Haien und anderen großen Raubfischen in den tropischen Korallenriffen festgestellt.

Dramatischer Rückgang der Hai-Population

Der Biologe Joshua Cinner vom australischen Zentrum für Korallenriff-Forschung und sein Team haben für ihre Studie den Zustand von 1798 tropischen Riffen weltweit untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: Nur in einem Viertel der Riffe gibt es überhaupt noch Haie und andere Räuber.

„Top-Prädatoren haben wir nur noch in 28 Prozent der Riffe gefunden.“, erklärt Cinner. „Die Wahrscheinlichkeit, Top-Prädatoren in Riffen mit starkem menschlichen Einfluss zu begegnen, war nahe Null.“

Obwohl Korallenriffe unter besonderen Schutz stehen und die Fischerei dort verboten ist, stellten die Wissenschaftler einen dramatischen Rückgang an Artenvielfalt fest. Das gilt sowohl für Meeresschutzgebiete in abgelegenen Regionen als auch für Areale vor dicht besiedelten Küsten.

Keine intakten Riffe ohne Haie

Haie sind ein wichtiger Faktor für den Erhalt von Korallenriffen. Forscher der University of Western Australia in Perth veröffentlichten im Juli 2017 eine Studie, die belegt, dass die großen Raubfische eine Schlüsselrolle in dem Ökosystem spielen.

Demnach ernähren sich die Haie von kleineren Raubfischen, die ansonsten pflanzenfressende Riffbewohner fressen würden. Diese wiederum fressen Algen und schützen so vor allem junge Korallen davor, überwuchert zu werden. Den Forschern zufolge erholen sich Korallenriffe schneller, wenn es dort eine große Population an Haien gibt.

Der Mensch ist der größte Feind des Hais

Fischerei, Wasserverschmutzung und die vom Klimawandel begünstigte Korallenbleiche würden die Riffe und ihre Bewohner extrem belasteten, schreiben die Forscher in der aktuellen Studie, die im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschienen ist.

„Unsere Ergebnisse illustrieren einen entscheidenden Faktor für Meeresschutzgebiete“, sagt Cinner. Für die Fisch-Population könnten selbst Schutzgebiete in stark besiedelten Gebieten etwas bringen. „Doch die Präsenz der Top-Prädatoren hängt davon ab, wie stark der menschliche Einfluss in der gesamten umliegenden Meeresumwelt ist.“

Das Sterben der Haie

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO werden jährlich 700 000 bis 800 000 Tonnen Knorpelfische aus den Meeren geholt, das meiste davon als Beifang der industriellen Fangflotten. Rund 60 Prozent dieser 70 bis 100 Millionen Fische sind Haie, 40 Prozent Rochen.

Ganz oben auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Fische stehen der Tigerhai, der Hammerhai und Weiße Hai, den Steven Spielberg in „Jaws“ zum Inbegriff des maritimen Schreckens stilisierte.

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