Auf den Flächen neben der Kunsthalle (rechts) und dem Technischen Rathaus (im Hintergrund) sollen eine Kindertagesstätte und Mietwohnungen gebaut werden. Foto:  

Auf eine Machbarkeitsstudie sollte ein städtebaulicher Wettbewerb folgen. Jetzt will die Stadt Göppingen im Quartier bei der Göppinger Kunsthalle erst mal bauen – und dann weiter planen.

Göppingen - Zwei Jahre lang hat sich nicht allzu viel getan, jetzt aber soll alles ganz schnell gehen. Der Göppinger Gemeinderat ist angehalten, in seiner Sitzung an diesem Donnerstag über die Aufstellung eines Bebauungsplans für das sogenannte Kunsthallenquartier zu entscheiden. Der Bereich zwischen dem Nordring, der Marstall-, der Öchslin- und der Erzbergerstraße soll städtebaulich weiterentwickelt werden. Schon vor zwei Jahren ist eine entsprechende Machbarkeitsstudie angefertigt worden, so dass die Tatsache, dass rund um die Kunsthalle Veränderungen anstehen, nicht überraschend kommt.

Überraschend ist für die Anlieger allerdings die plötzliche Eile, in der jetzt neben der Kunsthalle ein großer L-förmiger Komplex errichtet werden soll. In dem Gebäude würden, so die Pläne der Verwaltung, eine Kindertagesstätte mit 110 Plätzen, in den Obergeschossen 24 Mietwohnungen sowie eine Tiefgarage Platz finden. Bei einer Informationsveranstaltung im April 2017 ist davon noch nicht die Rede gewesen, zumal die Verantwortlichen einen Architektenwettbewerb zugesagt hatten, um die Planungen zu vertiefen und in ein Gesamtkonzept zu packen.

OB Till sieht „dringenden Handlungsbedarf“

„Wir haben inhaltlich nichts gegen dieses Projekt einzuwenden, kritisieren aber das Verfahren, weil uns etwas anderes versprochen wurde“, sagt Sven Olsson, der in der Öchslinstraße wohnt. Es sei zwar absolut legitim, ein brach liegendes Grundstück in dieser Lage zu nutzen. „Dieses ist allerdings 100 Jahre lang unberührt geblieben, und jetzt sollen in einem Hoppla-Hopp-Prozess innerhalb von zwei Wochen Nägel mit Köpfen gemacht werden“, schimpft Olsson, der zudem nicht nachvollziehen kann, dass die Kunsthalle, seinen Informationen nach in die Überlegungen nicht eingebunden worden ist. Aus seiner Sicht fehle dem Gemeinderat auch deshalb die Basis für eine gründliche Erörterung.

Das wiederum sieht die Spitze der Göppinger Stadtverwaltung völlig anders: „Wir sind richtig glücklich, dass es diesen Plan jetzt gibt, weil wir einen dringenden Handlungsbedarf haben: beim Geschosswohnungsbau und in der Kinderbetreuung,“, erklärt Oberbürgermeister Guido Till. Ein Träger sei wegen der Kita auf die Stadt zugekommen, und da ein Kindergarten in der Nähe demnächst schließe, sei ein Ersatz dringend nötig, ergänzt der Rathauschef.

Der Baubürgermeister Helmut Renftle räumt ein, dass der Ablauf zwar anders geplant gewesen sei, sieht in diesem ersten Bauabschnitt aber kein Problem, was die Gesamtentwicklung angeht. „Einen Architektenwettbewerb für den vorderen Bereich mit dem Technischen Rathaus, dem Kunsthallenhof, den Parkplätzen und der verkehrlichen Erschließung wird es dennoch geben. Da sind noch genügend Fragen zu beantworten“, versichert er. Zeit dafür habe man nun ohnehin, da der Umzug ins neue Verwaltungszentrum nach dessen Verkauf an die Firma Teamviewer ja hinfällig sei und die Planungen auf dem Ersatzstandort Müller-Areal erst anliefen.

Sven Olsson hält Reihenfolge für „widersinnig

Sven Olsson hält diese Reihenfolge für „widersinnig“. Eine Grundsatzentscheidung sei aus seiner Sicht gar nicht mehr möglich, wenn vorab Tatsachen geschaffen würden. „Ich sehe da eher wirtschaftliche Interessen dahinter mit der Achse aus Baubürgermeister Renftle seitens der Stadt, dem planenden Architekten Peter Dauner und dem Wohnbauchef Volker Kurz, dessen Gesellschaft als Bauträger fungiert“, betont der erboste Anwohner. Im Viertel jedenfalls habe man kein Verständnis für die „Hudelei“.

Till und Renftle wiederum weisen diese Vermutung zurück. Dass das Quartier überplant werde, darin bestehe Konsens im Gemeinderat. „Und wenn jetzt der Aufstellungsbeschluss wie vorgesehen und um keine Zeit zu verlieren gefasst wird, läuft auch die vorgeschriebene Bürgerbeteiligung an“, erklärt Till. Dabei werde man wegen der Sommerferien auf die obligatorische Frist von vier Wochen verzichten. Auch danach seien jedoch Einwendungen und Anmerkungen noch möglich, versprach er.

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