Mit „The Lodge“ in Welzheim haben sich Marina Kaestel-Murdoch und Grant David Murdoch einen Lebenstraum erfüllt. Foto: /Gottfried Stoppel

Grant David Murdoch und Marina Marina Kaestel-Murdoch haben ein altes Bauernhaus mit Pferdeställen erworben, umgebaut und renoviert. Jetzt können in „The Lodge“ Gäste übernachten. Bald sollen auch Pferde den malerischen Flecken beleben.

Grant David Murdoch lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Die letzten vier hat der Australier mit einem Herzensprojekt zugebracht. Mit seiner Frau Marina Kaestel-Murdoch hat er ein altes Bauernhaus nebst Pferdeställen in Welzheim in der Oberen Bausche gekauft, umgebaut, renoviert und in eine Bed-and-Breakfast-Pension verwandelt. Ein Haus also, in dem übernachtet und gefrühstückt werden kann.

 

In den angebotenen Zimmern ist quasi nichts von der Stange. Sie sind damit wohl genauso individuell wie das Paar mit den australischen, italienischen und deutschen Wurzeln, das sich im Urlaub kennen gelernt hatte und mit dem Großprojekt einen mutigen Schritt gegangen ist. „Es hat Liebe und Energie gekostet, und wir haben uns mitunter auch gefragt, ob wir spinnen. Aber es ist unser Ding, wir lieben das Projekt, und langsam sind wir auf der Zielgeraden“, sagt Marina Kaestel-Murdoch.

Der 46-Jährige nennt das Anwesen „sein Baby“

Dann lässt sie ihrem Mann den Vortritt. Der 46-Jährige, der das Anwesen mit dem Namen „The Lodge“ liebevoll als sein „Baby“ bezeichnet, soll die Räumlichkeiten zeigen. Darin sind jede Menge von ihm handgefertigte Möbel, ganze Schrankwände hat der Wahl-Welzheimer gebaut. Er hat Wände versetzt, Balken freigelegt und dem Haus so ´seine Seele zurückgegeben“. Das letzte Zimmer ist erst vor Kurzem fertig geworden.

„Schaut man Bilder an vom Zustand, als wir es erworben haben, erkennt man es nicht wieder. Grant hat in das Haus hineingehört und es wiederbelebt“, sagt Marina Kaestel-Murdoch. Nun gelte es, allem noch den Feinschliff zu verpassen sowie den Außenbereich mit den Stallungen voran zu treiben.

Als die damalige Pächterin aufhörte, fasste sich das Paar ein Herz und erwarb auch noch die Stallungen, die ebenfalls komplett umgebaut und erneuert wurden. Nun warten luftige Pferdeboxen aus Holz mit edlem goldenem Knauf und luftigem Stallgang darauf, wieder bezogen zu werden. „Geplant ist, dass wir einen neuen Pächter finden, der dann vor Ort Reitunterricht anbietet“, erklärt Marina Kaestel-Murdoch. Zudem sei angedacht, die Möglichkeit anzubieten, dass Gäste mit ihrem Pferd auf dem Anwesen Urlaub machen können. „Man ist direkt ohne Straßen im Grünen. Zudem sollen noch eine große Koppel, ein BBQ-Bereich und ein Reiterstüble entstehen, in dem die Reiter etwas trinken oder dem Nachwuchs zusehen können.

Der Australier und die deutsch-italienische Frau haben alles renoviert

Lauscht man den Ausführungen des gebürtigen Australiers, wird klar, dass er es kaum erwarten kann, bis in dem naturnahen Anwesen auch tierisches Leben einzieht; 21 Pferde hätten Platz. Mit viel Liebe und Geschick hat er die Stallungen umgebaut. Der 46-Jährige ist mit Pferden aufgewachsen und immer geritten. Zudem ist er gelernter Zimmermann, was die Affinität zu Holz und das Talent bei den Renovierungsprojekten erklärt. In dritter Generation wird in seiner Familie in Queensland mit Holz gearbeitet. Murdoch hat die Qualifizierung zum Builder. Ein Berufsbild, das es in Deutschland so nicht gibt. In Australien und im Ausland hat der 46-Jährige Baustellen geleitet, bis er sich in „The Lodge“ verliebt hat.

