Markus Söder soll beim CSU-Parteitag zum künftigen Ministerpräsidenten ernannt werden. Foto: dpa

Der CSU-Parteitag wird Markus Söder am Samstag als künftigen bayerischen Ministerpräsidenten ausrufen.

München - Tja, die „Star Wars“-Premiere diese Woche, die wird er versäumen. Das wurmt ihn. Aber wer einmal in der heimischen Galaxis genau da angekommen ist, wohin er immer schon wollte, dem bleiben schnöde politische Termine nicht erspart: Am Samstag soll Markus Söder beim CSU-Parteitag ganz offiziell als künftiger bayerischer Ministerpräsident auf den Schild gehoben werden. Zwar müssen dafür nun keine Laserschwerter oder die dunklen Waffen des innerparteilichen Machtkampfs mehr gekreuzt werden – das sah bis vor zehn Tagen noch ganz anders aus –, aber auch ein Triumphzug will vorbereitet sein. Vor allem ein solcher, der gar nicht nach Triumph aussehen soll, sondern nach dem ganz selbstverständlichen Ergebnis eines ganz natürlichen Prozesses – in der schwierigsten Lage, in der sich Bayerns „Macht“ jemals befunden hat.

Markus Söder soll es also richten. Im Frühjahr will ihn die CSU-Fraktion im Landtag definitiv zum Regierungschef machen, das hat sie am Montag vergangener Woche einstimmig versprochen. Amtsinhaber Horst Seehofer seinerseits hat sich ins Unvermeidliche gefügt und versprochen, das Amt abzugeben – sobald er als CSU-Chefverhandler die künftige Bundesregierung mit auf die Beine gestellt und womöglich für sich selbst ein Ministeramt im weit genug entfernten Berlin gefunden hat.

Im Oktober muss sich Söder bei der Landtagswahl bewähren

Aber das ist nur der erste Schritt zur Krönung. Der zweite folgt, wenn die Blätter schon wieder fallen: Im Oktober muss sich Markus Söder bei der Landtagswahl bewähren. 38,8 Prozent hat die CSU bei der Bundestagswahl vor drei Monaten bekommen, so wenig wie seit 1952 nicht mehr, aktuell steht sie bei den Umfragen noch um fast zwei Punkte tiefer. Und rechts von ihr, unerhört nach der alten Franz-Josef-Strauß-Doktrin, hat sich eine entschlossene Alternative etabliert. „So schwer wie ich“, sagt Söder, „hatte es noch kein Ministerpräsidenten-Kandidat.“ Andere in München meinen, Söder habe es leicht, denn mit der CSU könne es nur mehr aufwärts gehen; schon den kleinsten Punkt nach oben könne Söder als Gewinn verkaufen; die absolute CSU-Mehrheit sei nach 60 Jahren ohnehin Geschichte. Verschreckt ist Söder sowieso nicht: „Wer Angst hat, einen Elfmeter zu verschießen, braucht gar nicht erst anzutreten.“

Sein Krafttraining hat Söder jedenfalls absolviert. Das mit den Liegestützen ging zwar unlängst ein bisschen schief (wovon eine Bandage am linken Handgelenk zeugte), das andere aber hält er für gelungen: Vier Kinder großzuziehen sei durchaus schwieriger, als Landesvater zu sein. Wobei bei den zwei Söhnen auch mancher gemeinsame „Star Wars“-Abend auf dem Sofa geholfen hat; Filme dieser Art werden in der Staatskanzlei eher selten gezeigt. Aber wer weiß? Es soll ja auch dort, sagt der Künftige, demnächst „moderner und lockerer zu­gehen“.

Die Ochsentour über die Kommunalpolitik war nichts für ihn

Der junge Söder selbst, Sohn eines Maurermeisters in Nürnberg, hat sich mit einer realen Machtgestalt identifiziert. Den „intensiven politischen Diskussionen“ mit den „vielen Alt-68er-Lehrern“ am Gymnasium hielt er auch deswegen stand, weil in seinem Zimmer daheim ein überlebensgroßes Poster des Franz Josef Strauß hing wie eine Heiligenikone – in klarer Unterscheidung zwischen der dunklen und der hellen Seite der Macht und schon morgens beim Aufwachen zu sehen.

