Solche Lärmschutzwälle wie an der A 8 bei Neuhausen könnten sich auch als Standorte für Fotovoltaikanlagen eignen. Foto: Peter-Michael Petsch

Ideen für Solarparks in Remshalden an der B 29 und an der A 8 bei Gruibingen - und viele Vorbehalte.

Remshalden/Gruibingen - Im Regierungspräsidium Stuttgart hat die Abteilung für den Straßenbau seit kurzem eine zusätzliche Aufgabe. Die Mitarbeiter um Hermann Klyeisen sind dafür zuständig, wenn es um die Energiegewinnung mittels Solaranlagen entlang von Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen geht. Obwohl es viele geeignete Flächen an den Verkehrswegen gibt, hatte die Abteilung bis jetzt wenig zu tun. Klyeisen weiß von Anlagen an der B 29 bei Aalen und an der Autobahn bei Weinsberg.

Die Zahl der Anfragen könnte allerdings steigen. Im Urlaub auf der Brennerautobahn ist der Remshaldener Bürgermeister Norbert Zeidler ebenfalls auf das Modell aus Lärmschutz und Energiegewinnung gestoßen. Lieber heute als morgen würde der Schultes die Idee in seiner Gemeinde entlang der B 29 verwirklichen. An der Autostrada in Südtirol fuhr Zeidler an Lärmschutzwänden mit einer Doppelfunktion vorbei. Weil die Lärmbarrikaden mit Solarpaneelen bestückt sind, sorgen sie nicht nur dafür, dass die Leute, die hinter den Wänden leben, vom Verkehrslärm geschützt sind, sondern dass sie auch Strom erzeugen. Auf Nachfrage hat Zeidler erfahren, dass die dortige Anlage fast 700.000 Kilowattstunden im Jahr produziert.

Remshalden und vor allem seine Ortsteile Grunbach, Geradstetten und Hebsack liegen an der stark befahrenen B 29. Die Zunahme des Verkehrs, aber auch die Bautätigkeit seit der Eröffnung des Streckenabschnitts in den siebziger Jahren haben dazu geführt, dass heute viele Remshaldener unter dem Verkehrslärm leiden. Die Forderungen nach mehr Lärmschutz entlang der Schnellstraße durchs Remstal wurden bis jetzt nicht erfüllt.

Die ganze Anlage könne über kommunale Stadtwerke und eine Energiegenossenschaft finanziert werden

Die in Südtirol entdeckte Kombination aus Lärmwall und Energiegewinnung lässt in Zeidler jedoch wieder die Hoffnung aufkeimen, dass es die Remshaldener in ­Zukunft etwas ruhiger haben können. In einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann versucht der Bürgermeister den Grünen-Politiker von dem urgrünen Projekt zu begeistern.

Zeidler appelliert dabei an den Sparwillen des Ministerpräsidenten und seiner grün-roten Regierung. Die ganze Anlage könne über kommunale Stadtwerke und eine Energiegenossenschaft finanziert werden. An der Genossenschaft, so Zeidler, sollen sich Bürger aus Remshalden beteiligen, die unter dem Verkehrslärm von der B 29 leiden. Einen Antwort auf seinen Brief hat Zeidler bis jetzt noch nicht erhalten.

Auf Antwort aus dem Landratsamt ­Göppingen auf einen im Juli gestellten Bauantrag wartet auch die Firma Valeto aus Wangen im Allgäu. Sie will die gegen Süden geneigte Seite der neuen Lärmschutzwälle entlang der Autobahn bei Gruibingen, Kreis Göppingen, für einen Solarpark nutzen. Sie benötigt etwas weniger als einen Hektar Fläche, um Solarpaneelen aufzustellen, die jährlich eine Million Kilowattstunden Strom erzeugen. Flächen wie Lärmschutzwälle sind für Investoren interessant, weil sie wie Dachflächen behandelt werden. Bei diesen ist die Einspeisevergütung mit 15,29 Cent (statt 12,84 Cent) höher als bei Anlagen auf dem Boden.

Mittlerweile weiß die Region, wie viele Flächen zur Verfügung stehen

Ob die Allgäuer an der Autobahn zum Zug kommen, liegt am Landratsamt in Göppingen. Diese Behörde stellt die Baugenehmigung aus. Falls sich die Göppinger dazu durchringen, setzen sie sich über das Votum des Gruibinger Gemeinderats hinweg. Der hat sich bei Stimmengleichheit gegen das Projekt ausgesprochen.

Der Verband Region Stuttgart beschäftigt sich bereits seit 2009 auf einen Antrag der Grünen hin mit dem Thema Energiegewinnung entlang der Verkehrswege. Mittlerweile weiß die Region, wie viele Flächen zur Verfügung stehen, und verweist Interessenten zur weiteren Prüfung an das Regierungspräsidium. Klyeisen beklagt in diesem Zusammenhang, dass das Bundesverkehrsministerium den seit langem angekündigten Behördenleitfaden für die Installation von Fotovoltaik-Anlagen an Verkehrswegen noch immer nicht auf den Weg gebracht hat.

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