ARD und ZDF sind laut einem McKinsey-Gutachten zu teuer und bieten zu wenig Informationsprogramme. Den Vorwurf lässt der SWR nicht auf sich sitzen.

Stuttgart - Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist zu teuer, sendet für sein Geld zu wenig Informationsprogramme und bietet zu vieles an, was privatwirtschaftliche Mitspieler auf dem Medienmarkt in Bedrängnis bringt – das sind in Kürze die Ergebnisse einer Studie, die das Beratungsunternehmen McKinsey auf dem Zeitungskongress in Stuttgart vorgestellt hat. „In einer sehr emotionalen Debatte wollen wir vorrangig Fakten liefern“, meinte bei der Präsentation Marcus Jacob, einer der Autoren. Zu diesem Zweck wurden öffentlich-rechtliche Anstalten in zehn europäischen Ländern nach verschiedenen Kriterien miteinander verglichen, etwa nach der Finanzierung, der Programmausrichtung und dem digitalen Angebot. Einige der Resultate: ARD und ZDF seien, so McKinsey, ganz oben, wenn es um die Höhe der monatlichen Rundfunkbeiträge geht, aber im unteren Drittel, was den Informationsanteil in den beiden Hauptprogrammen betrifft.

McKinsey legt großen Wert darauf, seine Studie, die von sofort an auch der Öffentlichkeit zugänglich ist, nicht im Auftrag erstellt zu haben. Gleichwohl wird den meisten Verlegern im Publikum die implizite Kritik am Wirtschaftsgebaren der Öffentlich-Rechtlichen sehr zugesagt haben.

Kritik an der Methodik der Studie

In der anschließenden Diskussion, die von StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs geleitet wurde, ging es kontrovers zu. Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), kritisierte die Methodik der Studie. Der Vergleich mit anderen Ländern sei schon deshalb schief, weil Deutschland durch seine föderale Struktur und vielen Landesrundfunkanstalten naturgemäß mehr Geld ausgeben müsse als beispielsweise das zentralistische BBC in Großbritannien. Hermann Eicher, den Justiziar des SWR in Stuttgart, erboste bei den genannten Zahlen zum Informationsanteil der ARD-Programme vor allem, dass die Dritten Programme überhaupt nicht berücksichtigt seien: „Gerade hier erfüllen wir unseren regionalen Informationsauftrag.“

Das hinderte den FAZ-Redakteur Michael Hanfeld nicht daran, seine Grundsatzkritik an ARD und ZDF zu erneuern: „Sie weiten Ihren Sendeauftrag beständig aus und graben den privaten Sendern und den Verlegern die Möglichkeit ab, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Wie sollen wir bei den Nutzern der Webseiten unserer Zeitungen eine Paywall durchsetzen, wenn es bei Ihnen scheinbar alles umsonst gibt?“

Außerdem im Video: Sehen Sie Ausschnitte der Rede von BDZV-Präsident Mathias Döpfner zu neuen Entwicklungen in der Branche.

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