Viele Sonnenberger sehen den neuen Bebauungsplan kritisch. Sie sind der Meinung, dass dieser das Überleben des Lädles und der anderen kleinen Geschäfte an der Laustraße gefährden könnte. Foto: Alexandra Kratz

Stephan Bischoff, der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins, macht sich Sorgen um die Zukunft des Lädles. Hintergrund dafür sind die schwankende Nachfrage und der neue Bebauungsplan.

Sonnenberg - Stephan Bischoff hat eine Art offenen Brief verfasst. Es sind nachdenkliche Zeilen, die der Vorsitzende des Sonnenberg-Vereins geschrieben hat. Es geht um das Lädle an der Laustraße, das Panagiotis Anastasiadis zusammen mit seiner Partnerin Christina und einer weiteren Mitarbeiterin seit fast drei Jahren betreibt. „Obwohl die Kundenzahlen in dieser Zeit deutlich gestiegen seien, worum sich auch der Sonnenberg-Verein mit verschiedenen Aktionen immer wieder bemüht hat, seien sie weiterhin schwankend“, schreibt Bischoff und fügt hinzu: „Ja, es gebe Sonnenberger, die treu zu ihm halten, so etwa 20 Familien, aber es gebe auch viele, die sich immer wieder beschweren, und solche, die gar nicht kommen. Und wenig Dankbarkeit – beziehungsweise viel Dankbarkeit von wenigen. Dann aber auch Beschimpfungen, Vandalismus und Diebstahl.“

Dennoch, diejenigen, die im Lädle einkaufen gehen, sind voll des Lobes. „Es ist schön, dass es hier die Möglichkeit zum Einkaufen gibt“, sagt eine ältere Frau, die gerade mit einem vollgepackten Beutel heraus kommt. Sicher, die Preise seien nicht die gleichen wie bei einem Discounter. Aber dafür seien das Angebot und die Qualität sehr gut. „Und ich kann ja nicht wegen jeder Tüte Milch ins Auto steigen“, sagt die Sonnenbergerin. „Wir haben viele Stammkunden“, erklärt Panagiotis Anastasiadis und fügt hinzu: „Wir können die Sachen nicht so günstig anbieten, weil wir als kleiner Laden die Waren zu teureren Preisen einkaufen.“

Das Lädle sichert die Nahversorgung in Sonnenberg

Das Lädle sichert die Nahversorgung im Stadtteil. Es bietet alle Dinge des täglichen Bedarfs und noch ein bisschen mehr, vom Apfel übers Klopapier bis hin zur Wäscheklammer. In anderen Stadtteilen und Wohngebieten werden immer wieder Rufe nach einem solchen Laden und der Sicherung der Nahversorgung laut, so zum Beispiel im Dachswald.

Panagiotis Anastasiadis ist fast jeden Tag rund um die Uhr mit seinem Lädle beschäftigt. Früh morgens kauft er die Waren auf dem Großmarkt, abends bringt er seinen älteren Kunden die Waren nach Hause. In Bischoffs offenem Brief steht: „Er zweifelt, ob er und seine Familie diese Energie weiter aufbringen. Ob es sich ,lohnt’, und damit meine er nicht einmal in erster Linie das Geld.“

Die Zukunft des Lädles ist ungewiss. Der Sonnenberg-Verein wollte Anastasiadis mit einem neuen Kühlschrank unterstützten. Doch nun winke dieser ab, schreibt Bischoff. Denn er wisse nicht mehr, ob es weitergehe, ob der Laden erhalten bleibe. Der Grund für diese Unsicherheit ist nicht allein die teils schwankende Nachfrage der Kunden. Der Sonnenberg-Verein kämpft seit Langem gegen den Bebauungsplan südliche Laustraße, den die Stadt derzeit für das Gebiet entwickelt. Die Verwaltung will ein Mischgebiet ausweisen, also einen Bereich, in dem Wohnen sowie Gewerbe- und Büroräume im Erdgeschoss möglich sind. Das Ziel des Bebauungsplans ist es, den Einzelhandel gemäß des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts zu steuern und eine Mischnutzung zur Sicherung und Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs an der Laustraße zu fördern. Zudem soll damit die Ansiedlung von Spielstätten und Wettbüros unterbunden werden. So steht es in der Erklärung des Stadtplanungsamts.

Schwankende Nachfrage und ein neuer Bebauungsplan

In den Erdgeschossen, in denen Wohnen heute möglich ist, soll es auch weiterhin erlaubt sein. Darüber sollen bei insgesamt acht Gebäuden bis zu zwei Vollgeschosse möglich sein, also insgesamt dreistöckige Gebäude. Der Rest des Gebiets bleibt zweigeschossig. Zudem sollen maximal 40 Prozent eines Grundstücks bebaut werden können.

Der Sonnenberg-Verein ist dagegen. Und er hat mehr als 800 Unterschriften gegen den neuen Bebauungsplan gesammelt. Die Unterzeichner fürchten, dass der neue Bebauungsplan den Charakter des Wohngebiets mit seinen sogenannten Kaffeemühlenhäusern gefährdet und dass an der Laustraße größere Büro- und Geschäftsgebäude entstehen.

Die Argumentation der Verwaltung hält Bischoff für abstrus. Mit dem neuen Bebauungsplan werde kaum mehr Wohnraum geschaffen. Die Ansiedlung von Geschäften müsse nicht gesteuert werden, weil es nicht so viele Anfragen gebe. Und dass sich in Sonnenberg ein Bordell oder eine Spielhalle ansiedele, sei eher unwahrscheinlich.

Bischoff und seine Mitstreiter fürchten, dass die bestehenden kleinen Läden an der Laustraße mit dem neuen Bebauungsplan sterben. Dass Grundstückseigentümer die alten Häuser abreißen, um neu und größer zu bauen, und dass dann die Mieten steigen. „Das Lädle könnte der nächste Verlust sein. Und sollte die südwestliche Lau­straße entsprechend des Bebauungsplans neu gebaut werden, so sind auch Apotheke, Kiosk und Friseur gefährdet. Aber wen interessiert es wirklich?“, fragt Bischoff in seinem Brief.

Der Bezirksbeirat hat dafür gestimmt

Mitte Oktober stand das Thema im Möhringer Bezirksbeirat auf der Tagesordnung. Die Lokalpolitiker nahmen den neuen Bebauungsplan mehrheitlich an. Vor der endgültigen Entscheidung des Gemeinderats gibt es in der kommenden Woche noch einmal eine Bürgerbeteiligung.

Der Info- und Ausspracheabend zum Bebauungsplan südliche Laustraße ist am Donnerstag, 14. Dezember. Beginn im Bürgerhaus am Filderbahnplatz 32 ist um 18 Uhr.

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