Beach-Handballer aus Rechberghausen Als Außenseiter auf die Kanaren

Von Corinna Meinke 

In Siegerpose warfen sich die Beach-Handballer aus Rechberghausen im  August in Berlin, wo sie im vierten Anlauf erstmals die Deutsche Meisterschaft gewannen. Foto: privat
In Siegerpose warfen sich die Beach-Handballer aus Rechberghausen im August in Berlin, wo sie im vierten Anlauf erstmals die Deutsche Meisterschaft gewannen. Foto: privat

Die Bartenbacher haben Beach-Handball in den 1990er Jahren aus Italien mitgebracht. In diesem Jahr hatten aber die Nachbarn vom Schurwald die Nase vorn und dürfen zum Champions Cup.

Kreis Göppingen - Eigentlich ist die Saison für Sven Fischer­ und seine Männer längst zu Ende, denn Beach-Handball wird in der warmen Jahreszeit gespielt. Aber dieses Mal ist für die Sportler aus Rechberghausen alles anders: Bereits im August hatte sich die Spielgemeinschaft Schurwald die Deutsche Meisterschaft erkämpft – und damit das Ticket für den europäischen EHF Champions Cup auf Gran Canaria gelöst. An diesem Donnerstag bestreitet das Team sein erstes Spiel auf der Kanaren­insel, die keinen Winter kennt.

Für Fischers Topleute hat schon wieder die Hallensaison begonnen

„Wir gehen nur mit Außenseiterchancen in den Wettbewerb“, beschreibt Fischer­ die Ausgangslage für seine zwölfköpfige Truppe. Er berichtet, dass sich vor sieben Jahren Sportler mit unterschiedlichem Niveau zu einer Mannschaft zusammengetan haben. Zu den prominentesten gehören die beiden Handball-Bundesligisten und Beach-Handballnationalspieler Daniel Rebmann (Frisch Auf Göppingen) und Dominik Weiß (TVB Stuttgart). In Gran Canaria seien die zwei aber nicht am Start, weil für ihre Clubs bereits wieder die reguläre Handballsaison begonnen hat.

Das ist für Fischer nicht ungewöhnlich, schließlich sind fast alle seine Beach-Handballer im Hallenhandball zuhause und das in ganz unterschiedlichen Ligen. „Das geht bei uns querbeet von der Kreisliga bis ganz nach oben“. Und normalerweise ergänze sich der Spielbetrieb der beiden ähnlichen Sportarten: Im Mai ende die Hallensaison, und wenn ab Pfingsten das Wetter zum Beach-Handball­ locke, schlage die Stunde für sein Team.

Beim Beach-Handball geht es locker zu

„Das hat sich eigentlich alles aus einem Freundeskreis heraus entwickelt. Viele der Spieler haben schon als Jugendliche beim TV Rechberghausen Handball gespielt“, sagt er. Manche habe schon sein Bruder Michael­ Fischer betreut, der für den 1988er Jahrgang früher als Trainer fungierte, erklärt Fischer. Dann trennten sich die Wege, meist aus beruflichen Gründen. Aber inzwischen seien viele Handballer wieder nach Rechberghausen zurückgekehrt und hätten „einfach Bock“ gehabt, jenseits des Spielbetriebs in ihren Ligen zusammen etwas­ auf die Beine zu stellen. „Für die meisten ist es eine willkommene Abwechslung zum Hallenalltag. Beim Beach-Handball geht es halt recht locker zu, es läuft Musik, und eigentlich ist da immer ein bisschen Partystimmung dabei“, beschreibt Fischer­ die Szenerie auf dem Sandplatz.

Die Bartenbacher haben den Sport aus Italien mitgebracht

Dass die SG Schurwald bei den Deutschen Meisterschaften im August in Berlin ausgerechnet im Lokalderby gegen die Otternasen­ aus Bartenbach den Titel holten, sei bemerkenswert, immerhin seien die Bartenbacher mit zwei Teams in die Meisterschaftsspiele gegangen. Der kleine Göppinger Stadtbezirk gilt als Wiege des Beach-Handballs im Südwesten, nachdem sich die erste Mannschaft bei einem Turnier in Italien so sehr für das Spiel im Sand begeisterte, dass die eigene „Sandkiste“ bereits 1994 eingeweiht wurde.

Inzwischen stagniere die Entwicklung des Beach-Handballs in Deutschland aber wieder. Und da andere Nationen um ein Vielfaches professioneller aufgestellt seien, träfen die Schurwalder jetzt bereits in der Vorrunde des EHF-Cup auf Topspieler wie beispielsweise die Polen, die als Mit­favoriten gelten. Unabhängig vom endgültigen Ergebnis hat Fischer für seine Spieler viel Lob übrig: „Alle brennen auf ihren Einsatz. Und es ist uns eine Ehre dabei zu sein.“

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