Nun scheint es, als wäre er angekommen, inmitten der Natur von Welzheim. Er schwärmt von der Ruhe und der Möglichkeit, im Wald abschalten und durchatmen zu können. „So schlecht ist es hier wirklich nicht“, sagt er und grinst seine Frau an. Und wenn ihm mal das Meer fehle, dann fahre er einfach zum Schwimmen an einen Badesee. „Da kann man auch herrlich ausspannen.“

Ausspannen und relaxen sollen auch die Gäste, die seit Januar in „The Lodge“ mit Landhaus-Charme – Baujahr unbekannt – empfangen werden. Weil jetzt langsam alles fertig und Zeit zum Durchatmen ist, wollen die Betreiber des Hotels mit Ferienwohnung auch erst jetzt richtig in die Werbung einsteigen. „Es war toll, aber auch eine herausfordernde Zeit. Ich habe ja auch noch meinen Beruf als Projektleiterin, den ich nicht aufgeben werde“, sagt Marina Kaestel-Murdoch. Bei den Summen, die beim Umbau und der Instandhaltung eines solch großen Anwesens – es sind 8,5 Hektar – anfallen, scheint das nachvollziehbar.

Alle Zimmer sind nach Tieren des Waldes benannt

Zumal in den vier Zimmern, die die Pension bietet, keine Kosten gescheut wurden. Jedes ist anders gestaltet, aber alle sind mit edlen, antiken Möbeln mit hochwertigen Stoffen und kleinem Bad ausgestattet. „Es ist alles selbst gebaut und ausgesucht. Nichts ist einfach aus dem Möbelgeschäft. Das waren viele hitzige Diskussionen, bis wir uns auf Stoffmuster und Farben geeinigt hatten“, sagt Grant David Murdoch. Er sei fürs Bauen, sie fürs Streichen sowie für Deko und Inneneinrichtung zuständig. „Wir ergänzen uns super, trotzdem gehören Diskussionen dazu“, sagt Marina Kaestel-Murdoch.

Nicht lange debattieren musste das Paar darüber, wie die Zimmer genannt werden sollen. Beiden war klar, dass normale Zimmernummern ihrem Anspruch nicht gerecht werden würden. „Ich habe Grant morgens alle Tiere des Schwäbischen Waldes aufgeschrieben, und er hat vier ausgesucht“, sagt die 47-Jährige. So kam es, dass die Zimmer nach Hase, Eichhörnchen, Eule und Specht benannt wurden. Goldene Tiere vor der jeweiligen Tür weisen den Weg.

Am Morgen erwartet die Gäste ein kontinentales Frühstück

Wenn die Gäste morgens aus den Zimmern kommen, erwartet sie der Hausherr mit einem kontinentalen Frühstück. „Da nutzen wir die umliegenden Höfe und Bäckereien und bieten regionale Produkte an.“ Abgesehen von einem privaten Wohn- und Schlafraum dürfen die Gäste alle Räume mitbenutzen und sich im Gegensatz zu den oft anonym gehaltenen größeren Hotels wie daheim fühlen. „Das ist ein wichtiger Teil des Konzepts. Besucher, egal ob Businessleute oder Familien, dürfen es sich im Wohnzimmer oder auf der Terrasse mit Ausblick gemütlich machen“, sagt die Hausherrin.

Zudem gebe es die Ferienwohnung mit vier Zimmern, die auch länger gebucht werden könne und über Küche und Bad verfüge. Das Anwesen sei für alle da, auch Menschen mit Handicap sollen berücksichtigt werden. „Es ist ein Großprojekt. Deshalb haben wir uns, in der Hoffnung auf Hilfe für unseren Pferdehof, auch beim Regionalentwicklungsprogramm ,Leader` beworben“, sagt Marina Kaestel-Murdoch. Dann verabschieden sich beide ins Büro. Buchhaltung gehört mit zum Hoteltraum. Zudem wird weiter geplant: Ideen hat das Paar noch viele.