Sven Ulreich fliegt wieder – zumindest für ein Spiel in der Champions League. Foto: dpa

Im Champions-League-Spiel des FC Bayern München am Mittwoch bei FK Rostow (18 Uhr) in Russland rückt der frühere VfB-Torhüter Sven Ulreich mal wieder zwischen die Pfosten. Inzwischen denkt der 28-Jährige über einen Abschied beim Rekordmeister nach.

München - Carlo Ancelotti geht auf Nummer sicher. Der Trainer des vorzeitig fürs Achtelfinale der Champions League qualifizierten FC Bayern München schont seinen Welttorhüter Manuel Neuer am Mittwoch beim FK Rostow (18 Uhr) wegen einer Wadenverhärtung. Damit öffnet sich der Vorhang für Edelreservist Sven Ulreich. Erstmals nach vier Monaten steht der frühere Schlussmann des VfB Stuttgart mal wieder zwischen den Pfosten. Damals hatte er in einer Vorbereitungspartie gegen Real Madrid gespielt – und prompt gepatzt.

Seine Situation ist nicht einfach. Nur alle paar Monate darf er mal ran. In seiner zweiten Saison in München bestreitet er am Mittwoch erst sein viertes Pflichtspiel überhaupt. Da fällt es schwer, den Rhythmus zu finden. Zumal er bei den Rekord-Bayern im Tor nicht gerade überbeschäftigt wird. Kommt mal was aufs Tor, ist Ulreich umso mehr gefordert. Und macht er wie gegen Real Madrid einen Fehler, muss er lange auf die Chance zur Wiedergutmachung warten.

Für immer Deutschland – aber für immer München?

Nach eigenem Bekunden hat der gebürtige Schorndorfer aber auch anderthalb Jahre nach seinem Rückzug auf die Reservebank kein Problem mit seiner Rolle als feste Nummer zwei. In einem Interview mit der Münchner „tz“ bekannte er unlängst: „Als Nummer zwei freut man sich über jedes Spiel, das man machen darf.“ Anscheinend ist er auch nicht frustriert, dass ihm Stammtorhüter Manuel Neuer kaum Einsatzzeiten gönnt. Der Nationaltorwart gilt als extrem ehrgeizig, will am liebsten jedes (noch so unbedeutende Spiel) bestreiten. „Ich war in Stuttgart nicht anders. Ich hätte nie von mir aus gesagt: Lass mal den zweiten Mann ran. Deshalb kann ich das voll und ganz nachvollziehen“, sagt Ulreich.

München sei toll, fährt der 28-Jährige fort und schwärmt vom Verein und noch mehr von der Stadt. Die Isar, die Biergärten, der Tegernsee – ein Paradies für den Familienmenschen und Hundeliebhaber. Der sich aber mit Ende 20 so langsam auch Gedanken über seine berufliche Zukunft macht, die er über das Vertragsende 2018 hinaus nicht zwingend in der bayrischen Landeshauptstadt sieht. „Ich habe mir immer gesagt, dass ich – wenn ich hier zwei, drei Jahre bleibe – immer noch sechs, sieben weitere Jahre auf hohem Niveau spielen kann“, erklärte er in dem Interview. Gefragt nach seinem Kindheitstraum Premier League antwortete er: „Die englische Liga reizt mich. Aber die deutsche Liga ist so gut geworden, dass ich mir gut vorstellen kann, für immer in Deutschland zu bleiben.“ Aber auf ewig als Nummer zwei in München? Es klingt, als ob der sportliche Ehrgeiz Ulreich langsam wieder packt.

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