Mountainbike-Trail in Albstadt: Hier hat sich der Sport zu einem bedeutenden Tourismusfaktor entwickelt. In Göppingen hingegen wird es vorerst keinen legalen Trail geben. Foto: /Stephan Boegli

Vier Jahre lang wurde diskutiert. Nach Bedenken von Jagdpächtern und Verantwortlichen des Naturkindergartens kommt der Trail am Hörnle bei Hohenstaufen nun doch nicht. Illegale Trails boomen hingegen.

Seit rund vier Jahren wird in Göppingen über einen legalen Trail für Mountainbiker diskutiert, Anfang November 2023 wurde den Stadträten im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) dann die von den Sportlern favorisierte Variante am Hörnle südlich von Hohenstaufen vorgestellt, es gab auch einen Besuch vor Ort. Die Begründung schien einleuchtend, jetzt schrieb die Verwaltung erneut in einer Vorlage für den AUT: „Aufgrund der dort bereits illegal vorhandenen Strecken, die teilweise für die legale und gesteuerte Befahrung genutzt werden sollen, erschien diese Variante als vielversprechend und wurde deshalb einer genaueren Prüfung unterzogen.“ Der Ausschuss trat dieser Tage zusammen und jetzt ist klar: Aus dieser Variante wird nichts, Alternativen gibt es kaum.

 

Schon 2021 und nochmals 2023 hatte es größere Besprechungsrunden zu dem Thema gegeben. Laut Stadtverwaltung wurden viele Interessengruppen am Verfahren beteiligt: ADFC, Deutsche Initiative Mountainbike, Trendsportclub Hohenstaufen, Forstamt Göppingen, Jagdgenossenschaft, Jagdpächter, Landratsamt, Landwirtschaftliche Ortobmänner, Nabu, Schwäbischer Albverein sowie städtische Dienststellen.

Störung der Wildtiere und Sorge um die Sicherheit der Kinder?

Jetzt sind allerdings zwei Schreiben von einem in dem Gebiet ansässigen Naturkindergarten sowie der Jagdpächter aufgetaucht, was im Rathaus zur Schlussfolgerung führte: „Diese negativen Stellungnahmen wiegen aus Sicht der Verwaltung so schwer, dass eine Streckenführung am Hörnle nicht mehr in Betracht kommt.“

So stelle der gesamte Bereich aus Sicht der Jagdpächter ein wichtiges Rückzugsgebiet für Wildtiere dar. Die Störung der Wildtiere durch einen solchen Trail wird als erheblich betrachtet, schreibt die Stadt in der Sitzungsvorlage. Im Naturkindergarten sorgt man sich hingegen um die Sicherheit der Kinder und das Wohl der Wildtiere sowie um eine Überstrapazierung der Natur. Eine Abstimmung war im Ausschuss nicht vorgesehen, die Mitglieder nahmen lediglich Kenntnis von der Entscheidung der Verwaltung.

Für die Mountainbiker ein Unding: „Das ist sehr schade jetzt, nur wegen Argumenten, die gar nicht geprüft worden sind“, bedauert Christoph Rogler, der nach eigenen Angaben für mehr als 50 Mountainbiker spricht, die sich beim Anlegen des Trails ehrenamtlich engagieren wollten. Dass man deshalb nun eine Entscheidung getroffen habe, findet er „schon hart“. In einem Schreiben ans Rathaus konstatiert er, dass er sich nicht erinnern könne, dass Jagdpächter oder Kindergartenvertreter bei einem Treffen je anwesend gewesen seien. Der 40-Jährige sieht in den Schreiben lediglich Vorurteile, Unterstellungen und Behauptungen. „Alles ist ohne Quellen, Studien, Erfahrungen. Frei nach dem Motto: Nein, wollen wir nicht! Weiter wird erneut Rücksichtslosigkeit unterstellt und alles über einen Kamm geschoren.“ Die Autoren der Briefe hätten sich mit der Thematik „kein bisschen professionell befasst“, ganz im Gegensatz zu den drei zuständigen Mitarbeitern im Rathaus, die Rogler namentlich anspricht, die „professionell arbeiten und versuchen, proaktiv Lösungen zu finden“.

Andere Kommunen in der Region sind wesentlich weiter

Andere Kommunen sind da laut Rogler weiter, legale Downhilltrails gibt es etwa in Schwäbisch Gmünd, Plüderhausen, Kirchheim, Lichtenwald oder Heubach: „Da, wo legalisiert wurde, zieht man die illegalen Fahrer von woanders ab.“ In Göppingen sei es doch seit Jahren ein Katz- und Mausspiel: „Jetzt gibt es schon wieder zwei neue Schanzen dort, sehr unprofessionell wahrscheinlich von vier oder fünf Kids gebaut.“ Der zuständige Mitarbeiter aus dem Rathaus habe bei einer Besprechung gesagt, die Stadt habe für Rückbauten der illegalen Trails bereits 100 000 Euro ausgegeben. Auch der Landesbetrieb Forst BW sieht Vorteile in einer Legalisierung bestimmter Trails.

Am Freitag hat schließlich auch Uwe Morghen, Sprecher der IG Stauferland in der Deutschen Initiative Mountainbike, eine lange E-Mail an die Zuständigen im Rathaus geschrieben. Er verweist auf diverse Studien. „Anstatt mit Vermutungen und Vorurteilen möchten wir mit Fakten und wissenschaftlichen Studien Klarheit schaffen.“ Er schreibt: „Wir hoffen nach wie vor auf ein Angebot für Mountainbiker, anstatt eines Verbots.“ Auch Rogler will nicht aufgeben: „Natürlich versuchen wir es weiter.“ Er betont, dass die Stadt nichts finanzieren müsste. Und das Hörnle sei eben das einzige aller untersuchten Gebiete, das vollständig in städtischer Hand sei.

Für die Stadt hingegen bleibt jetzt nur noch das Waldgebiet rund um die ehemalige Burg Zillenhart bei Ursenwang. Dieses werde nun geprüft, teilt die Pressestelle mit. Einen Zeitplan gibt es bislang nicht. In der Vorlage zur AUT-Sitzung wird den Freizeitsportlern vorgeschlagen, doch woanders hinzugehen: „Es gibt bereits diverse Mountainbiketrails in der näheren Umgebung, zum Beispiel in Eschenbach, Bad Boll, Ebersbach und Plüderhausen. Ebenso Mountainbike-Rundrouten (Löwentrails in Wiesensteig, Gruibingen und Geislingen). Diese können auch von den Göppinger Mountainbike-Fahrenden genutzt werden.“

Forst BW für legale Trails

Landesbetrieb
 Forst BW hat eine Mountainbike-Konzeption erstellt. Diese zielt auch darauf ab, die Erholungssuchenden zu lenken, schreibt Uwe Morghen von der Deutschen Initiative Mountainbike ans Rathaus.

Ruhezonen
„Wenn wir legale Trails anlegen und markieren, dann ist das Ziel, dass sich die Nutzung auf diese Trails konzentriert. Illegal entstandene Trails, die beispielsweise direkt durch den Einstand von seltenen Tierarten führen, sollen damit an Bedeutung verlieren. So etablieren wir gezielt Ruhezonen und bieten auf der anderen Seite ein spannendes Angebot für die Mountainbikerinnen und Mountainbiker“, zitiert er den Vorstand von Forst BW.