Seit 1. Juli neuer Behindertenbeauftragter in Stuttgart: Walter Tattermusch Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

15 Jahre lang war Walter Tattermusch Sozialamtsleiter der Stadt Stuttgart. Ende vergangenen Jahres ging er in Ruhestand. Seit 1. Juli hat der 67-Jährige ein neues Ehrenamt: Er ist Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderung in Stuttgart.

Stuttgart - Noch kurz vor der Verkündung im April hatte das Zentrum selbstbestimmtes Leben, eine selbst verwaltete Behindertenorganisation, darauf gedrängt, dass zum einen ein Hauptamtlicher sowie zum anderen ein Behinderter die Nachfolge der bisherigen Behindertenbeauftragten Ursula Marx antreten sollte. Stattdessen berief Oberbürgermeister Fritz Kuhn zum 1. Juli 2015 den 67-jährigen Tattermusch, der im vergangenen Dezember als Amtsleiter in den Ruhestand verabschiedet worden war.

Im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Gemeinderats stellte der neue Beauftragte der Landeshauptstadt Stuttgart für die ­Belange von Menschen mit Behinderung, wie der Titel offiziell heißt, am Montagvormittag seine Pläne und Visionen vor. Er werde in erster Linie Ansprechpartner für die einzelnen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen sein. Als unabhängiger Unterstützer wolle er die Anliegen aufnehmen, „zum Beispiel wenn man sich aufgrund einer Behinderung diskriminiert oder benachteiligt fühlt“. Er werde nach Lösungswegen suchen und natürlich Beschwerden nachgehen. Er werde sich auch in Zukunft einsetzen für die Weiterentwicklung der Inklusion in Stuttgart und als Mittler agieren zwischen den Menschen mit Behinderungen und der Stadtverwaltung. Als Ziel sieht er die inklusive Stadtgesellschaft, „in der alle Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen ihren Platz finden, und dass die für die unterschiedlichen Behinderungen bestehenden unterschiedlichen Barrieren abgebaut werden“. Er wolle, so Tattermusch, die Bürgerinnen und Bürger „mitnehmen auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der das Vorhandensein von Unterschieden Normalität ist, in der Barrieren jeglicher Art abgeschafft sind und in die sich jeder mit seinen Besonderheiten einbringen kann“.

Während im mittleren Sitzungssaal des Rathauses zahlreiche Rollstuhlfahrer sowie Vertreter von Behindertenorganisationen Tattermuschs Erklärungen verfolgten, gab es von Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) ebenso wie von den jeweiligen Fraktionen Vorschusslorbeeren. Philipp Hill (CDU), selber im Rollstuhl sitzend, lobte Tattermuschs schon bisher „sehr ausgewogenes Urteil, das auf präziser Faktenlage beruht“.Für Marita Gröger (SPD) hat Tattermusch „bundesweit einen Namen“, allerdings brauche es Beharrlichkeit sowie „Mut, neue Wege einzuschlagen und Unbequemes zu sagen“. Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke plus) sprach allerdings von einer „gigantischen Aufgabe“, die der Beauftragte zu bewältigen habe, „damit man auch die Menschen in ihren Köpfen erreicht“.

Eine kritische Frage, die an seine Fraktion herangetragen wurde, leitete Jochen Stopper von den Grünen weiter: Ob Tattermusch, der ja viele Jahre dieses Thema im Amt mitgestaltet habe, denn in der Lage sei, sich kritisch damit auseinanderzusetzen und nicht zu sagen, alles Bisherige müsse ja gut gewesen sein. Tattermusch beruhigte die Skeptiker: Es müsse niemand befürchten, dass er sich selbstzufrieden zurücklehne und sage: „Alles, was bisher war, finde ich prima.“

Sprechzeiten des Behindertenbeauftragten: Montag 13 bis 16 Uhr, Mittwoch 8.30 bis 12 Uhr, Rathaus, Zimmer 145. Persönliche Terminvereinbarung ist möglich unter Telefon 07 11 / 21 66 06 79.

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