Folgerichtig trat Söder schon mit 16 Jahren in die CSU bei, erregte schnell Aufsehen. Nur die Ochsentour über die Kommunalpolitik, die war nichts für ihn. Er wollte mehr, und mit 28 Jahren war er schon Chef der Jungen Union in Bayern. Zwischendurch hatte er Jura studiert, danach beim Bayerischen Rundfunk als Fernseh-Volontär und -Redakteur das Handwerk der Inszenierung gelernt. Heute ist wohl kein Landespolitiker stärker und mit größerer Bundesreichweite in den Medien vertreten als Söder: als Gast in Talkshows ebenso wie als Twitter-Nutzer zu allen Tageszeiten. Für die vergangenen beiden Jahre hatte er von „Bild am Sonntag“ auch noch den politischen Vollblutjournalisten Michael Backhaus als obersten Medienberater und -steuerer geholt. Markus Söder wollte ja nicht einfach ein für Sachkompetenz und Fleiß gelobter Finanz- und Heimatminister bleiben, er hatte sehr konsequent und schon lange ein höheres Ziel im Blick: die Staatskanzlei.

Nicht umsonst hat Söder bis heute auch etliche Feinde in der CSU

Die Partei, die er dafür brauchte, die kennt Markus Söder aus dem Innersten heraus. Und er weiß mit ihr umzugehen. Unter Ministerpräsident Edmund Stoiber, auch ein Virtuose offener und verdeckter Machtausübung, war Söder vier Jahre lang CSU-Generalsekretär. Da kamen dienstliche Aufgaben und persönliches Talent aufs Engste zusammen: im scharfen Formulieren und Polarisieren, im Netzeknüpfen, im Flachbügeln innerparteilicher Gegnerschaften. Für die Methoden, die Söder dabei mitunter einsetzte, hat Horst Seehofer später eigens das Wort „Schmutzeleien“ erfunden. Nicht umsonst hat Söder bis heute auch etliche Feinde in der CSU.

Seehofer wollte seinen Rivalen nach Berlin wegloben; ein Auslandspraktikum, lockte er sinngemäß, sei unerlässlich für jede Karriere. Söder wich ums Verrecken nicht: „Meine Mission ist Bayern“, sagt er.

Und wenn dem mit demnächst 51 Jahren jüngsten Ministerpräsidenten Bayerns jetzt viele raten, er müsse sich ein Landesvater-Image zulegen, denn es brauche in diesem Amt eine Figur „mit hoher Integrationskraft“, dann antwortet er ungerührt: „Es wird keinen anderen Markus Söder geben.“ So oder so ähnlich bekräftigte er es in den letzten Tagen überall. Gut, nach einigen „Jugendsünden“ habe auch er seine „Reifungsprozesse“ hinter sich. Das Wichtigste aber sei es, „authentisch zu bleiben“, sich nicht „glattstylen“ zu lassen; „Stilfragen und Haltungsnoten“ seien nicht so wichtig: „Die interessieren die Bürger weniger, als man glaubt.“ Dass er „kein übertriebener Fan von Political Correctness“ sei, bekräftigt Söder: „Was ich denke, sage ich. Und was ich sage, das mache ich auch.“ Und: „Wir leben in einer Zeit, in der man die Wähler binden muss und nicht einschläfern darf.“

Der Wahlkampf in Bayern könnte furios werden

Der Wahlkampf, der in Bayern ab sofort beginnt – oder besser: nach der weihnachtlichen Gnadenfrist, denn die Akteure sind von den letzten Wochen noch ausgelaugt –, könnte also furios werden; Markus Söder legt es darauf an. Welche Rolle dabei Horst Seehofer spielen soll, der ja Parteichef bleiben will, muss sich erst zeigen. Söders Kampflinien sind jedenfalls klar. Zentrales Thema werden die Flüchtlinge sein: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass wir mehr an die Menschen denken, die neu in unser Land kommen und darüber die einheimische Bevölkerung vergessen.“ Die Milliarden, die für Asylbewerber ausgegeben würden, fehlten für Kindertagesstätten sowie für die Anstellung von Lehrern und Polizisten.

Gleichzeitig will Söder darstellen, wie reich und wohlverwaltet dieses Bayern sei, in dem er die Finanzen verwaltet und übers Land streut. Schulden zahlt der Freistaat schon heute zurück, bis 2030 soll das Land ganz frei davon sein. Und Söder will das „soziale Gewissen“ der CSU wieder erwecken. Wer wie er aus der Nürnberger Weststadt komme, „der weiß, dass das Leben nicht nur aus Glitzer besteht“. Der habe nicht nur die „Champagner-Etage“ der bayerischen Gesellschaft im Blick, sondern auch „die Leberkäs-Etage“.

Söder sagt, er werde sich „für Bayern zerreißen“. Vielleicht nicht nur dafür. Es gibt ja, selbst wenn er Ministerpräsident ist, einen Posten, den er noch nicht hat: den Vorsitz in der CSU. Es sei nur, sagt man in der Partei, eine Frage des Timings, wann er auch da zuschlage. Jedenfalls wenn er bei der Landtagswahl im Herbst nicht ganz danebenhaut.

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