Elke Strub, Abteilungsleiterin in Hohenheim, will keine zähen Verhandlungen mehr. Deshalb haben Stadt und Uni einen Masterplan entwickelt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Universität Hohenheim und die Stadt Stuttgart haben gemeinsam einen Bebauungsplan für den Campus ausgearbeitet. Das Mobilitätskonzept war zunächst strittig – jetzt hat ein Sachzwang entschieden. Die Stadtbahn wird nicht am Schloss vorfahren.

Stuttgart - Landschaftsschutz, Denkmalschutz, Ensembleschutz – die Universität Hohenheim hat viele Hürden, wenn sie neue Gebäude bauen oder alte sanieren will. Doch Neubauten sind dringend nötig, da die ­momentane Infrastruktur der Uni auf 5000 Studenten angelegt ist. Heute studieren dort jedoch knapp 10 000.

„Wir wollten nicht mehr wegen jedem einzelnen Gebäude zähe Verhandlungen mit der Stadt führen“, sagt Elke Strub, Leiterin der Abteilung Fläche und Bau an der Uni Hohenheim. Deshalb haben Stadt und Uni in einem zwei Jahre dauernden Prozess einen Masterplan für die weitere Bebauung erstellt. „Der Weg war hart, aber wir denken, es entstand ein stimmiges Konzept“, urteilt Strub. Im Januar soll das Modell im Gemeinderat beschlossen werden – darauf hofft ­zumindest die Uni.

Hörsaal und Mensaerweiterung sind beschlossen

Das dreidimensionale Modell zeigt, wie man sich die Zukunft des Campus in den nächsten 20 bis 30 Jahren vorstellt. Bedingung der Stadt war, dass die Grünschneisen erhalten bleiben. „Dafür haben wir auch Verständnis“, sagt Strub. Beschlossen sind bisher allerdings nur ein neuer Hörsaal, der sich bereits seit 2014 im Bau befindet, und die lang herbeigesehnte Mensaerweiterung, deren Bau Anfang 2016 beginnen soll. „Bei den weiteren Gebäuden steht weitestgehend noch nicht fest, wie sie genau aussehen, geschweige denn, wie sie finanziert werden“, stellt Strub klar. Mit dem Masterplan werde erst mal festgelegt, dass die Uni überhaupt an den vorgesehenen Stellen bauen dürfe.

Wichtig ist der Hochschule dabei, dass mit den neuen Gebäuden ein Campus-Zentrum – möglicherweise mit einem Platz – erkennbar wird. Auch die vielen, auf dem Gelände verstreuten Labore und Gewächshäuser sollen zusammengefasst werden. So bildet ein großes Forschungsgewächshaus einen Schwerpunkt des Masterplans. „Ein Teil ­davon soll schon im Frühjahr 2016 gebaut werden“, sagt Strub. Ziel sei es, dass nicht mehr jedes Institut ein Gewächshaus habe, sondern Parzellen in dem großen Gewächshaus vergeben werden. Damit will die Uni 50 Prozent der bisherigen Gewächshausflächen einsparen. Die bisherigen, maroden Gewächshäuser könnte man dann abreißen. Beim Standort des Forschungsgewächshauses – neben den bestehenden Stadtbahngleisen beim Bezirksrathaus Plieningen – sind Uni und Stadt sich aber noch nicht einig, was den Abstand zu den Gleisen und die Gestaltung der Böschung dazwischen angeht.

Keine Einigkeit bei Lösung der Verkehrsfrage

Hochwertige Laborgebäude in schöner Quartierform sind ebenfalls Teil des Masterplans. So soll südlich des Biologiezentrums ein Gebäudekomplex für Labore, die Tierwissenschaften und die Bienenkunde entstehen. Zudem ist geplant, dass die Tierwissenschaften, bisher auch über den Campus verstreut, einen zweiten Standort in der Nähe der Tierklinik erhalten. Auch neue Studentenwohnheime sind vorgesehen – denn der Uni fehlen rund 600 Plätze. 280 davon sind erst in Planung.

So weit ist sich die Uni mit der Stadt einig. Doch bei Lösungen für die angespannte Verkehrslage war sie das bisher nicht. Laut einer Umfrage kommen im Winter 42 Prozent der Studenten und Mitarbeiter mit dem Auto. Das hängt mit der schlechten ÖPNV-Anbindung und dem mangelnden Wohnungsangebot am Campus zusammen. Doch Parkplätze sind knapp. „Uns würde es schon helfen, wenn man vom Hauptbahnhof mit der Stadtbahn ohne Umsteigen die Uni erreichen könnte“, sagt Strub. Eine neue Stadtbahnlinie zwischen Plieningen/Garbe und Killesberg ist schon länger im Gespräch, könnte jedoch frühestens 2020 realisiert werden. Die Stadt strebte sogar an, die Schienen von der Endhaltestelle in Plieningen in den Uni-Campus hinein zu verlängern – bis zum Schloss. Die Uni war dagegen – weil die Strecke durch den Campus zu eng sei, weil weitere der raren Parkplätze wegfallen und weil die Stadtbahn dem Analysezentrum zu nahe kommen und sensible Geräte stören würde. Stattdessen schlug die Uni umweltfreundliche Elektrobusse auf dem Campus vor, die Verlängerung der bestehenden Busanbindung, Tempo 30 sowie den Ausbau von Rad- und Gehwegen.

Am Dienstag, als der städtische Technik-Ausschuss einen Zwischenbericht erhielt, verabschiedete man sich von der Idee einer Stadtbahnlinie U 3 bis zum Schloss. Wolfgang Arnold, Technik-Vorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG, kapitulierte auch, weil man nicht garantieren könne, dass die Geräte im Analysezentrum nicht irritiert werden. Man werde nun die Trassenvariante vom Wollgrasweg in die Osum- oder Adornostraße weiterverfolgen, am westlichen Campusrand. Nach der Uni-Erweiterung werde die Haltestelle eine „übliche“ Standortgüte haben. Die Trasse könne nach Birkach und zum Asemwald, vielleicht sogar Richtung Degerloch weitergeführt werden – je nach Fahrgastberechnungen und Zuschussaussichten. Bei der Finanzierung gibt es ohnehin Erschwernisse. Solche Projekte werden vom Land gefördert. Das hat eben entschieden, dass maximal 50 Prozent und nicht wie früher 75 Prozent bezahlt werden.