Einstiger Sprungturm und zwischen hochgewachsenen Büschen versteckte Schwimmbecken – hier entsteht demnächst ein neues Wohngebiet. Foto: Dirk Herrmann

Es handelt sich um das auf absehbare Zeit größte Wohngebiet in Fellbach. Wo einst viele Fellbacher das Schwimmen lernten, sollen ab dem Jahr 2025 rund 750 Menschen leben.

Fellbach - Es wird eines der größten Wohnquartiere in ganz Fellbach: Den Grundsatzbeschluss für die künftige Entwicklung auf dem Gelände des ehemaligen Freibads hat der Gemeinderat bereits 2015 gefällt. Gefällt werden in den kommenden Monaten auch noch so manche Bäume, um das Ziel umsetzen zu können. Bis die ersten Bewohner einziehen werden, dürften noch weitere drei bis vier Jahre vergehen. Doch schon jetzt steht fest, dass das ehemalige Freibadareal im Südwesten Fellbachs nahe der Kreuzung Untertürkheimer Straße und Esslinger Straße zu einer der begehrtesten Wohnadressen der Stadt gehört– ähnlich wie bei der anderen Umwidmung eines einstigen Schwimmtempels, des noch näher am Stadtzentrum gelegenen alten Hallenbad-Areals an der Schillerstraße. „750 Menschen werden bis zum Jahr 2025 am Fuße des Kappelbergs eine neue Heimat finden“, hieß es bereits in einem Artikel in unserer Zeitung im April 2019 zum Freibadgelände.

 

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Das Konzept sieht für die Bebauung des 25 200 Quadratmeter umfassenden Gebiets ein durchmischtes Quartier für Jung und Alt vor. Die Bandbreite der Ideen umfasst deshalb alle Möglichkeiten: Familien sollen dort ebenso heimisch werden wie Paare. Singlehaushalte sind ebenso erwünscht wie Senioren. Es wird Eigentumswohnungen geben, aber auch Mietwohnungen. Die dortigen Grundstücke sollen baufeldweise vergeben werden, wie bereits im Frühjahr im Fellbacher Gemeinderat beschlossen. Jetzt erfolgte im Lokalparlament ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Projekts – verbunden mit einer Reduzierung beim pflegenahen Wohnen zugunsten einer stationären Pflegeeinrichtung.

Konkret ging es um einen neuen sozialen Baustein im städtebaulichen Entwurf. Im Baufeld C soll zusätzlich zum pflegenahen Wohnen und betreuten Seniorenwohnen zukünftig auch eine stationäre Pflegeeinrichtung untergebracht werden. „Circa 48 bis 52 Plätze können hier geschaffen werden“, erklärte die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Auf dem Baufeld E sollen neben einer Seniorenhausgemeinschaft auch ambulante Versorgungseinrichtungen entstehen wie die mobile Pflegestation und eine Tagespflegeeinrichtung. Neben dem Baustein des Seniorenwohnens erhält das Gebiet auch eine zweigruppige Kindertagesstätte.

Betreuung durch die „Gut alt werden GmbH“

Den überarbeiteten Plänen waren Untersuchungen über den notwendigen Mix der geplanten Einrichtungen vorausgegangen. Der Auftrag, ein auf die Fellbacher Bedürfnisse zugeschnittenes Konzept zu erstellen, ging letztlich an ein Sindelfinger Entwicklungszentrum, das den treffenden Titel „Gut alt werden GmbH“ trägt. Die Gesellschaft hat daraus ein Gesamtkonzept im Sinne von „Wohnen in allen Lebenslagen“ entwickelt. Um ein Quartier für alle Altersgruppen zu erhalten, soll der Baustein fürs Seniorenwohnen integriert werden. Deshalb werden im Gegenzug die benachbarten Baufelder B (Mieten und Eigentum) und E (Kita, Wohnen, Senioren-WGs) vergrößert.

Daraus ergibt sich außerdem eine „leicht schrumpfende Sozialquote“, so Beatrice Soltys. „Uns geht es dabei um die höchste Wohn- und Lebensqualität in allen Lebenslagen.“ Jeder solle je nach seiner Bedürftigkeit die Versorgung bekommen, die er benötigt. In der Flächenbilanz des Areals bleiben auch nach der Anpassung 78 Prozent für das Wohnen für alle.

Gelungene Gratwanderung

Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull zeigte sich zufrieden mit dem Entwurf. Er berücksichtige sowohl die Ansprüche und Vorstellungen der älteren Mitmenschen als auch jene der Familien und jungen Menschen, die dort eines Tages mit fußläufiger Verbindung zum Erholungsgebiet Kappelberg leben werden. Zull: „Diese Gratwanderung ist gut gelungen.“

Konzeptionell sei der Entwurf in Ordnung, finanziell hingegen nicht, monierte hingegen Andreas Möhlmann (SPD). Er verwies auf die bereits im März geäußerte Forderung seiner Fraktion, eine deutlich höhere Sozialquote von mindestens 40 Prozent umzusetzen. Schließlich handle es sich um eine städtische Fläche. Dass diese nun reduziert werde, sei keine gute Perspektive.

Fläche in bester Lage

Für die Grünen ließ Stadträtin Nadine Gothe erkennen, dass sie inhaltlich „grundsätzlich“ auf Seite ihres sozialdemokratischen Kollegen Möhlmann sei. Trotzdem lobte sie das überarbeitete Konzept. Man merke, dass sich die Stadt mit der Einbindung von jungen Leuten, Senioren, aber auch Mietwohnungen und Eigentumswohnungen große Mühe gegeben habe, einen eigenen „Fellbacher Mikrokosmos“ zu entwerfen. Eine einmalige Chance sieht Karin Ebinger (FW/FD) in der Bebauung des alten Freibadareals, da es sich um eine zusammenhängende Fläche in bester Lage handle. Beim gesamten Vorgehen werde ihre Fraktion die Gruppe der jungen Erwachsenen und besonders der jungen Familien im Blick behalten. Denn gerade diese Gruppe habe es in Fellbach besonders schwer, passenden Wohnraum zu finden.

Selbstbestimmtes Wohnen im gleichen Quartier bis ins hohe Alter, „das wünschen wir uns alle“, erklärte Anja Off für die Christdemokraten. Das sei allerdings oft nicht machbar. Deshalb begrüße ihre Fraktion den Mehrgenerationenansatz auf dem Areal, wo einst das Freibad stand, umso mehr. Mehrheitlich stimmten die Stadträte anschließend dem überarbeiteten Entwurf zu, den die Bauverwaltung als „optimierten Mittelweg“ bezeichnet.